Fußball: Engin Yavuzaslan über die Zwangspause und die Perspektiven
„Nur mit Herz und Leidenschaft“

Coesfeld. Am Mittwochnachmittag hatte er sich noch auf das Oberliga-Duell gegen den RSV Meinerzhagen gefreut, dann kamen gleich zwei Hiobsbotschaften binnen kürzester Zeit: Zunächst sagten die Gäste die Partie wegen eines Corona-Falls kurzfristig ab, dann folgte am Abend der komplette Sport-Lockdown bis Ende November. Engin Yavuzaslan, Trainer der SpVgg Vreden, hängt wie alle Sportler in der Warteschleife. Unser Redaktionsmitglied Frank Wittenberg sprach mit dem 39-Jährigen über den bisherigen Saisonverlauf, die Perspektiven und seine ehemaligen Clubs Westfalia Osterwick und DJK Coesfeld.

Montag, 02.11.2020, 10:45 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 10:50 Uhr
Beim Testspiel in der Saisonvorbereitung zwischen der DJK Coesfeld und SpVgg Vreden gab es das Wiedersehen zahlreicher Doublesieger: (oben von links) Engin Yavuzaslan, Steffen Warnecke, Andree Dörr, Lucca Rensing, Marius Borgert, Marius Winking, Marvin Langer, Claus Heinze, Dominic Steiner, Cedric Pollmeier, Simon Brück; unten von links: Lars Ivanusic, Tobias Hüwe, Mario Worms, Timo Grabowsky, Johannes Kasnaschteew, Kai Heming, Philip Luca Schink, Hendrik Schüer. Foto: Frank Wittenberg

Engin, jetzt bremst es plötzlich von 100 auf null – wie gehst Du damit um?

Engin Yavuzaslan: Das ist schon sehr erschreckend. Aber das Coronavirus ist aktuell der stärkste Gegner, das müssen wir akzeptieren.

Wie geht es mit der Saison weiter?

Yavuzaslan: Ich denke, es ist abzusehen, dass sie bei uns in der Oberliga nicht bis zum Ende gespielt werden kann, zumal ich leider nicht davon ausgehe, nach dem November gleich wieder loslegen zu können. Die vielen Saisonspiele, dazu sind wir in zwei Pokalwettbewerben vertreten – ich bin mal gespannt, was sich die Verantwortlichen einfallen lassen.

Was könnte Deiner Meinung nach eine Lösung sein?

Yavuzaslan: Vielleicht muss man versuchen, im nächsten Jahr die Hinrunde fortzuführen und zu beenden. Dann wären 50 Prozent gespielt und die Saison könnte gewertet werden. Aber ich möchte die Entscheidung nicht treffen müssen.

Euch hat es aus einem guten Lauf gerissen – 14 Punkte nach neun Spielen und Platz acht ist für einen Aufsteiger eine ordentliche Bilanz.

Yavuzaslan: Ja klar, wir hätten gerne durchgespielt. Wir haben eine schöne Momentaufnahme, aber das Ziel bleibt allein der Klassenerhalt. Noch wichtiger als die reinen Ergebnisse ist mir aber, den Jungs meinen Stil zu vermitteln und eine Einheit zu formen. Jeder einzelne Spieler soll sich weiterentwickeln, dabei mutig, frech und unbekümmert auftreten. Das ist bisher sehr gut gelungen, und das möchte ich auch in der nächsten Saison fortsetzen. Harte Arbeit wird belohnt!

 . . . was Du weiter anpacken wirst, weil Du schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt verlängert hast.

Yavuzaslan: Ich sehe das Potenzial in Vreden und ich traue mir das zu. Und es ehrt mich natürlich, dass der Vorstand so früh auf mich zugekommen ist. Das ist eine Bestätigung meiner Arbeit. Du darfst nicht vergessen: Ich komme aus der Bezirksliga in die Oberliga, das ist nicht selbstverständlich.

Und der Aufwand ist vermutlich noch einmal deutlich größer?

Yavuzaslan: Auf jeden Fall. Normalerweise haben wir vier Trainingseinheiten in der Woche und ein Spiel, dazu kommt die gesamte Planung drumherum. Und die Fahrerei, pro Weg etwa eine Stunde und 20 Minuten. Der Aufwand ist nicht zu bezahlen, das geht nur mit Herz und Leidenschaft.

Daran sollte es bei Dir nicht scheitern . . .

Yavuzaslan: Dafür lebt man. Ich wollte es so. Nach Westfalia Osterwick und DJK Coesfeld ist die Aufgabe in Vreden für mich der nächste Schritt.

Der noch nicht das Ende sein muss?

Yavuzaslan: Vielleicht geht es für mich irgendwann noch weiter in höhere Ligen, aber so weit möchte ich noch nicht nach vorne blicken. Es bringt nichts, fünf Schritte zu überspringen und dann acht nach hinten machen zu müssen. Jetzt gilt die volle Konzentration der SpVgg Vreden. Meine Mission hier ist noch längst nicht beendet, deshalb habe ich verlängert.

Ein Blick auf Deine beiden Ex-Vereine: Was traust Du Westfalia Osterwick nach dem durchwachsenen Start noch zu?

Yavuzaslan: Wenn die Saison zu Ende gespielt werden kann, bleibt ihnen noch genug Zeit, den Weg nach oben zu machen. Mario Worms wird das mit seinen Jungs schon wuppen. Mario ist menschlich und als Trainer top, und über seine fußballerischen Qualitäten müssen wir nicht sprechen.

Die DJK Coesfeld spielt nach dem Wiederaufstieg in die Bezirksliga gleich eine gute Rolle.

Yavuzaslan: Ja, Riesenkompliment an die Mannschaft und meinen alten Spezi Claus Heinze, der als Trainer einen tollen Job macht. Ich habe ihm das zugetraut. Es freut mich für den Verein, dass er eine ordentliche Rolle spielt. Auch Christian Lechtenberg und Hendrik Schemmer haben im Hintergrund dafür gesorgt, den Wagen wieder super auf die Straße zu bekommen.

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