Bernhard „Boschi“ Stippel und ein Leben für das Ehrenamt
„Mach mal“ – mehr als 65 Jahre lang

Coesfeld. Mit dem Ehrenamt ist das so eine Sache. Oft kommt es unverhofft und mit sanftem Nachdruck – „Boschi, Du kannst das wohl machen“, bekommt er zu hören, als bei den Rasensportlern kurzfristig der Posten des Fußballobmanns neu besetzt werden muss. Und Boschi macht es, geht im zarten Alter von 19 Jahren in die Verantwortung. In der bleibt er in verschiedensten Funktionen, und das mehr als 65 Jahre lang. „Wenn man da einmal tätig ist, wird man immer wieder angesprochen“, lächelt Bernhard Stippel, den alle nur als „Boschi“ kennen. „Und ich habe es immer gerne gemacht.“

Samstag, 07.11.2020, 13:15 Uhr aktualisiert: 07.11.2020, 13:20 Uhr
Foto: Frank Wittenberg

Dabei beginnt seine sportliche Karriere eher „normal“ in der Kinderturngruppe von Walter Fedder. „Mit sechs Jahre habe ich dort angefangen, gemeinsam mit Jünke Terhorst“, erinnert er sich gerne an seinen alten Kumpel von der Walkenbrückenstraße, mit dem er fast alles gemeinsam unternommen hat: Rasensport, später auch Die-La-Hei, Bürgerschützenverein, Kegelclub. Vom Kinderturnen geht es zu den Jugendfußballern, mit den Schritt ins Seniorenalter übernimmt er den Posten des Mannschaftsbegleiters bei der ersten Mannschaft – um nur ein Jahr später Fußballobmann zu werden. „Ich war sehr jung, aber ich glaube, ich habe das ganz gut gemeistert“, sagt der heute 86-Jährige.

Beruflich geht er seinen Weg. Bei „Seppel“ Voss in Coesfeld lernt Stippel den Eisenwarenhändler, später übernimmt er eine Handelsvertretung für Baubeschläge in Schwelm, die noch heute von seinem Sohn Volker weitergeführt wird. Und ehrenamtlich bleibt er vielseitig am Ball: stellvertretender Vorsitzender des Rasensport, später dann zehn Jahre erster Vorsitzender. „Damals haben wir den Verein im wahrsten Sinne ehrenamtlich geführt“, verweist Stippel auf die Zeit in den 80er und 90er Jahren, in denen rund 3200 Mitglieder der Rasensport-Familie angehören und seine Frau Gisela daheim den gesamten Schriftverkehr erledigt. Verlassen darf er sich auch immer auf tatkräftige Unterstützung von Aktiven wie Heinz Rotthäuser oder bei der Stadtverwaltung Walter Löbbert.

Über die Vereinsgrenzen hinaus engagiert er sich als Vorsitzender des Stadtsportrings und sachkundiger Bürger im Sportausschuss der Stadt Coesfeld – kein Wunder, dass er 1983 mit der Stadtplakette für hervorragende Dienste um das sportliche Leben in der Stadt ausgezeichnet wird. Dazu geht es in den Verbandsbereich als Vorsitzender der Kreisspruchkammer und Mitglied der Kreisjugendspruchkammer. Insgesamt 37 Jahre lang übernimmt „Boschi“ Stippel hier Aufgaben, was mit der Goldenen Verdienstnadel des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen und der DFB-Verdienstnadel honoriert wird.

Alles tolle Zeiten, aber an zwei Ereignisse denkt der 86-Jährige besonders gerne zurück. Neben dem Besuch in Moskau (weiterer Bericht) ist das der Landesliga-Aufstieg der Rasensportler im Jahr 1962. „Wir hatten meist mindestens 2000 Zuschauer, einmal gegen Holsterhausen aus Dorsten sogar 5000“, schwärmt Stippel, der damals auf seine ganz eigene Art zum Erfolg beiträgt: An den Wochenenden kurvt er durch das Münsterland und bis nach Eschwege in Hessen oder Duderstadt bei Göttingen, um die Kasernen abzuklappern und die Spieler einzusammeln. „Alles auf eigene Kosten“, zuckt er mit den Schultern. Aber der Lohn sind die sportlichen Erfolge und die vielen Zuschauer.

Bleibt noch die Frage, wie irgendwann aus dem Bernhard der Boschi wird. Auch da hat Jünke Terhorst seine Finger im Spiel und verwandelt Bosch, den Mädchennamen von Stippels Mutter, in einen neuen Spitznamen. Der bürgert sich im wahrsten Sinne ein. „Auf Bernhard höre ich gar nicht“, zuckt der 86-Jährige mit den Schultern. Denn Boschi kennt jeder, selbst die Post. „Wir haben mal eine Karte nur mit ,Boschi, Coesfeld’ von Norderney abgeschickt“, lacht er. „Ist angekommen,“

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