Tischkicker: Herbert Bölt zieht sich aus der Senioren-Bundesliga zurück
Abschied ohne Abschiedsspiel

Coesfeld. Abtreten muss er ohne Abschiedsspiel. Denn der Ball rollt nicht, weder auf den Plätzen, noch auf dem Tischkicker. Aber die Entscheidung steht, und die hat schlicht mit den fortgeschrittenen Lebensjahren zu tun. „Ich bin ja mittlerweile 22 Jahre älter als die jüngsten Gegner, gegen die ich antreten muss“, sagt Herbert Bölt. Deshalb wird der Coesfelder seine Karriere als Senioren-Bundesligaspieler ab sofort beenden, seinem Heimatverein SG 06 aber weiter erhalten bleiben.

Dienstag, 19.01.2021, 07:30 Uhr
Tolles Erlebnis: Mit Uwe Plaspohl belegte Herbert Bölt (rechts) bei der WM 2017 in Hamburg den neunten Platz. Foto: az

Herbert Bölt hat eine Menge erlebt. Bei sechs Deutschen Meisterschaften ist er am Start, sogar bei der Weltmeisterschaft 2017 – und das, obwohl er zwischenzeitlich über 40 Jahre überhaupt keinen Kontakt mit diesem Sport hat. „Als Jugendlicher habe ich mal in der Pommesbude gespielt“, erinnert er sich an seine ersten Kontakte mit dem Tischkicker. „Das ging ganz gut, aber dann ist lange Zeit nichts passiert.“ Bis er im Jahr 2006 auf die Idee kommt, in Lette an einem Turnier teilzunehmen. Ein „Ausflug“, der viel Spaß bereitet und den damals 58-Jährigen motiviert, sich mehr diesem Hobby zu widmen.

Mit dem entsprechenden Talent und Ehrgeiz nimmt die Sache ihren Lauf. „Ich habe dann häufiger mit einer Gruppe in Billerbeck und Havixbeck gespielt“, erinnert sich Bölt. 2009 folgt die Gründung einer eigenen Tischkicker-Abteilung in der SG Coesfeld 06. Im Keller des Vereinsheims an der Osterwicker Straße legen sie mit zehn bis zwölf Aktiven an zwei Tischen los, zudem wird eine Mannschaft für die Bezirksliga gemeldet, damals die unterste Klasse. „Zu Beginn waren wir chancenlos“, gibt der 72-Jährige zu. „Wir mussten uns auch erst einmal durch die ganzen Paragraphen arbeiten.“

Schritt für Schritt geht es aber aufwärts. Für die SG 06, speziell auch für Herbert Bölt, der schon 2012 erstmals an den Deutschen Meisterschaften im sauerländischen Medebach teilnehmen darf und dort mit Dieter Schürmann Rang 20 von 56 Duos sowie im Einzel auf Anhieb Platz neun belegt. Sechs Jahre in Folge geht Bölt bei den „Deutschen“ an den Tisch, 2017 sogar bei den Weltmeisterschaften in Hamburg. Mit seinem Verteidiger Uwe Plaspohl aus Köln holt er den neunten Platz, garniert mit einem besonderen Sahnehäubchen: Im Vorrundenspiel bezwingt das deutsche Team den Doppel-Weltmeister aus Kanada, Fred Gower, und seinen Partner Robert Plöger aus den Niederlanden mit 5:3 und 5:1. „Gegen Fred Gower habe ich auch im Einzel mal gewonnen“, lächelt der Coesfelder.

Parallel spielt Herbert Bölt in der Senioren-Bundesliga, zunächst für die Sinshots Wuppertal, dann für die Kölner Kickerfabrik. Während es bei den Turnieren die Altersklasse Ü 62 gibt, ist Ü 50 die älteste Gruppe im Ligabetrieb. „Das macht es für mich nicht einfacher“, verweist er auf den mittlerweile großen Altersunterschied zu vielen Gegnern. „Ich komme noch gut klar, auch wenn ich vor drei Jahren wegen einer Schulterverletzung länger pausieren musste.“ Jetzt sei es aber an der Zeit, den Platz für Jüngere freizumachen.

Was aber nicht bedeutet, dass sich der 72-Jährige aus seinem geliebten Hobby ganz zurückziehen wird. Das Ticket für die Deutschen Ü 62-Meisterschaften hat er als Erster der Rangliste bereits in der Tasche, auch wenn noch völlig offen ist, ob sie ausgetragen werden können. „Außerdem werde ich als Spielertrainer in unserer Kreisliga-Mannschaft weitermachen und die Jugendlichen unterstützen“, kündigt er an. Denn den Spaß am schnellen Spiel, bei dem die Kugel mit bis zum 90 km/h über den Tisch bewegt wird, den will er gerne weitergeben.

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