Fußball: „Seiteneinsteiger“ Dirk Beßler nimmt die Regionalliga ins Visier
Die Faszination lässt nicht nach

Coesfeld. In den Trainerjob kam er wie die berühmte Jungfrau zum Kinde. Denn sein Plan war es gewiss nicht, zumal er sich mit dem Thema nicht groß beschäftigt hatte. „Ich wollte nur die Mannschaft meiner Schwester Yvonne im Fitnessbereich unterstützen“, zuckt Dirk Beßler mit den Schultern. Das kam an, bei ihm und den Spielerinnen des VfL Billerbeck II – der Startpunkt auf einem Weg, der den Coesfelder mittlerweile in die Westfalenliga gebracht und möglichst noch bis in die Regionalliga führen soll. Denn aus der Unterstützung in Billerbeck ist für Beßler seit Jahren die Verantwortung bei den ambitionierten Frauenfußballerinnen des SSV Rhade gewachsen.

Samstag, 23.01.2021, 11:30 Uhr
Als Schalke-Fan hat Dirk Beßler zurzeit nicht wahnsinnig viel zu lachen, als Trainer des SSV Rhade schon: Der Coesfelder geht beim Westfalenligisten in sein siebtes Jahr. Foto: Frank Wittenberg

Seinen eigenen Weg als Fußballer beschreibt der 46-Jährige als „sehr engagiert, aber für mehr als Kreisliga A hat es nie gereicht.“ Bei Raspo Coesfeld liegt seine Heimat, wo er unter anderem unter Frank Averesch kickt, dem er später auch zu Germania Asbeck folgt. „Nach der Fusion habe ich als Co bei der sechsten Mannschaft der SG 06 unterstützt“, erzählt Beßler. Aber richtig als Trainer arbeiten, nein, das kommt ihm vorerst nicht in den Sinn.

Bis zur besagten Winterpause 2012/13, als Yvonne Castelle ihren Bruder dazu motiviert, bei den Frauenfußballerinnen des VfL Billerbeck II Trainer Mario Popp zu unterstützen und sich in der Vorbereitung auf die Rückrunde um den Fitnessbereich zu kümmern. „Das hat Spaß gemacht“, lächelt Beßler. „Also bin ich dabei geblieben.“ Nach dem Aufstieg in die Landesliga übernimmt er im Sommer 2013 das Team verantwortlich, bleibt zwei Jahre lang am Ruder und schafft mit seinen Spielerinnen jeweils das Ziel Klassenerhalt.

Die Faszination Fußballtrainer lässt ihn nicht mehr los. Dirk Beßler bildet sich fort, besucht Lehrgänge, legt die C- und B-Lizenz ab. Und er heuert im Sommer 2015 bei den Fußballerinnen des SSV Rhade an, die zu dieser Zeit ebenfalls zu den Kellerkindern der Landesliga zählen und erst am letzten Spieltag der Saison 2014/15 den Klassenerhalt geschafft haben. „Danach ging es mit der identischen Mannschaft schon auf Platz vier“, erinnert er sich.

Der Aufwärtstrend hält an: In den beiden folgenden Spielzeiten schafft es der SSV jeweils auf Platz zwei – „und dann hatten wir uns den Aufstieg auch irgendwann verdient“, sagt Beßler mit Blick auf den Titel 2019, der sein Team in die Westfalenliga befördert. Parallel startet der Club im Mädchenbereich durch, für den er Mike Lerche von der TSG Dülmen nach Rhade lotst. „Das hat sich gelohnt“, lacht Dirk Beßler über die Erfolgsstory, die sein ehemaliger SG-Teamkollege schreibt und die im vergangenen Sommer mit dem Aufstieg der U 17 in die Mädchen-Bundesliga gekrönt wird. „Von diesem hervorragenden Unterbau profitieren wir im Frauenbereich.“

Deswegen soll der Weg noch nicht enden. Platz sechs belegt der Aufsteiger in der abgebrochenen Saison 2019/20, punktgleich mit dem VfL Billerbeck. Dazu holt Rhade mit einem 4:1-Sieg gegen den Ex-Bundesligisten Sportfreunde Siegen den Westfalenpokal. „Sensationell“, strahlt der 46-Jährige. „Leider waren nur 300 Zuschauer zugelassen, aber 5000 Leute haben das Spiel im Live-Stream verfolgt.“ In der ersten Runde des DFB-Pokals kam mit einem knappen 0:1 gegen den Zweitligisten Borussia Bocholt das Aus für die Mannschaft, in der zwei bekannte Gesichter aktiv sind: Maike Sicking aus Lette hat als Youngster den Sprung in den Kader geschafft, ebenso wie Coesfelderin Susanne Leifeld, die vorher bei Turo Darfeld gespielt hat.

Aktuell belegt der SSV nach sechs Spielen Rang vier, nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Fortuna Freudenberg. Geht da noch was Richtung Regionalliga? „Abwarten“, bleibt Dirk Beßler gelassen. Zurzeit sei ja nur darüber zu spekulieren, wie es mit dieser Saison weitergeht. „Ich denke, dass die Hinrunde noch abgeschlossen werden kann und muss.“ Das Team von Germania Hauenhorst, mit dessen Trainer Ralf Spanier er sich blendend versteht, sieht er als Topfavorit an. Das direkte Duell hätte kurz vor Weihnachten stattgefunden und steht nun noch aus – ebenso wie das reizvolle Aufeinandertreffen mit dem VfL Billerbeck und seinem ehemaligen Trainer Frank Averesch.

Wenn es jetzt nicht klappen sollte mit der Regionalliga, dann wird in der nächsten Saison ein neuer Anlauf genommen. Mit Dirk Beßler an der Seitenlinie, der dem SSV Rhade gerade seine Zusage für das siebte Trainerjahr gegeben hat und mit Dieter Müssner einen zuverlässigen Macher als Sportlichen Leiter hinter sich weiß. Immer weiter im Frauenfußball, für den sich der Coesfelder so gerne einsetzt. „Weil da die Einstellung einfach passt“, richtet er ein dickes Lob an die kickenden Damen, die zwar in der Westfalenliga unterwegs sind, dafür aber keinen Cent bekommen. „Taktisch und technisch sind die Frauen bestimmt nicht schlechter als die Männer“, versichert Beßler. „Aber was sie besonders auszeichnet, ist der Wille, das auch ohne Kohle durchzuziehen.“

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