Reiten: Kira Laura Soddemann nimmt die WM für junge Dressurpferde fest in den Blick
Disziplin gepaart mit Ehrgeiz

Coesfeld. Der große Traum war zum Greifen nah. Den Lohn einfahren für die harte und intensive Arbeit – Kira Laura Soddemann spürte diese riesige Vorfreude. „Aber dann kam die Absage“, zuckt sie mit den Schultern. Keine Weltmeisterschaft 2020 für junge Dressurpferde in Verden, kein Auftritt auf der internationalen Bühne, obwohl das verdiente Ticket dafür in der Tasche war. Schade, aber die 33-Jährige richtet den Blick voraus: „Dann packe ich eben in diesem Jahr neu an.“

Samstag, 06.02.2021, 12:45 Uhr aktualisiert: 06.02.2021, 12:50 Uhr
Foto: Archiv

Korrektheit und Disziplin nennt Kira Soddemann die wichtigsten Voraussetzungen im Dressursport. Wenn dann noch der Ehrgeiz als Charaktereigenschaft hinzukommt, kann der Weg kontinuierlich nach oben führen. „Die Leistung mit dem Sportpartner auf den Punkt zu bringen, macht für mich den großen Reiz aus“, beschreibt sie die Faszination. Was umso schwieriger ist, weil dieser Sportpartner eben kein Ball ist, sondern ein Lebewesen mit eigenem Willen. Deshalb sei auch nicht mit jedem Pferd die identische Qualität zu erreichen. „Man fühlt und sieht das schnell ob es passt oder nicht“, weiß sie aus Erfahrung.

Dabei ist der Weg zum Dressurreiten für sie nicht direkt vorgegeben. „Ich habe viele Sportarten ausprobiert“, lächelt die Coesfelderin. Ballett, Judo, Schwimmen, Tennis: „Meine Mutter hat mir viele Möglichkeiten gegeben.“ Mit neun kommt sie auf eigenen Wunsch in ihrer Heimatstadt Witten in eine Reitschule. Das Springreiten macht ihr Spaß, die Dressur ebenfalls – doch die Entscheidung, in welche Richtung sie sich spezialisieren möchte, wird ihr mit 15 Jahren abgenommen. „Ich hatte zu der Zeit kein geeignetes Springpferd zur Verfügung“, erzählt sie.

Ihren Weg geht sie schließlich mit aller Konsequenz. Berufsreiterin zu werden, nein, das ist ursprünglich nicht der Plan. „Ich wollte eher zur Polizei“, blickt Kira Soddemann zurück. „Aber nach der Schule habe ich dann eine Reitausbildung begonnen.“ Und die fesselt sie nachhaltig, auch weil sie eine hervorragende Unterstützung erhält. Ein Jahr lang lernt sie an der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster, dann zwei Jahre auf der Reitanlage von Ansgar Westrup in Havixbeck, wo sie mit Dressurgrößen wie Henrike Sommer und Helen Langehanenberg zu tun hat. „Das war toll“, schwärmt sie – und schließt die Ausbildung mit Auszeichnung ab. Als Berufsreiterin und Trainerin darf sie in der Folge arbeiten. „Richteranwärtin bin ich auch noch“, erzählt die 33-Jährige, die für den ZRFV Coesfeld/Lette startet. Diese Ausbildung liegt aber aktuell auf Eis: „Dazu bin ich selbst viel zu sehr im Turniersport unterwegs.“

Und das sehr erfolgreich. Im Corona-Jahr 2020 schafft Kira Soddemann mit gleich drei Pferden die Qualifikation für das Bundeschampionat in Warendorf, wo sie im September mit „Jetset“ bei den fünfjährigen Dressurpferden die Bronzemedaille holt und mit „Señor Charming“ bei den Sechsjährigen sogar Silber – „mein bisher größer Erfolg mit Jungpferden“, lächelt die Reiterin, die so auch das doppelte Ticket für die Weltmeisterschaft in Verden löst. Die soll im Dezember 2020 stattfinden, wird aber gut drei Wochen vorher wegen der Corona-Pandemie abgesagt. „Nicht verschoben, sondern komplett ausgefallen“, bedauert sie.

Eine Chance ist geplatzt, aber die nächste will sie ergreifen. Dafür trainiert sie jeden Tag, arbeitet mit 14 verschiedenen Dressurpferden und freut sich über die hervorragenden Voraussetzungen, die sie im Pferdesportzentrum in Flamschen vorfindet. Dort wohnt sie, dort ist ihr Mann Dino seit 2017 als Haus- und Platzmeister tätig. Und dort verfügt sie auch über eine sehr gute Trainerin: Tochter Lynn-Sophie. Die Achtjährige schaut genau hin, wenn die Mama auf dem Pferd sitzt – „und sie gibt mir auch ein gutes Feedback.“ Logisch, dass auch Lynn schon mit Begeisterung viel Zeit in den Reitsport investiert. Sehr zur Freude ihrer Eltern, die aber auch voll und ganz akzeptieren würden, wenn ihr Sprössling keine Lust dazu hätte. „Der Reitsport gibt viel, nimmt aber auch eine Menge“, weiß Kira Soddemann um den großen Aufwand an Zeit und Konzentration. „Da muss die Familie schon dahinterstehen.“

Daran soll es nicht scheitern. Dino und Lynn Soddemann unterstützen nach Kräften, damit die 33-Jährige ihre Ziele weiterverfolgen kann. Und sie trösten, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist – wobei sie versichert, dann nicht lange mit saurer Miene durch die Gegend zu laufen. „Niederlagen machen mich eher stärker“, sagt die Coesfelderin. „Ich bin dann noch fokussierter, an Verbesserungen zu arbeiten.“ Dieser gesunde Ehrgeiz soll Kira Laura Soddemann auch durch 2021 tragen, diesmal tatsächlich bis zur WM in Verden. „Natürlich muss ich mich neu qualifizieren.“ Mit „Jetset“ zunächst für das Bundeschampionat, dann weiter zur WM-Sichtung, wo sie auch mit „Señor Charming“ erfolgreich sein will – für den Traum von der Weltmeisterschaft hat sie zwei heiße Eisen im Feuer.

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