Fußball: Verband annulliert die Saison 2020/21
Endgültig aus und vorbei

Kreis Coesfeld. Freud und Leid liegen in dieser Minute dicht beieinander. Während Vorwärts Lette gestern Mittag erleichtert an den Klassenerhalt einen Haken machen darf, steht für Turo Darfeld fest: Alle Träume von Meistertitel und Bezirksliga-Aufstieg sind vorerst geplatzt. „Damit mussten wir ja schon seit Wochen rechnen“, bleibt Markus Lindner gelassen. Immerhin besteht jetzt Planungssicherheit: Mit der Entscheidung des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen, die Saison 2020/21 zu annullieren und nicht zu werten, werden alle Ligen auf Null gestellt – einen Neustart soll es in allen Klassen, von den Männern über den Frauenbereich bis hin zur Jugend, in der identischen Konstellation im August geben.

Dienstag, 20.04.2021, 07:30 Uhr
Was Johannes Sicking (unten) in dieser Szene nicht gelingt, hat die anhaltende Corona-Pandemie nun geschafft: Gabriel Helms (links) und Turo Darfeld sind auf dem Weg in die Bezirksliga unsanft ausgebremst worden. Gestern hat der FLVW die Saison 2020/21 endgültig annulliert. Foto: Frank Wittenberg

Das Ende der zähen Hängepartie nimmt Micky Richter mit Erleichterung zur Kenntnis. Nicht allein, weil für das Schlusslicht der Kreisliga A nun feststeht, dass in Lette auch in der kommenden Saison „erstklassig“ gespielt werden darf. „Wir hätten es definitiv lieber sportlich gelöst“, betont der Vorwärts-Fußballabteilungsleiter. „Aber viel wichtiger ist jetzt, dass wir als Verantwortliche durchatmen können.“ Denn über Wochen und Monate habe sich alles um die Frage gedreht, was getan werden müsse, um die Spieler bei Laune zu halten und im Falle eines Re-Starts alles sicher über die Bühne zu bringen.

Genau das, gibt Richter ehrlich zu, sei in den vergangenen Wochen immer komplizierter geworden. „Alle Vereine haben mittlerweile das Problem, die Jungs zu motivieren“, weiß er aus vielen Gesprächen. Wenn keine Aussicht auf Fußball besteht, gehe irgendwann der Ehrgeiz flöten. Das deckt sich mit der Meinung von Markus Lindner, der sich trotz des Spitzenplatzes seiner Darfelder nicht sicher gewesen wäre, alle noch einmal für den eventuellen Endspurt auf die nötige Betriebstemperatur bringen zu können. „Ich glaube sowieso, dass es in den unteren Klassen in Zukunft viel schwieriger wird“, vermutet der Turo-Trainer. „Bei einigen Spielern dürften sich in der langen Pause die Prioritäten verschoben haben.“ Teilweise auch verständlich, ergänzt Micky Richter: „Es gab auch bei uns einige Jungs, die wegen jetzt anstehender Klausuren oder Abschlussprüfungen nicht einfach wieder eingestiegen wären.“

Durchatmen ist angesagt. Wie es konkret weitergeht, müsse jetzt mit den Mannschaften und Trainern besprochen werden. Lauf- und Online-Einheiten beibehalten oder einfach Pause machen, bis eine richtige Vorbereitung auf dem Platz wieder möglich ist, das sind die Alternativen. „Wobei ich es sogar für fraglich halte, ob wir Anfang Juli wieder trainieren können“, hält Richter den geplanten Saisonstart am 15. August für wackelig.

Wann auch immer sie wieder durchstarten können, bei Turo Darfeld ist das Ziel klar. „Dann müssen wir eben zum 100-jährigen Vereinsjubiläum 2022 versuchen, aufzusteigen“, sagt Markus Lindner, der sich die Option gewünscht hätte, die Tabellen zum Stand Ende Oktober 2020 einzufrieren und dann ab September einfach weiterzuspielen: „Dann wären die bisherigen Leistungen nicht einfach unter den Tisch gefallen.“ Letztlich müssen und werden sie die Situation annehmen. Der Titel 2021 ist futsch – aber das gute Gefühl bleibt. „Wir haben mit einem Derbysieg in Osterwick aufgehört“, sagt Lindner mit einem Augenzwinkern. „Das nehmen wir jetzt monatelang mit.“

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