DFL-Geschäftsführer
Seifert: Enger Titelkampf ist kein Zeichen der Schwäche

Der spannende Meisterschaftskampf in der Bundesliga bringt Aufmerksamkeit und Quoten. Darüber freut sich natürlich auch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Dass der deutsche Club-Fußball schlechter geworden sei, das bestreitet er.

Sonntag, 05.01.2020, 11:11 Uhr aktualisiert: 05.01.2020, 11:14 Uhr
Ist für mehr Bundesligaspiele im Free-TV: DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - DFL-Boss Christian Seifert will angesichts des engen Titelrennens in der Bundesliga nichts davon wissen, dass die Qualität gelitten hat.

«Wenn einer vorne weg läuft, heißt es: langweilige Bundesliga. Ist es wie jetzt mal eng, soll es ein Zeichen der Schwäche sein», beklagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga in einem Interview der «Bild am Sonntag» und verwies auf einen internationalen Trend. Der 50 Jahre alte Topmanager kündigte an, dass das Edelprodukt nicht komplett im Bezahlfernsehen verschwinden werde und äußerte zudem seinen Unmut über die Handspiel-Debatte.

Mit Ausnahme der englischen Premier League, wo der FC Liverpool und Jürgen Klopp vorne weg marschieren, sei die Meisterschaft auch in anderen Ländern interessanterweise spannender geworden, erklärte Seifert. «Real, Barça oder Juve laufen nicht mehr so weit vorne weg wie in den letzten Jahren.» Man sehe, dass ein Zyklus zu Ende gehe von sehr dominanten Spielerpersönlichkeiten der 2000er-Jahre wie etwa Franck Ribéry und Arjen Robben. «In dieser Phase eine Erneuerung einzuleiten, scheint schwieriger als von vielen Außenstehenden erwartet. Kader, Mannschaft, Hierarchie und System müssen sich erst finden», sagte Seifert.

Die Bundesliga werde auch weiter im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein. «Die Anzahl der Spiele im Free-TV wird bei der nächsten Ausschreibung größer sein», sagte Seifert. Die DFL wollte die Fernsehrechte ab der Saison 2021/22 zu Beginn dieses Jahres ausschreiben. Derzeit darf das ZDF wenige Freitagsspiele live im frei empfangbaren TV zeigen. Der Bezahlsender Sky überträgt live alle Begegnungen am Samstag und in der Konferenz sowie 60 Partien am Sonntag. Die 2. Liga läuft live nur bei Sky. Zudem hat sich der kostenpflichtige Streamingdienst DAZN Live-Rechte an der Bundesliga gesichert.

Als mögliche Interessenten für die Bundesliga-Rechte werden auch die Streaming-Anbieter Amazon Prime oder Netflix gehandelt. Seifert sieht darin kein Problem für die Fans und verwies auf eine außergewöhnliche «Qualitätsverbesserung im Bereich Serien und Filme» durch die Streamingdienste.

Der DFL-Chef warnte jedoch davor, trotz der hohen Zahl der Interessenten einen erneuten Sprung bei den TV-Einnahmen für die Bundesliga und damit eine Qualitätsverbesserung zu erwarten. «Ob uns die nächsten paar Millionen Euro mehr wirklich besser machen auf dem Platz, diese Frage muss irgendwann erlaubt sein», sagte er. Die Bundesligisten kassieren durch den laufenden Vertrag von 2017/18 bis 2020/21 insgesamt 4,64 Milliarden Euro allein aus der nationalen Vermarktung.

Grundsätzlich positiv äußerte sich Seifert über die Anwendung des Videobeweises im deutschen Fußball, sieht die jetzige Interpretation des Handspiels aber als «absolutes Ärgernis. Keiner weiß noch, was Hand ist und was nicht», sagte er. Ähnliches gelte für Millimeter-Entscheidungen über Abseits, fügte er hinzu. «Meine innige Hoffnung ist, dass wir etwa zu einer Hand-Regel kommen, die nachvollziehbar ist und bei der die Schiedsrichter wissen, was sie zu tun haben», sagte Seifert.

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