Trainer Werder Bremen
Kohfeldt hofft: Mit «Lust auf Fußball» zum Klassenverbleib

Endlich wieder mit alle Mann auf den Platz: Bei Werder Bremen ist die Freude über die Rückkehr ins Team-Training groß. Trainer Florian Kohfeldt sieht sein Team körperlich fit - und nimmt dem Vorletzten ein mögliches Alibi.

Freitag, 08.05.2020, 14:55 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 14:58 Uhr
Konnte erst später als die Konkurrenz mit dem SV Werder Bremen das Training wieder aufnehmen: Trainer Florian Kohfeldt. Foto: Clara Margais

Bremen (dpa) - Die Freude über den Bundesliga-Neustart hat man Florian Kohfeldt deutlich ansehen können. Fröhlich lächelnd und sichtbar voller Energie präsentierte sich der Trainer von Werder Bremen auf einer Online-Pressekonferenz und unterlegte seinen Optimismus mit unmissverständlichen Worten.

«Die Lust auf Fußball als Spiel ist bei allen immens groß», sagte er geprägt von den Eindrücken aus dem seit Kurzem wieder erlaubten Mannschaftstraining. Vor der ersten Übungseinheit im Team seit langer Zeit am Vortag hatte er den Greenkeeper extra angewiesen, den Platz besonders perfekt vorzubereiten. Die Hoffnung des Coaches: Der Spaß am Fußball soll bei seinen Spielern «auch ein bisschen dieses Thema Abstiegskampf» überstrahlen.

Nach Wochen der Diskussionen über eine Sonderrolle des Fußballs, Hygienekonzepte und Fortsetzungsszenarien richtet sich bei Werder der Blick wieder auf das Kerngeschäft - wenn auch unter Berücksichtigung der besonderen Corona-Umstände.

Körperlich sieht Kohfeldt sein Team gut aufgestellt. «Ich würde sagen, dass wir in der Breite grundsätzlich über eine bessere Fitness verfügen als vor der Pause», sagte der 37-Jährige. «Jetzt geht es darum, die fußballspezifische Fitness, die du nicht mit vier Mann trainieren kannst, uns in der kurzen Zeit zu vermitteln.» Dafür hat Kohfeldt Zeit bis zum 18. Mai. Dann steht für Werder gegen Bayer Leverkusen das erste Spiel seit knapp zweieinhalb Monaten an.

Eigentlich hatte sich Werder einen späteren Wiederbeginn der Liga gewünscht. Geschäftsführer Fußball Frank Baumann hatte vor der Terminierung den 23. Mai als Datum für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gefordert und andernfalls von einem deutlichen «Wettbewerbsnachteil» der Bremer gesprochen, «da an anderen Standorten bereits seit Wochen in zum Teil deutlich größeren Gruppen als in Bremen trainiert werden konnte.»

Als Ausrede bei Misserfolgen und einem möglichen Abstieg des Tabellenvorletzten will Kohfeldt das aber nicht gelten lassen. «Ab jetzt gilt nur, Vollgas in dieser Situation zu geben», stellte er klar. «Es gibt kein Alibi.» Aktuell hat Werder vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und ein zusätzliches Nachholspiel.

Vorbereiten will Kohfeldt sein Team in der Heimat. Für die obligatorische einwöchige Quarantäne geht's in ein örtliches Hotel, trainiert wird größtenteils im Weserstadion. Dass dessen Ränge für den Rest der Saison leer bleiben müssen, findet Kohfeldt natürlich schade. Es passte allerdings zu seinem Gesamtauftritt, dass er, statt darüber zu jammern, auch mit Bezug auf die Vorbereitung auf Geisterspiele etwas Positives hervorhob und von einer «einzigartigen Chance im Fußball» sprach. «Im Fußball ist es normalerweise nicht möglich, den Wettkampf eins zu eins zu simulieren», sagte er mit Bezug auf mehrere zehntausend Zuschauer, die normalerweise nur beim Spiel dabei seien. «Jetzt gibt es die Möglichkeit, den Wettkampf zu simulieren.»

Wie gut ihm und seiner Mannschaft das gelingt, darauf wird es am übernächsten Montag die ersten Hinweise geben. «Es wird ein wichtiges Spiel, aber kein entscheidendes», sagte Kohfeldt, dem aber auch klar sein dürfte: Bei weiteren Misserfolgen dürfte sich die Hoffnung, dass die Freude am Fußball das Thema Abstiegskampf überstrahlt, schnell wieder erledigt haben.

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