Coronavirus-Pandemie
Abstellungsregelung: Unsicherheit bei Bundesligisten groß

FIFA und UEFA haben die Abstellungspflicht für die kommenden Länderspiele leicht angepasst. Einigen Clubs geht dies trotzdem nicht weit genug.

Freitag, 02.10.2020, 15:17 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 15:20 Uhr
Die FIFA hat die Abstellungspflicht modifiziert. Foto: Ennio Leanza

Zürich (dpa) - Die modifizierte Abstellungspflicht für die anstehenden Länderspiele ist bei den Clubs der Fußball-Bundesliga auf ein gemischtes Echo gestoßen.

Zwar kommen FIFA und UEFA den Forderungen den Vereine mit einer Aufhebung der Abstellungspflicht unter bestimmten Bedingungen entgegen. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit, ob alle Nationalspieler auch nach der Rückkehr negativ auf das Coronavirus getestet werden.

«Letztlich entscheiden die Spieler, ob sie die Reise antreten, insbesondere wenn es sich um eine Reise in ein Risikogebiet handelt. Wir sind mit den jeweiligen Nationalverbänden im Austausch, alle Spieler werden auch während der Abstellung durch die Verbände und natürlich nach ihrer Rückkehr getestet», sagte Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat. Der VfB erlaubt seinen Spielern die Reisen zu den jeweiligen Nationalteams.

Zuvor hatten FIFA und UEFA entschieden, dass Clubs ihre Spieler nicht abstellen müssen, wenn am Ort des Vereins oder am Ort des Länderspiels eine zwingende Quarantäne von fünf Tagen oder eine Reisebeschränkung zu einem dieser Orte besteht. Abstellungspflicht besteht hingegen, wenn die Behörden den Mannschaften eine «spezifische Ausnahmebewilligung» erteilt haben. Die Regelung gilt vorerst bis zum Jahresende, also für die Länderspielfenster im Oktober und November.

Für BVB-Sportchef Michael Zorc greift das nicht weit genug. «Es betrifft ja nicht nur die Länderspiele, sondern auch hinterher die Champions League», sagte Zorc. «Wir brauchen von den Verbänden noch mehr Klarheit.» Auf diese Klarheit setzt man auch in Berlin. Im September hatte Krzysztof Piatek das Pokalspiel von Hertha BSC verpasst, weil er nach einem Länderspiel mit Polen in Bosnien-Herzegowina in eine fünftägige Quarantäne musste. «Wir hoffen, dass wir durch die neuen Regelungen diesmal alle Nationalspieler schnell wieder in unseren Trainingsbetrieb integrieren können», sagte Manager Michael Preetz.

Ein erhöhtes Maß an Hilfe forderte auch die Europäische Club-Vereinigung ECA. Die Nationalverbände müssten die Clubs und Spieler mit allen notwendigen Informationen versorgen. Damit müsse sichergestellt werden, dass die Ausnahmeregelungen wirksam würden.

Zuletzt hatten Vertreter mehrerer Bundesliga-Clubs eine Abstellungspflicht harsch kritisiert und die Sorge geäußert, Spieler könnten durch Quarantäne-Vorschriften Partien ihrer Clubs verpassen. Für die Partien der deutschen Nationalmannschaft im Oktober besteht auch nach den neuen Regeln eine Abstellungspflicht, da den DFB-Profis weder in der Ukraine noch nach der Rückkehr vom Nations-League-Spiel aus Kiew (10. Oktober) zum nächsten Spiel in Köln gegen die Schweiz (13. Oktober) eine Quarantäne droht.

Die Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen sieht vor, dass bei beruflich unaufschiebbaren Reisen unter fünf Tagen in die Ukraine bei einer Corona-Testreihe die Quarantänepflicht entfällt. Diese Testreihe können Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler nachweisen.

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