Remis in Mainz
Schalke verärgert über Kölner Video-Keller im Kellerduell

Der FC Schalke 04 hadert nach dem 2:2 bei Mainz 05 mit dem Schiedsrichter und den Videoassistenten. Zwei gegen Schalke verhängte Elfmeter und ein annulliertes Tor wegen Handspiels bieten Stoff für Verärgerung - nach dem 23. Spiel ohne Sieg in Serie.

Sonntag, 08.11.2020, 12:19 Uhr aktualisiert: 08.11.2020, 12:22 Uhr
Ein Elfmeter von Daniel Borosinski brachte Mainz gegen Schalke in Führung. Foto: Torsten Silz

Mainz (dpa) - Das Seh- und Analysevermögen im abgedunkelten Keller des Videoassistenten in Köln muss nach Ansicht von Schalke-Coach Manuel Baum während des Bundesligaspiels beim FSV Mainz 05 gelitten haben.

«Dass man im Eifer des Geschehens nicht immer die richtige Entscheidung trifft, kann passieren», sagte er nach dem 2:2 (1:2) vor allem in Bezug auf den zweiten Elfmeter für die Platzherren: «Wenn aber der Videoassistent dazu kommt, muss man sich schon die Frage stellen, wo sie beim zweiten Tor hingeschaut haben.»

Es war eine von drei umstrittenen Szenen in dem dadurch auch kuriosen Kellerduell der Tabellenletzten, für die die Punkteteilung alles andere als ein Endpunkt der Krise war. Bereits der erste Strafstoß für die Mainzer, den Daniel Brosinski (6. Minute) zum 1:0 verwandelte, war für Baum eine Fifty-fifty-Entscheidung: «Kann man geben, muss man nicht.» Auch das nach Videobeweis wegen Handspiels wieder aberkannte Tor durch Ozan Kabak (50.) zum vermeintlichen 2:2 kam auf seine Liste der fragwürdigen Urteile von Referee Patrick Ittrich, dem er «bei allem Respekt» attestierte: «Es war nicht sein bester Tag.»

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider hatte seinen Ärger nicht ganz so souverän im Griff. «Es reicht jetzt irgendwann mal. Ich weiß nicht, was da in Köln los ist», schimpfte er nach der nun auf 23 Spiele ohne Sieg verlängerten Misserfolgsserie. «Wir fühlen uns sehr schlecht behandelt und benachteiligt.»

Nichts zu deuteln gab es hingegen an dem Freistoßtreffer in den linken Torwinkel von Mark Uth (36.) zum 1:1 und am Eigentor des Mainzers Jeremiah St. Juste (82.) zum 2:2, das dem Fußballclub aus dem Ruhrpott zumindest noch einen glücklichen Ausgang bescherte. «Am Ende waren wir näher an einem Sieg dran und nach der Geschichte, wie das Spiel gelaufen ist, muss ich der Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie es weggesteckt hat», meinte Baum.

«Die Moral stimmt. In meinen Augen haben wir ein gutes Spiel gemacht», urteilte Schalkes Kapitän Omar Mascarell. «Wir verbessern uns ständig, wir kämpfen dafür und wir werden es schaffen», betonte Stürmer Gonçalo Paciência.

Auch Cheftrainer Baum sieht den Auftritt in Mainz als Fortschritt in der Misere. «Wir haben deutlich mehr Tiefe im Spiel und einige gute Kombinationen und richtig gute Situationen gehabt», befand er und warb nach seinem fünften sieglosen Liga-Spiel auf der Schalke-Bank weiter um Geduld. «Man erwartet immer, dass es im Fußball wie im Sprint ist, dass innerhalb von elf Sekunden alles auf schwarz oder weiß geht», sagte 41 Jahre alte ehemalige Torwart. «Es wird über die Saison ein Marathon und kein Sprint werden.»

Um weiter voran und aus dem Tabellenkeller zu kommen, müsse die Negativserie ebenso ausgeblendet werden, wie (Fehl-)Entscheidungen in der Partie in Mainz oder anderswo. «Der Nährboden dafür wird durch einen guten Teamspirit geschaffen», erklärte Baum. Daran ständig zu denken, wie viele Spiele nicht gewonnen worden seien, «bringt uns kein Stück weiter». Man müsse aufpassen, sich nicht «in einer Opferrolle» zu verlieren. Baum: «Wir müssen positiv denken.»

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