DFL-Mitgliederversammlung
Mini-Reform statt Revolution bei Verteilung der TV-Gelder

Die Revolution bleibt aus, aber immerhin gibt es eine kleine Reform. Die Gelder aus der TV-Vermarktung werden künftig etwas gleichmäßiger unter den 36 Vereinen des deutschen Profi-Fußballs verteilt.

Montag, 07.12.2020, 17:46 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 17:57 Uhr
Christian Seifert, Sprecher des Präsidiums der DFL Deutsche Fußball Liga e.V., spricht im Anschluss an die DFL-Mitgliederversammlung auf einer Pressekonferenz. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - In der schwersten Finanzkrise der Bundesliga-Geschichte will die Deutsche Fußball Liga mit einem moderat veränderten Verteilerschlüssel der TV-Gelder die Überlebenschancen der 36 Profivereine im Existenzkampf erhöhen.

Nach monatelangen Beratungen entschied sich das DFL-Präsidium bei der Ausschüttung der Milliarden-Erlöse in den Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 für eine etwas stärke Gleichbehandlung als bisher, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie besser abzufedern.

«Die vergangene Saison war nur ein laues Lüftchen. Jetzt kommt der Sturm. Wir erwarten im Profifußball bis zum Sommer 2022 einen Umsatzrückgang von voraussichtlich zwei Milliarden Euro», sagte DFL-Boss Christian Seifert nach der dreieinhalbstündigen Mitgliederversammlung und malte ein düsteres Zukunftsbild. «Vor diesem Hintergrund haben wir den neuen Verteilerschlüssel mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung verabschiedet. Es ist kein spektakulärer, aber ein vernünftiger Beschluss, der das Potenzial hat, die Liga zusammenzuhalten.»

Bei der virtuellen Versammlung mit den Vertretern der 36 Erst- und Zweitligisten präsentierten Seifert und seine Präsidiumskollegen das Ergebnis, welches nach Auskunft von Freiburgs Oliver Leki mit einem «breiten Konsens» aufgenommen wurde. «Der Verteilerschlüssel ist ein wichtiger Anker für die nächsten zwei Jahre. Das wird anerkannt - bei allen verschiedenen Sichtweisen, die es gibt», sagte der Finanzvorstand des SC Freiburg.

Basis für die Ausschüttung von insgesamt 4,4 Milliarden Euro aus der Vermarktung der nationalen Medienrechte ab 2021 ist ein neues Vier-Säulen-Modell. Die Kategorie «Gleichverteilung» macht in den ersten beiden Jahren 53 Prozent der Einnahmen aus, danach sind es noch 50 Prozent. Die Leistung der vergangenen fünf Spielzeiten wird zunächst mit 42 Prozent, dann mit 43 Prozent gewichtet. Die Restsumme speist sich aus den Säulen «Nachwuchs» und «Interesse».

Konkret bedeutet dies: In der Bundesliga werden künftig aus Topf 1 durchschnittlich 460 Millionen Euro pro Saison zu gleichen Teilen unter den Vereinen verteilt. In der 2. Liga sind es durchschnittlich 128 Millionen Euro. Unabhängig vom Abschneiden kann jeder Bundesligist somit pro Spielzeit fest mit 24,7 Millionen Euro aus dieser Säule planen, die Zweitligisten mit sieben Millionen Euro.

Da auch die Summen aus dem neuen Topf «Leistung» vor jeder Saison feststehen, haben alle Vereine in Zukunft eine wesentlich größere Planungssicherheit als bisher. «Wir haben der finanziellen Stabilität der Clubs Priorität eingeräumt», sagte Seifert dazu. «Es ist ein Verteilerschlüssel, der das Kollektiv, die Gemeinsamkeit und die Solidarität betont.»

Dies gilt auch für die Verteilung der Erlöse aus der internationalen TV-Vermarktung, wo künftig 35 Prozent der Gesamtsumme gleichverteilt werden. In der Saison 2021/22 sind dies 60 Millionen Euro, dann für zwei Jahre jeweils 70 Millionen Euro und zum Abschluss der Rechteperiode 74 Millionen Euro. Das bedeutet am Ende einen Anstieg um rund 40 Prozent, flossen bisher doch nur 43 Millionen Euro zu gleichen Teilen an die Vereine.

«Ich möchte dem DFL-Präsidium zur Erarbeitung dieses neuen Verteilerschlüssels gratulieren», sagte Bayer Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro. Die Bündelung vieler Interessen sei «über einige kreative und sinnvolle Anpassungen insgesamt sehr gut gelungen».

Angesichts der nicht in vollem Umfang absehbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie nahm Seifert die Clubs erneut in die Pflicht, ihre finanziellen Hausaufgaben noch besser zu erledigen. «Der eine oder andere Club wird auch weiter an seiner Kostenbasis arbeiten müssen. Ich habe jetzt die Bilanz gesehen», sagte der 51-Jährige und kritisierte: «Einige Clubs haben zu wenig an der Front der Spielergehälter gemacht.» Die finanziellen Belastungen und Risiken seien «deutlich größer als das von einigen Clubs, Beratern und Spielern wahrgenommen wird», mahnte Seifert.

Zugleich will sich die DFL künftig intensiver mit dem Einstieg von internationalen Finanz-Investoren beschäftigen. Von Februar an soll es dazu Gespräche geben. «Wenn sich die Clubs dazu entscheiden sollten, dann nicht deshalb, weil man jetzt kurzfristig Geld braucht, sondern weil man besser aufgestellt sein will für die Zeit nach der Covid-Pandemie», sagte Seifert.

Der Streit zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Konzern Discovery/Eurosport ist nach Angaben von Christian Seifert zu Gunsten der Liga beendet. «Wir haben den Rechtstreit umfassend gewonnen und das Geld fließt, in der Höhe wie geplant», sagte er Seifert nach der Mitgliederversammlung. Discovery/Eurosport wollte das zunächst nicht kommentieren.

© dpa-infocom, dpa:201207-99-604689/7

 

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