3:1-Sieg in Leipzig
Haaland schießt BVB ins Titelrennen - Witsel fällt aus

Dortmund setzt seinen Aufwärtstrend unter Trainer Edin Terzic fort. Durch die Patzer der Konkurrenz ist der BVB nach dem Sieg in Leipzig wieder ein ernsthafter Kandidat auf die Meisterschaft. Für Routinier Witsel ist die Saison aber wohl beendet.

Sonntag, 10.01.2021, 16:59 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 17:02 Uhr
Dortmunds Spieler feiern Erling Haaland (M) nach dessen Treffer zum 3:0 gegen RB Leipzig. Foto: Jan Woitas

Leipzig (dpa) - Julian Nagelsmann scherzte nach dem verlorenen Spitzenspiel kurz mit Erling Haaland und holte dann zu einer Lobeshymne auf das Dortmunder Naturereignis aus.

«Er ist ein außergewöhnlicher Stürmer. Er hat in 25 Bundesliga-Spielen 25 Tore geschossen. Das ist eine unfassbare Quote. Die Liga wird sicherlich noch Freude an ihm haben, die Gegner wohl nicht immer», sagte der Trainer von RB Leipzig nach dem 1:3 gegen Borussia Dortmund.

Ein enorm bedeutender Sieg des BVB, der den vor einem Monat noch angeschlagenen Club zurück ins Meisterrennen spülte. Die Hiobsbotschaft aber folgte nicht einmal 24 Stunden später: Mittelfeld-Routinier Axel Witsel hat sich wie befürchtet die linke Achillessehne gerissen. Die Dortmunder teilten mit, dass der 31-jährige Belgier «in den kommenden Monaten» ausfallen wird. Voraussichtlich ist für Witsel die Saison beendet und damit auch die EM im Sommer passé.

Im Titelrennen muss sich der BVB nun ohne den Strategen weiter an die Bayern und RB heranarbeiten. Umso mehr ruhen die Hoffnungen auf Haaland. Er ist wieder der Boss. «Ich hatte zwei Spiele nicht getroffen, das passiert mir nicht oft. Es wurde also mal wieder Zeit», sagte der Matchwinner und grinste. «Das waren schon alles erstaunliche Tore. Wir müssen vor allem die zweite Halbzeit mitnehmen in die nächsten Spiele.»

Die Führung durch Jadon Sancho (55. Minute) bereitete Haaland mit einer Energieleistung auf dem rechten Flügel vor. Bei seinem ersten Treffer (71.) ließ der 20-Jährige gleich vier Leipziger mit einem Dribbling lächerlich aussehen, lief dann nach einem Pass auf den Flügel in die perfekte Abschluss-Position in den Strafraum. Bei seinem zweiten (84.) umkurvte er in grandioser Mittelstürmer-Manier nach einem Pass von Marco Reus schließlich RB-Torwart Peter Gulacsi zur Entscheidung.

Dortmund ist wieder da, weil die Mannschaft selbst wieder an sich glaubt - und die Konkurrenz durchgängig patzte. Mit fünf Punkten Rückstand auf die zuletzt wackligen Bayern und nur noch drei auf den Zweiten Leipzig zählt Dortmund als Vierter wieder zu den Meister-Kandidaten. «Mit unserer Qualität muss das das Ziel sein. Dafür müssen wir in jedem Spiel zu hundert Prozent da sein», sagte Emre Can. Der Nationalspieler war in der 30. Minute für den verletzten Witsel ins Spiel gekommen. «Axel wusste sofort, es geht nicht weiter», sagte BVB-Trainer Edin Terzic.

Nicht nur deshalb sah es zunächst nicht nach einem BVB-Erfolg aus. Leipzig war wacher und dominanter, aber zu kompliziert im letzten Drittel. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, weil Sancho auftrumpfte und Haaland plötzlich zwei Klassen besser spielte. «Er war ein paar Wochen verletzt, da fehlt ein wenig der Rhythmus», analysierte Kapitän Reus. «Am meisten hilft es dann, wenn man Tore schießt. Das hat er gemacht.» Leipzig gelang durch das Tor von Alexander Sörloth (90.) laut Nagelsmann «nur noch Kosmetik».

Reus unterstrich die Bedeutung Haalands für das Dortmunder Spiel. «Wir wissen um seine Stärke in der Tiefe. Er gibt uns viele Varianten, was einfach wichtig ist», sagte der Nationalspieler. In den vier Spielen, in denen Haaland im Dezember fehlte, holte Dortmund nur einen Sieg und schoss selbst nur unterdurchschnittliche vier Tore.

Mit einem fitten und hungrigen Haaland sah Nagelsmann noch mehr Ungemach auf die Dortmunder Gegner zukommen: «Er hat richtig Qualität und ist noch sehr, sehr jung. Wahrscheinlich hat er noch Entwicklungspotenziale und wird noch besser werden.» Dagegen dürfte man sich in Leipzig einmal mehr ärgern, die Favoritenstellung beim Wechsel des Ex-Salzburgers Haaland nicht genutzt und stattdessen der Konkurrenz überlassen zu haben. Die wohl trotz einiger Fehleinkäufe bisher fatalste Transferentscheidung der Sachsen.

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