Bundesliga
Leipzigs letzte Chance, Bayern vor Meisterstück

Alles klar für die Bayern oder neue Spannung im Meisterkampf? Für RB Leipzig geht es gegen den Serienchampion wohl um die letzte Chance auf die Schale, für Trainer Nagelsmann auch um seinen Marktwert.

Freitag, 02.04.2021, 15:46 Uhr aktualisiert: 02.04.2021, 18:00 Uhr
Sieht in einem Sieg über Bayern München die letzte Chance die Meisterschaft mit RB Leipzig zu holen: Trainer Julian Nagelsmann. Foto: Friso Gentsch

Leipzig (dpa) - Julian Nagelsmann stand wegen des hohen «Kribbelfaktors» schon fünf Stunden vor seinen Spielern auf dem Trainingsplatz, Hansi Flick brachte vor dem Finale um die Schale nicht mal der Ausfall von Robert Lewandowski aus der Ruhe.

Vor dem Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga sind die Rollen klar verteilt: Für RB Leipzig ist es die letzte Chance, der FC Bayern München kann dem Titel praktisch schon mit einem Unentschieden sehr nahe kommen.

«Wenn wir nicht gewinnen oder unentschieden spielen, ist die Saison zwar nicht vorbei, aber der Meisterkampf», sagte Nagelsmann. Vier Punkte Rückstand sind es vor dem 27. Spieltag. Und knapp 30 Minuten nach seinen Worten bekam er von Amtskollege Flick auch noch eine Warnung übermittelt: «Jeder Spieler weiß, dass jetzt die Wochen sind, wo sich vieles entscheidet. Es ist eine Qualität von unseren Spielern, dass sie auf den Punkt da sind und wissen, worum es geht.»

Die Botschaft ist klar: So einfach wie im Hinspiel, als die Bayern mit großer Mühe ein 3:3 retteten, soll es Leipzig am 3. April (18.30 Uhr/Sky) nicht haben. Daran soll auch der Ausfall von 35-Tore-Stürmer Lewandowski nichts ändern. «Das sind halt Situationen, die man als Trainer hat», sagte Flick mit augenscheinlich solidem Ruhepuls. Wie er den Ausfall seiner Torgarantie auffangen will, ließ er offen. Mögliche Variante: mit Serge Gnabry wie in der Nationalmannschaft vorne drin.

Auch Nagelsmann betonte, dass das Fehlen des polnischen Torjägers nichts an seinem Matchplan ändern werde. Ein normales Spiel ist das Top-Duell für ihn aber nicht. «Der Kribbelfaktor ist hoch», verriet der 33-Jährige. Wie hoch genau, machte Nagelsmann gleich mal deutlich. Obwohl das Abschlusstraining am Karfreitag erst für 14.30 Uhr angesetzt war, stand der Coach schon um 9.30 Uhr auf dem Rasen und bereitete die Einheit vor.

Für Nagelsmann, der in dieser Saison im Gegensatz zu Flick noch Pokalsieger werden kann, geht es in dem Spiel um mehr als die Meisterschaft. Es geht auch ein wenig um den eigenen Marktwert. Darum, sich ein bisschen mehr in Position als künftiger Bayern-Trainer zu bringen. Denn sollte es Flick tatsächlich zur Nationalmannschaft ziehen, wäre Nagelsmann ein Top-Kandidat als Nachfolger.

Nagelsmann, der keine Ausstiegsklausel hat, vermied zumindest ein klares Bekenntnis zu RB. Angesprochen auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung in Leipzig sagte er: «Ich habe einen Vertrag bis 2023, das sind die Parameter, die gelten. Alles andere brauchen wir nicht zu besprechen.»

Sein Chef Oliver Mintzlaff hatte die Konkurrenz unter der Woche via «Sport Bild» vorsorglich um Abstand gebeten: «Man kann immer über alles sprechen. Wenn die andere Seite an Verträgen festhalten will, sollte das auch respektiert werden.» Selbst mit einer Ablöse ließe sich Leipzig konträr zum eigenen Geschäftsmodell nicht locken. «Julian hat kein Preisschild», betonte Mintzlaff.

Beenden wird dies Debatte selbstredend nicht. Auch den Bundesliga-Gipfel wird sie begleiten, bei einem Leipziger Sieg womöglich sogar ein wenig Fahrt aufnehmen. Rein statistisch müssen sich die Fans allerdings auf ein Unentschieden einstellen, zumindest endeten die vergangenen vier Spiele so.

Die Bayern haben ihre Abwehr wieder stabilisiert, da ändern auch die Ausfälle von Jérôme Boateng und Alphonso Davies nichts. Leipzig braucht ohne Timo Werner immer noch enorm viele Chancen bis zum Torerfolg und hat zudem die beste Abwehr der Liga.

Natürlich hat sich Leipzig unter Nagelsmann enorm entwickelt und ist gefühlt näher dran an den Bayern. Das realisiert man auch dort. «RB ist ein Club, der die realistische Chance hat, Titel zu holen», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Sicherlich meinte er damit den Pokal in dieser Saison. Denn die Schale soll bitte wie üblich nach München gehen. Am Samstag wollen die Bayern da für eine Vorentscheidung sorgen.

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