Nach Corona-Pause
US-Fußballer starten mit starken Anti-Rassimus-Gesten

Die Fußballer der MLS durften als erste Sportler aus einer der großen US-Ligen wieder ihrem Beruf nachgehen nach der Corona-Pause. Die Aufmerksamkeit nutzten sie für eine starke Anti-Rassimus-Geste vor dem ersten Spiel unter Beteiligung des David-Beckham-Clubs aus Miami.

Donnerstag, 09.07.2020, 10:45 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 10:48 Uhr
Orlando-Spieler heben vor dem Spiel ihre Fäuste als Zeichen gegen Rassismus. Foto: John Raoux

Orlando (dpa) - Minutenlang streckten die mehr als 100 schwarzen Fußballer schweigend ihre geballte rechte Faust im schwarzen Handschuh in den Himmel von Orlando.

Zeitgleich gingen die Spieler des David-Beckham-Clubs Inter Miami und von Orlando City SC am Mittelfeldkreis auf ein Knie: Mit einem beeindruckenden Zeichen gegen Rassismus ist die Major League Soccer in ihr Turnier nach der Corona-Pause gestartet.

«Es war sehr kraftvoll, meine Faust zu erheben und mit so vielen Menschen auf dem Platz zu stehen, die versuchen, in diesem Land etwas zu verändern. Und das ist es, was wir tun müssen», sagte Inter-Spieler Juan Agudelo nach der 1:2-Niederlage. Vor dem Anpfiff gingen die Profis von Miami und Orlando sowie die Referees ein zweites Mal auf ein Knie - die Geste, mit der Football-Quarterback Colin Kaepernick einst gegen Polizeigewalt gegen Schwarze und Rassismus protestierte. Auf TV-Bildern waren keine Spieler zu sehen, die stehen blieben.

Davor hatte es die gemeinsame Aktion der Teams mit schwarzen Fußballern der anderen Teams gegeben - mit der wohl politischsten aller Gesten: Bereits 1968 hatten die afroamerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt während der Siegerehrung mit ihrer geballten Faust protestiert. «Bei diesem Protest geht es darum, für Rassengleichheit und Menschenrechte zu kämpfen», sagte Organisator Justin Morrow vom FC Toronto. Der Verteidiger steht der Vereinigung Black Players for Change (Schwarze Spieler für Wandel) vor.

Die Vereinigung hat die Liga dazu aufgefordert, unter anderem eine Abteilung für Vielfalt zu installieren, Coachings gegen Diskriminierung durchzuführen und die kulturelle Bildung auszubauen. «Jeder auf der Welt sollte ein paar Minuten innehalten und an unsere Kinder denken und ihnen beibringen, wie man ein besserer Mensch ist und eine bessere Welt schafft», sagte der portugiesische Europameister Nani, der in der 97. Minute das Siegtor erzielte.

Alle Fußball-Teams sind wie zuletzt beim Basketball-Finalturnier in Deutschland in einer großen Blase, die allerdings deutlich größer ist als in München. Die Mannschaften wohnen und spielen - wie auch bald die Basketball-Teams der NBA - auf dem Gelände des ESPN Wild World of Sports im Vergnügungspark Disney World in Florida. Nach dem Wettbewerb mit dem Finale am 11. August soll die nach zwei Spieltagen unterbrochene reguläre MLS-Saison fortgesetzt werden, ehe die Playoffs folgen. Sportlicher Anreiz des Florida-Turniers: Die Punkte aus den Gruppenspielen zählen für die reguläre Saison, der Sieger erhält zudem ein Ticket für die Concacaf-Champions-League.

Schon vor dem Start in den Wettkampf musste der FC Dallas wegen zahlreicher Coronavirusfälle im Team auf die Teilnahme verzichten. Weil inzwischen auch bei Nashville SC mindestens neun Profis mit dem Virus infiziert sind, wurde die eigentlich ebenfalls für den Mittwochabend geplante Partie gegen Bastian Schweinsteigers Ex-Club Chicago Fire abgesagt.

Zuschauer sind bei den Spielen nicht erlaubt. Die Partien werden auch nicht in normalen Stadien ausgetragen. Das Feld der Partie Orlando gegen Miami erinnerte an ein Trainingsfeld, war umrahmt von Werbebanden und großen blauen Planen, auf die in einigen Einstellungen der TV-Übertragung digital Werbung gespielt wurde.

Die NBA spielt ebenfalls in Orlando ihre Saison zu Ende. Die Teams beziehen dieser Tage ihr Quartier, die ersten Spiele sind für den 30. Juli angesetzt. Eishockey soll in der NHL ebenfalls in dreieinhalb Wochen wieder gespielt werden. Die MLB will ihre Baseball-Saison eine Woche früher beginnen.

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