Fußball-Legende
Maradona nach Gehirn-OP auf dem Weg der Besserung

Stundenlang bangen seine Fans um Diego Armando Maradona, dann feiern sie die gute Nachricht. Ein Ärzteteam entfernt dem Weltmeister von 1986 ein Blutgerinnsel am Gehirn. Emotional ist der «Goldjunge» aber angeschlagen: Die Isolation in der Pandemie setzt ihm zu.

Mittwoch, 04.11.2020, 16:51 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 16:54 Uhr
Musste sich kurz nach seinem 60. Geburtstag ins Krankenhaus begeben: Diego Maradona. Foto: Gustavo Ortiz

Olivos (dpa) - Maradona-Fans auf der ganzen Welt atmen auf: Nach einer Operation wegen einer Gehirnblutung ist Argentiniens Fußball-Legende nach Angaben seiner Ärzte wohlauf.

Stundenlang harrten seine Fans in der Nacht vor der Klinik in Olivos nördlich von Buenos Aires aus und warteten auf die frohe Botschaft. «Diego hat den Eingriff sehr gut vertragen. Er ist wach. Es ist alles sehr gut», sagte Maradonas Leibarzt Leopoldo Luque, als er schließlich vor die Kameras trat.

Nach den erlösenden Worten des Mediziners brandete Applaus und Jubel unter den von Dutzenden Fans auf, wie TV-Bilder zeigten. «Ich liebe dich, Diego», schrie einer. Viele trugen Trikots der argentinischen Nationalmannschaft mit Maradonas Rückennummer 10 oder von dessen Heimatvereins Boca Juniors. Andere hielten Fahnen mit dem Konterfei des «Pibe de Oro» (Goldjungen) hoch, der in seiner Heimat als Nationalheld verehrt wird. «Diego, wenn es dir gut geht, geht es uns gut», war auf einem Transparent nebst der Aufschrift «D10S» (was sich ähnlich wie «Dios» - Gott - schreibt) zu lesen. «In diesem fußballverrückten Land ist Maradona unser größter Held, der Rest ist unwichtig», sagte der 29-jährige Nicolás der Zeitung «La Nación».

Maradona war erfolgreich an einem subduralen Hämatom operiert worden, erklärte Luque. Dabei handelt es sich um eine Blutung zwischen harter Hirnhaut und Gehirn. Auch Maradonas Sprecher Sebastián Sanchi gab Entwarnung: «Alles lief wie geplant», schrieb er auf Instagram.

Die Operation, an der mehrere Ärzte beteiligt gewesen seien, habe etwa eine Stunde und 20 Minuten gedauert, fügte der Mediziner Luque hinzu. Sie sei zwar nicht besonders kompliziert gewesen. «Aber es ist eben ein neurochirurgischer Eingriff.» Maradona befinde sich nun unter Beobachtung auf seinem Zimmer und erhole sich. Wann der Weltmeister von 1986 entlassen werden kann, könne er noch nicht sagen. Dies hänge vom weiteren Verlauf ab. Zunächst solle die angelegte Drainage entfernt werden, erläuterte Neurochirurg Luque.

«Danke an alle, die für ihn gebetet haben», schrieb Maradonas Tochter Dalma in der Nacht bei Twitter. Ihre Schwester Jana fügte hinzu: «Jetzt fühlt sich das Leben etwas leichter an.» Aus ganz Argentinien und aus dem Ausland erreichten Genesungswünsche den legendären Fußballer. Selbst Vizepräsidentin Cristina Kirchner und Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro erkundigten sich nach Angaben seines Anwalts Matías Morla nach Maradona.

«Diego, ich wünsche dir alle Kraft der Welt», schrieb der argentinische Stürmerstar Lionel Messi auf Instagram neben einem älteren Foto, das ihn neben Maradona zeigt. «Meine Familie und ich wollen dich so schnell wie möglich wieder fit sehen. Eine Umarmung von Herzen.»

«#FuerzaDiego» (etwa: Diego, sei stark) twitterte die Nationalelf. Auch Real Madrids Trainer Zinedine Zidane wünschte Maradona alles Gute. «Er ist gerade 60 Jahre alt geworden. Viele Leute haben ihm etwas gewidmet und ich auch. Ich hoffe und bitte, dass alles gut geht, denn das ist es, was wir für ihn und seine Familie wollen», sagte Zidane nach dem Sieg in der Champions League gegen Inter Mailand laut der Vereinshomepage des spanischen Rekordmeisters.

Maradona war am Montag in ein Krankenhaus in La Plata südlich von Buenos Aires gebracht worden. Zunächst war lediglich von emotionalem Stress, Blutarmut und Dehydrierung die Rede. Bei den Tests wurde dann die Blutung entdeckt. An seinem 60. Geburtstag hatte das Idol am Freitag bereits einen angeschlagenen Eindruck gemacht.

«Diego war zuletzt sehr depressiv», sagte sein Anwalt Morla. «In dieser Zeit rund um seinen Geburtstag vermisst er immer sehr jene, die nicht mehr bei und sind - vor allem seine Mutter.» Die Isolation in der Corona-Pandemie mache ihm zudem schwer zu schaffen.

Vor dem ersten Spiel seines Vereins Gimnasia y Esgrima La Plata nach der Corona-Pause kam er zwar kurz ins Stadion, um Glückwünsche und Geschenke entgegenzunehmen. Allerdings musste er von zwei Begleitern beim Gehen gestützt werden. Die Partie selbst verfolgte Maradona auf Anraten seines Arztes von zu Hause aus.

Argentiniens Fußball-Held hat immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt. 2000 diagnostizierten Ärzte ein Herzleiden, verursacht durch Kokainkonsum. Es folgten unter anderem Entziehungskuren und eine Magenverkleinerung.

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