«Barçagate»-Affäre
Barça geschockt: Razzia und Festnahmen im Camp Nou

Einsatz beim krisengebeutelten FC Barcelona: Die Polizei durchsucht Büroräume im Camp Nou - und nimmt auch vier aktuelle und ehemalige Funktionäre des katalanischen Krisenclubs fest.

Montag, 01.03.2021, 20:38 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 20:40 Uhr
Die katalanische Polizei betritt die Büros des FC Barcelona. Foto: Joan Monfort

Barcelona (dpa) - Im Stadion des spanischen Fußball-Topclubs FC Barcelona hat die Polizei Büroräume durchsucht und Funktionäre abgeführt. Im Camp Nou und auch in Privatwohnungen seien insgesamt vier Personen festgenommen worden, teilte die katalanische Polizei nach Ende der Aktion mit.

Der Club von Superstar Lionel Messi und Nationaltorwart Marc-André ter Stegen gab bekannt, die Aktion stehe in Zusammenhang mit den Justizermittlungen zu mutmaßlich illegalen Aktivitäten des Clubs in den sozialen Netzwerken, der sogenannten «Barçagate»-Affäre. Die Razzia habe «weltweit für Aufruhr gesorgt», so das Sportblatt «AS».

Die Namen der Festgenommenen wurden von der Polizei nicht enthüllt. Nach Medienberichten handelt es sich aber um zwei aktuelle und zwei ehemalige ranghohe Funktionäre des Clubs. Die vier Männer seien auf eine Polizeiwache in der Nähe des Stadions gebracht worden. Drei von ihnen hätten zunächst von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, berichteten die katalanische Zeitung «Sport» und andere Medien unter Berufung auf die Behörden. Am 3. März wollen sie Untersuchungsrichterin Alejandra Gil Rede und Antwort stehen.

Die Durchsuchungen hatten nach Medienberichten schon in den frühen Morgenstunden begonnen und gingen erst nach 16 Uhr zu Ende. Der FC Barcelona habe dabei mit der Polizei in allem kooperiert, teilten sowohl die Behörden als auch der Club mit.

Clubfunktionäre werden beschuldigt, eine Verleumdungskampagne gegen Spieler und andere Personen initiiert zu haben, die sich kritisch über die damalige Vereinsführung um Präsident Josep Maria Bartomeu geäußert hatten. Zu den Opfern von «Barçagate» sollen unter anderem Messi und Mannschaftskapitän Gerard Piqué, aber auch Messis Ehefrau Antonella Rocuzzo gehören. Der Skandal wurde im Februar 2020 vom Radiosender Cadena Ser enthüllt. Bei den Ermittlungen der Justiz werden unter anderem die Vorwürfe der «Korruption» und der «unlauteren Verwaltung» erhoben.

Bartomeu war Ende Oktober zurückgetreten, nachdem er den abwanderungswilligen Messi daran gehindert hatte, den Club ein knappes Jahr vor Ablauf seines Vertrages zu verlassen. Der neue Präsident wird am Sonntag gewählt. Die Abstimmung sollte am 24. Januar stattfinden, wurde aber wegen der Pandemie verschoben.

Der frühere Clubchef Joan Laporta, der mit guten Chancen antritt, bezeichnete die Nachricht von der Polizeiaktion im Camp Nou als «schockierend». Es gelte aber zunächst für alle die Unschuldsvermutung.

Die neue Entwicklung in der «Barçagate»-Affäre bringt zusätzliche Unruhe in den finanziell, sportlich und institutionell strauchelnden Club. In der Liga haben Messi & Co. bei einem Spiel mehr schon fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Atlético Madrid. In der Champions League und im Pokal steht der Club nach Hinspiel-Pleiten gegen PSG (1:4 daheim) und den FC Sevilla (0:2 auswärts) vor dem Aus.

© dpa-infocom, dpa:210301-99-639220/6

Nachrichten-Ticker