EM-Qualifikation
Löw: «Wir haben die PS auf die Straße gebracht»

Joachim Löw spricht nach einem seiner größten Siege nicht von einer Genugtuung. Das 3:2 verschafft ihm und seinem neuformierten Team Ruhe beim weiteren Neuaufbau. Das «Spielglück» kehrt in Holland zurück.

Montag, 25.03.2019, 07:20 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 07:24 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw war mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. Foto: Christian Charisius

Amsterdam (dpa) - Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Pressekonferenz nach dem 3:2 der Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande in Amsterdam.

Frage: Wie lautet Ihr Fazit nach diesem Start in die EM-Quali?

Joachim Löw: Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen, dass wir hier beim sehr wahrscheinlich härtesten Konkurrenten drei Punkte mitnehmen. Die erste Halbzeit war, was das Fußballerische betrifft, überragend. Die Abläufe im Spiel und die Spielkontrolle waren sehr gut.

Frage: Nach der Pause kippte das Spiel. Was war da los?

Löw: Das Problem war, dass Holland so schnell das Anschlusstor gemacht hat. In der zweiten Halbzeit konnten wir nicht mehr so brillieren und kombinieren. Die Mannschaft hat dann mehr Kampf, Bereitschaft, Einsatz und Leidenschaft gezeigt. Wir hatten aber das Gefühl, dass wir das Spiel noch mit einem guten Angriff und einer Aktion entscheiden können. Wir hatten den Glauben an den Sieg nicht verloren. Mit einem richtig guten Angriff haben wir das dritte Tor erzielt. Wir sind sehr glücklich. Es ist ein Prozess der jungen Mannschaft. Wir wissen, dass noch einiges an Arbeit vor uns liegt.

Frage: Wie ist Ihr Gefühl nach diesem Sieg?

Löw: Mein Gefühl ist natürlich gut. Dass viele Dinge in der ersten Halbzeit so funktioniert haben, stellt mich sehr zufrieden. Ich war am Ende innerlich sehr zufrieden. Vielleicht hatten wir ein bisschen das Spielglück, das wir in den Spielen zuvor nicht so hatten wie etwa zuhause beim 2:2 gegen Holland. Heute waren wir effizient und konzentriert im Abschluss.

Frage: Aber wie fühlt sich dieser Triumph für Sie persönlich an nach dem schlimmen Jahr 2018?

Löw: Das alte Jahr habe ich abgehakt, das ist aufgearbeitet. Ich hatte schon zu Beginn der Woche das Gefühl, dass die Mannschaft die PS, die sie hat, hier auf die Straße bringt. In Frankreich und zuhause gegen Holland waren wir auch schon mit dieser jungen Mannschaft sehr gut im Spiel. Da haben wir uns nicht belohnt. Aber heute haben wir die PS auf die Straße gebracht.

Frage: Es gab sehr viele Diskussionen um die Spieler, die nicht mehr dabei sind. Können Sie darum etwas zur Bedeutung dieses Erfolges sagen. Der Sieg dürfte Ihnen doch Ruhe verschaffen, oder?

Löw: Der Sieg ist hilfreich für das Selbstbewusstsein der Mannschaft, für die Moral. Nichtsdestotrotz weiß ich als Trainer, dass wir natürlich weiter an gewissen Dingen arbeiten müssen. Das dürfen wir nicht vergessen. Aber so ein Sieg zum Auftakt in Holland ist natürlich hilfreich für den Glauben so einer neuformierten, jungen Mannschaft. Das Auf und Ab, dass die jungen Spieler im Spiel durchleben, ist wichtig für ihre Erfahrung. So ein Sieg hilft schon für die nächsten Woche und Monate.

Frage: Wenn ich ein Verantwortlicher von Borussia Dortmund wäre, hätte ich mir schon die Frage gestellt, warum Marco Reus, wenn es ein Risiko bei seinem Einsatz gab, so spät doch noch eingewechselt wird? Er hätte sich auch kurz vor Schluss verletzen können.

Löw: Also die Verantwortlichen von Borussia Dortmund interessieren mich in dem Moment nicht. Ich glaube, dass es sinnvoll war, Marco nicht von Anfang an zu bringen. Da muss ich den Glauben haben, dass er 90 Minuten durchspielen kann. Wenn der Muskel müde wird, kann etwas passieren. Das Risiko wollte ich für mich nicht eingehen. Das Risiko, dass was passiert, wenn er kommt, war nicht so groß. Ich finde zudem, dass der Serge (Gnabry) und der Leroy (Sané) vorne ein super Spiel gemacht haben. Serge hat sich ständig gegen van Dijk im Zweikampf behauptet, Leroy war auch gefährlich. Und Leon (Goretzka) musste eben auch ein bisschen mehr Defensivarbeit verrichten. Die Drei haben das hervorragend vorne gemacht.

Frage: Inwieweit hat Manuel Neuer im Torhüter-Zweikampf ein Ausrufezeichen gesetzt?

Löw: Manuel Neuer hat in drei Situationen super gehalten. Er hatte eine gute Ausstrahlung hinten. Es war auch vom Manuel eine klasse Leistung.

Frage: Eine Genugtuung verspüren Sie nicht, auch nach der Kritik zuletzt?

Löw: Ich bin schon so lange dabei. Mit Kritik weiß ich umzugehen. Ich kann Kritik gut filtern. Ich weiß sie einzuordnen. Ich empfinde manches auch gar nicht so als Kritik, was in den Medien als Kritik dargestellt wird, wie der Präsident kritisiere den Trainer. Der Präsident hat vielleicht mal eine Meinung geäußert. Aber damit muss ein Trainer leben. Wir mussten alle im vergangenen Jahr einige Enttäuschungen wegstecken. Aber ich empfinde das nicht gegenüber Kritikern als Genugtuung. Ich habe den Glauben an diese Mannschaft schon im letzten Jahr gehabt. Ich weiß, zu was wir alle fähig sind. Dass es nach zwölf Jahren mal so ein Turnier gab wie die WM und danach die Nations League, okay, das müssen wir akzeptieren. Für uns selbst haben wir das kritisch aufgearbeitet. Wir haben die höchsten Ansprüche an uns selber. Wenn die Mannschaft die Dinge so gut umsetzt, bin ich sehr positiv, egal, was außen herum passiert ist.»

Frage: Nachdem Jérôme Boateng und Mats Hummels nicht mehr dabei sind, hat Niklas Süle im Zentrum die Hauptrolle gespielt. Wie finden Sie, hat sich Ihre neue Abwehrformation behauptet?

Löw: Nicht nur der Nik hat die Führungsrolle in der Abwehr, auch der Toni Rüdiger und der Matze Ginter. Sie sind schon längere Zeit bei uns, kennen die Abläufe, kennen Turniersituationen. Ich hatte am Morgen mit allen dreien gesprochen und ihnen gesagt, es ist wichtig, dass sie aufeinander schauen, dass sie sich gegenseitig coachen und pushen. Sie haben es im Verbund sehr gut gemacht.

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