Fußball: 2004 scheitert der FSV Gescher erst im Elfmeterschießen an den Amateuren des BVB
„Macke“ und das Spiel des Lebens

Gescher. Peter Ellermann galt immer als Freund deutlicher Worte. An diesem Abend wählte er einen drastischen, aber durchweg respektvoll gemeinten Vergleich. „Den Lammerding“, meinte der damalige Trainer des FSV Gescher trocken, „kannste nur mit einem Maschinengewehr stoppen.“ Das hat glücklicherweise keiner probiert, zeigt aber, welche Leistung Markus Lammerding in diesem Pokalspiel gegen die Amateure von Borussia Dortmund auf den von Pfützen übersäten Ascheplatz am Borkener Damm gelegt hatte. „Das dürfte das beste Spiel meines Lebens gewesen sein“, lächelt der heutige Vorsitzende des SV Gescher. Trotz der am Ende bitteren 9:10-Niederlage seines Teams nach Elfmeterschießen.

Mittwoch, 20.05.2020, 14:14 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 14:20 Uhr
Heißer Kampf auf nassem Ascheboden: FSV-Verteidiger Marcel Dziuba (links) verfolgt seinen Dortmunder Gegenspieler. Fotos: Archiv Foto: az

Es war alles angerichtet an diesem November-Abend im Jahr 2004. Fritz-Walter-Wetter, kein Nachteil für den krassen Außenseiter aus Gescher gegen den Regionalligisten, der damals von Uwe Neuhaus trainiert wurde – dem Mann, der sich aktuell anschickt, mit Arminia Bielefeld in die Bundesliga aufzusteigen. Trotz einer 0:1-Niederlage im Finale des Krombacher-Pokals gegen den damaligen Oberligisten SuS Stadtlohn hatten sich die Gescheraner für den Pokalwettbewerb 2004/05 auf Landesebene qualifiziert. Und dort sorgte der Landesligist für Furore, setzte sich zunächst beim Germania Mauritz mit 4:1 und dann beim SuS Neuenkirchen mit 2:1 durch. Für die dritte Runde gab es das erhoffte fette Los: Borussia Dortmund. „Nur“ die Amateure, aber immerhin.

Auf dem Ascheplatz wusste Peter Ellermann genau, wie er den Favoriten ärgern konnte. Auf überfallartige Konter wollten sie setzen – „und genau das war meine Chance“, erinnert sich Markus Lammerding. Er absolvierte damals sein erstes Jahr in der ersten Mannschaft und galt noch nicht als Stammspieler. „Gegen Dortmund durfte ich aber von Beginn an auflaufen.“ Das kam überraschend, sollte sich aber auszahlen.

Denn in der 32. Minute zündete Lammerding den Turbo, entwischte seinem Bewacher und überwand BVB-Keeper Sören Pirson – das war die 1:0-Führung für den FSV. Und damit nicht genug: Sekunden vor der Pause flankte Bastian Altrogge von der rechten Seite auf den Kopf von Andreas Kersten, der den Vorsprung auf 2:0 ausbaute. Die über 1000 Zuschauer am Borkener Damm durften von der Pokal-Sensation träumen. „Zu Beginn war der Gegner schon sehr überheblich“, erzählt Lammerding.

Nach der Pause machten die Borussen aber mächtig Dampf, nachdem Uwe Neuhaus ihnen in der Kabine offenbar ordentlich die Meinung gegeigt hatte. Massimo Ornatelli verkürzte schon in der 51. Minute auf 2:1, und nur drei Minuten später besorgte Oliver Risser den Ausgleich. Bei diesem 2:2 blieb es bis zum Ende der 90 Minuten – Verlängerung!

In der ging es richtig zur Sache. In Unterzahl nach roter Karte für Komius Öztürk gingen die BVB-Amateure mit 3:2 in Führung, aber dann war wieder „Macke“ Lammerding zur Stelle, der durch die Beine von Sven Pirson zum 3:3 traf. Abdezour Amaichaibou erzielte das 4:3 für die Gäste, doch kurz vor Schluss schlug Michael Kerkeling mit dem 4:4 zurück. Es ging ins Elfmeterschießen, wo Silvio Barbosa, Bastian Altrogge, Mike Börstung und Marco Terhechte für den FSV trafen, während Michael Kerkeling scheiterte. Keeper Martin Klein hielt gegen David Solga. Anschließend verwandelte Maik Legters, aber Samir Selimovic scheiterte an Sören Pirson – der insgesamt 14. Elfmeter besiegelte das Aus der Gescheraner.

Schade, doch trotz der Niederlage ist diese Partie bei Markus Lammerding nachhaltig in Erinnerung geblieben. „28 Jahre lang habe ich Fußball gespielt, davon etliche Jahre in der ersten Mannschaft“, lächelt er. „Aber dieses Spiel war der absolute Höhepunkt.“

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