Fußball: Entwicklung beim SV Gescher sorgt für gute Laune
Jung, hungrig, erfolgreich

Gescher. Den einen Schlüsselmoment, nein, den kann er nicht benennen. Wohl aber einen Spielverlauf, der das Pendel in die richtige Richtung hat ausschlagen lassen. „Da hatten wir das nötige Glück“, denkt Hendrik Maduschka an den ersten Spieltag zurück, als sie bei einer 1:0-Führung gegen den VfL Billerbeck bedenklich wackelten, aber nicht kippten. „Diese drei Punkte waren für den Kopf superwichtig“, sagt der Trainer des SV Gescher, der in der Folge mit seinem Team einen Erfolgskurs eingeschlagen hat: 15 Punkte aus sieben Spielen sind für den Bezirksligisten eine prima Bilanz.

Mittwoch, 04.11.2020, 12:15 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 12:20 Uhr
Foto: az

Das hätte anders laufen können, gerade vor dem Hintergrund der beiden schweren Auswärtsaufgaben beim FC Epe (0:2) und SuS Stadtlohn (0:1), die sie schon am zweiten und vierten Spieltag zu bewältigen hatten. „Weil wir die Heimspiele immer gewonnen haben, sind wir nie in einen negativen Trend geraten“, lächelt der Trainer. Auf jede Niederlage folgte prompt wieder ein Sieg, zuletzt sogar drei in Serie. Nummer vier hätte sie in der Zwischenbilanz auf Platz zwei der Tabelle katapultiert, aber dazu kam es nicht, denn die Partie beim VfL Ramsdorf ging vor der Corona-Zwangspause nicht mehr über die Bühne.

Rang zwei, jetzt mit einem Spiel weniger Platz vier – mehr als erwartet? „Wir wollten in die obere Hälfte, da sind wir“, lässt sich der 35-Jährige nicht locken. Denn das Feld liegt nach acht Spieltagen noch extrem dicht beisammen. Oben hat sich der SuS Stadtlohn bereits etwas abgesetzt, den Maduschka ohnehin als Topfavorit und Maß aller Dinge angesehen hatte: „Die werden das Titelrennen nicht lange offen halten, sonst machen sie was falsch.“ Ein bis zwei Konkurrenten mehr hätte er da erwartet, jetzt aber scheint der SuS allein seine Kreise zu ziehen. Und dahinter drubbelt es sich. „Es hat sich bewahrheitet, dass es ein superbreites Mittelfeld geben wird“, sieht sich der SV-Trainer bestätigt. Gerade einmal vier Punkte liegen zwischen dem Tabellenzweiten DJK Coesfeld und dem Achten VfB Alstätte.

Ergebnisse sind die eine Sache. Noch wichtiger ist dem Lehrer für Geschichte, Erdkunde, Sport und Mathe an der Sekundarschule Vreden aber die Entwicklung seines Personals. Und mit der zeigt er sich „super zufrieden“ – in vielen Bereichen sei eine Steigerung gelungen. „Wir sind ballsicherer und variabler geworden, wir haben einen draufgepackt“, lächelt Maduschka. Schön herausgespielte Tore, brandgefährliche Konter, das kann sich sehen lassen.

Umso härter trifft sie der sportliche Lockdown. Das sei zu befürchten gewesen und in der jetzigen Situation auch konsequent, urteilt der Stadtlohner. Dabei gehe es nicht um die Aktivitäten auf dem Platz selbst, wo das Infektionsrisiko nach Einschätzung der Experten kaum vorhanden sei. „Aber natürlich bringt die Kabine eine gewisse Gefährdung mit sich“, sagt er. „Und ohne Umkleide geht es in dieser Jahreszeit leider nicht.“

Ob es tatsächlich im Dezember weitergeht? So recht mag Hendrik Maduschka daran nicht glauben, zumal wohl kaum ein „Kaltstart“ in die Meisterschaftsrunde möglich sei. Falls doch wenig Zeit bleibe, dann wollen sie nicht unvorbereitet sein. Mit zwei Einheiten pro Woche wollen die Gescheraner durch den dunklen November kommen – eine Laufeinheit soll jeder Spieler für sich absolvieren, dazu wird es ein gemeinsames Online-Treffen geben. Dabei will er mit seinem Co-Trainer Alexander Lanfer Kraft- und Ballübungen auf kleinem Raum anbieten. „Jeder Spieler hat sich einen Ball mit nach Hause genommen“, lächelt Maduschka, der selbst für sich eine Laufeinheit mehr pro Woche einplant. „Und ich werde mal mehr Bundesliga und Champions League gucken“, kündigt er an. „Im normalen Trainingsbetrieb komme ich ja kaum dazu.“

Nichts hätte er dagegen einzuwenden, wenn dieser „Luxus“ schon bald wieder ein Ende finden würde. Denn Hendrik Maduschka, der sich in Gescher sehr gut angekommen fühlt, würde zu gerne die Arbeit mit seinen Jungs zügig wieder aufnehmen. Beim SV hat er es mit einer guten und jungen Mannschaft, getragen von einigen erfahrenen Spielern, zu tun – da lässt sich eine Menge entwickeln. „Genau das macht den großen Reiz für mich aus“, betont der 35-Jährige. Und nicht nur für ihn, denn auch die Fußballfans in Gescher scheinen das wahrzunehmen und kommen wieder zahlreicher zum Ahauser Damm. Im November nicht, aber hoffentlich danach wieder.

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