Fußball: 1981 schafft Westfalia Osterwick erstmals den Bezirksliga-Aufstieg
Ein ganzes Dorf steht kopf

Osterwick. Gewöhnlich kann jeder, nicht aber diese Mannschaft. Wenn schon Meister, dann bitteschön dramatisch, außergewöhnlich, spektakulär. „Unvergessen“, benötigt Werner Isfort nur ein Wort, um das zusammenzufassen, was er im Juni 1981 mit seinen Teamkollegen von Westfalia Osterwick hingelegt hat: Der erste Bezirksliga-Aufstieg in der damals 58-jährigen Vereinsgeschichte war erst nach zwei Entscheidungsspielen vor riesiger Zuschauerkulisse perfekt – und ein ganzes Dorf stand kopf.

Samstag, 21.11.2020, 12:30 Uhr
So jubelt der Meister 1981 – erstmals in der Vereinsgeschichte hat Westfalia Osterwick den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft: (oben von links) Vorsitzender Ewald Belker, Karl-Heinz Voß, Herbert Sicking, Hans-Jürgen Hübscher, Bernhard Soethe, Dieter van Deenen, Heinz Kersting, Fußballobmann Willi Grüner, Manfred van Deenen, Betreuer Manfred Althoff; unten von links: Kapitän Werner Isfort, Klaus van Deenen, Bernd Wolbeck, Heinz Wolters, Alfred Stening, Jürgen van Deenen, Franz-Josef Weßeling, Franz Averstegge, Spielertrainer Karl-Heiz Reimann. Fotos: Archiv Foto: az

Ein Erfolg, der auf die spielerische Klasse zurückzuführen ist, aber nicht nur. „Das war im wahrsten Sinne eine echte Mannschaft“, schwärmt Jürgen van Deenen noch heute von der Zusammensetzung des Kaders. Eine tolle Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern – und vor allem aus Typen, die in jeder Situation zusammenstehen. „Ich war nie der Dotz, sondern ein Teil der Mannschaft“, erinnert sich der damals 20-Jährige, der am dritten Spieltag erstmals zwischen die Pfosten rückt, weil sich Torwart Heinz „Jumbo“ Wolters beim 0:4 in Lette einen Platzverweis eingefangen hat. Van Deenen macht seine Sache gut, auch weil er als Youngster das volle Vertrauen der Etablierten genießt: „Selbst wenn mal ein Fehler passiert ist, kaum sofort der Trost von den Kollegen.“

Ein Platz unter den ersten Vier ist das Ziel, als es im August 1980 nach einem eher enttäuschenden siebten Rang in der Vorsaison in die neue Spielzeit geht. Der Optimismus in Osterwick gründet nicht zuletzt auf einem Neuzugang: Karl-Heinz Reimann, der als Spielertrainer zur Westfalia kommt und Ernst Schütte nach vier Jahren ablöst. „Reimann sollte den Kick bringen“, erzählt Werner Isfort, damals nicht nur Kapitän der Mannschaft, sondern auch im Vorstand tätig. Die Verpflichtung des damals 32-Jährigen, der zuvor 14 Jahre bei Emsdetten 05 in der Amateur-Oberliga gespielt hatte, bringt tatsächlich den erhofften Schub – weil er menschlich nach Osterwick passt, vor allem aber auf dem Feld den Unterschied macht. „Direkt im ersten Spiel hat er bei einem Freistoß fast von der Eckfahne laut über den Platz gerufen, dass sich Bernhard Soethe am langen Pfosten platzieren soll“, erinnert sich Isfort. Alle Augen des Gegners richten sich auf den Westfalia-Sturmtank – „und Reimann schießt den Ball einfach ins kurze Eck.“ Ein Glücksgriff für den Verein, sagt auch Jürgen van Deenen. Reimann in Kombination mit Betreuer Wolfgang Kauling, das sei schon eine besondere Zeit gewesen: „Mit Zuckerbrot und Peitsche.“

Trotzdem: Das Startprogramm hat es in sich. 3:3 gegen ESV Coesfeld, 0:4 bei Vorwärts Lette, 1:1 bei Raspo Coesfeld – nach drei Spieltagen stehen nur zwei Punkte auf dem Konto der Westfalia. Dann gelingt mit 5:1 gegen TSG Dülmen II der erste Erfolg. Vier weitere Siege folgen, und am neunten Spieltag übernehmen die Osterwicker nach einem 2:2 bei Adler Buldern wegen der besseren Tordifferenz erstmals die Tabellenführung. Die müssen sie zwischenzeitlich noch einmal abgeben, aber nach dem 2:1 beim VfL Billerbeck drei Tage vor Weihnachten vor 400 Zuschauern steht das Team als „Herbstmeister“ fest.

In der Rückrunde entwickelt sich an der Spitze ein Zweikampf zwischen der Westfalia und dem ASC Schöppingen II, der am fünftletzten Spieltag entschieden zu sein scheint, als die Westfalia den ASC durch Tore von Dieter van Deenen und Bernhard Soethe mit 2:1 bezwingt. Zwei Wochen später ist aber alles wieder offen, denn der Tabellenführer stolpert völlig überraschend auf eigenem Platz mit 2:3 gegen Kellerkind SW Beerlage. „Damit waren wir wieder punktgleich“, sagt Jürgen van Deenen. So bleibt es zwischen den beiden Kontrahenten auch am letzten Spieltag mit dem 2:0 der Westfalia gegen VfL Billerbeck und dem 2:1-Sieg der Schöppinger in Hausdülmen.

Zwei Entscheidungsspiele und insgesamt 210 Extra-Minuten müssen folgen, bis die Osterwicker erstmals als Bezirksliga-Aufsteiger feststehen (weiterer Bericht). „Das hat mir und meinen Teamkollegen sehr viel bedeutet“, lächelt Werner Isfort. Ein Kunststück übrigens, das Jürgen van Deenen exakt 20 Jahre später wiederholt: Weil sich Keeper Andreas Ueding verletzt, stellt er sich in der Saison 2000/01 im zarten Alter von 40 Jahren noch einmal zwischen die Pfosten und trägt dazu bei, dass die Mannschaft von Marco Jedlicka die Rückkehr in die Bezirksliga schafft – „das war noch einmal ein besonderes Erlebnis.“

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