Nach Verkauf
Ende einer Ära: Williams-Familie tritt bei Formel-1-Team ab

Ralf Schumacher oder Nico Rosberg fuhren früher in der Formel 1 für Williams. Nun gibt es eine Zäsur. Co-Teamchefin Claire Williams und ihr Vater Frank treten ab.

Donnerstag, 03.09.2020, 15:01 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 15:04 Uhr
Claire Williams hört beim Williams-Team auf. Foto: -

Monza (dpa) - Mit dem Abschied der Williams-Familie endet in der Formel 1 eine Ära. Mehr als 40 Jahre bestimmten Rennstall-Mitgründer Frank Williams und später seine Tochter Claire die Geschicke des gleichnamigen Privatteams.

Nach dem Verkauf an eine US-Investmentgesellschaft ziehen sich die beiden Führungsfiguren aber endgültig zurück. Die bisherige Co-Teamchefin Claire Williams (44) wird nach dem Grand Prix von Italien in Monza an diesem Wochenende abtreten. Die Tochter des legendären Mitbesitzers will dem neuen Besitzer Dorilton Capital «einen Neustart» erlauben. «Es war keine leichte Entscheidung, ich glaube aber, sie ist richtig für alle Beteiligten», erklärte die Britin am Donnerstag.

Mit Williams' Rückzug geht beim englischen Privatteam eine Ära zu Ende. Der Rennstall wurde 1977 vom damaligen Teamchef Frank Williams und Patrick Head gegründet. Insgesamt neunmal holte das Team den Konstrukteurs-Titel. Die letzte Fahrer-WM gewann 1997 der Kanadier Jacques Villeneuve. Der gesundheitlich angeschlagene Frank Williams, der seit einem Unfall 1986 im französischen Le Castellet im Rollstuhl sitzt, trat 2012 aus dem Vorstand zurück und machte den Weg für seine Tochter frei. 2013 stieg sie zur Co-Teamchefin auf.

«Es ist traurig, dass die Williams-Familie abtritt, aber die Historie von Williams wird überdauern. Wir bleiben noch Williams Racing», sagte der Brite George Russell, der zusammen mit dem Kanadier Nicholas Latifi die aktuelle Fahrerpaarung beim Hinterbänklerteam bildet. «Wir werden weiter kämpfen und den Namen der Familie repräsentieren.»

Nick Heidfeld, Heinz-Harald Frentzen, Ralf Schumacher, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg - auch deutsche Fahrer waren bei Williams lange beliebt. Von 2000 bis Ende 2005 arbeitete das Team, das heute Antriebe von Mercedes bezieht, auch mit Autobauer BMW zusammen. «Eine Ära endet», befand Heidfeld, der 2005 in einem Williams die einzige Pole Position seiner Karriere holte.

Die Investmentgesellschaft Dorilton Capital mit Sitz in New York sprach von einem «neuen Kapitel» in der Teamgeschichte. Nach 43 Jahren und 739 Grand Prix werde sich die Williams-Familie aus dem Sport zurückziehen. In der Corona-Krise hatten sich die finanziellen Probleme des Rennstalls verschärft. In Dorilton Capital habe man einen neuen Besitzer gefunden, «der den Sport versteht und weiß, was es braucht, um erfolgreich zu sein», erklärte damals Claire Williams. Name und Hauptsitz des Teams in Grove sollen bleiben.

© dpa-infocom, dpa:200903-99-417160/3

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