Tennis in New York
Corona-Chaos zu Beginn der US Open - Paire: «Fake Bubble»

Der erste positive Corona-Test bei den US Open der Tennisprofis in New York hat für Verwirrung und Verärgerung gesorgt. Der vom Turnier ausgeschlossene Benoît Paire übt Kritik an den Organisatoren, auch andere Profis sind von den Maßnahmen betroffen.

Dienstag, 01.09.2020, 10:56 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 10:58 Uhr
Der Franzose Benoît Paire äußerte Kritik an den Organisatoren des Grand-Slam-Turniers in New York. Foto: Andy Wong

New York (dpa) - Der erste Ball war noch gar nicht gespielt bei den US Open, da erwischte das Thema Corona die Veranstalter und Profis bereits mit voller Wucht. Nach einem positiven Covid-19-Test durfte der Franzose Benoît Paire nicht zu seinem Erstrunden-Match antreten.

Doch die Streichung des Namens aus dem Tableau sorgte nicht etwa für Beruhigung oder diente als Bestätigung für ein funktionierendes Hygiene- und Nachverfolgungskonzept. Im Gegenteil: Der Fall rief Verwirrung, Kritik und hitzige und kontroverse Debatten hervor.

Paire selbst vermeldete in den sozialen Netzwerken, dass es ihm gut gehe und er symptomfrei sei. Und schrieb dann noch den Satz: «Ich zögere noch, ob ich erzählen soll, was wirklich in dieser "Fake Bubble" passiert.» Natürlich waren bei der Vielzahl der Tests positive Ergebnisse zu erwarten gewesen. «Es war ja klar, dass es irgendwann passieren würde», sagte Deutschlands Nummer zwei Jan-Lennard Struff nach dem Einzug in die zweite Runde.

Aber dass es noch vor dem Start des Grand-Slam-Experiments in New York so weit war und dass es nicht etwa einen Coach, Fitnesstrainer oder mittelbekannten Doppelspieler traf, sondern die Nummer 17 der Setzliste, bestimmte am Eröffnungstag (fast) alle Gespräche. Zumal der Fall Folgen hatte. Denn wie im Protokoll vorgesehen, sind auch die möglichen Kontaktpersonen von Paire von harten Einschränkungen betroffen.

Um wie viele Spieler es sich genau handelt, blieb zunächst unklar. Auch weil die Veranstalter keine Namen nennen. Von zehn bis elf Spielern war in einigen Medien die Rede. Alexander Zverev sorgte nach seinem Erstrunden-Sieg zunächst für Verwunderung mit Aussagen dazu, wer mit Paire wann Kontakt gehabt haben könnte. So zähle der Russe Daniil Medwedew, im vergangenen Jahr in New York im Finale, zur Gruppe der Betroffenen. Was dessen Trainer wenig später gegenüber einem Journalisten der «New York Times» verneinte.

Wie viele Profis bemängelte Zverev, dass die Spieler nicht von den Organisatoren informiert worden seien. «Da haben sie nicht den besten Job gemacht. Wir haben die Sache mit Paire auch erst über die Medien erfahren», kritisierte der 23 Jahre alte Hamburger bei «Eurosport». «Ich finde, da hätten wir als Spieler zuerst Bescheid bekommen müssen. Wir müssen ja wissen, wer mit wem in Kontakt war.»

Auch Struff sagte, er habe das positive Ergebnis von anderen Spielern und aus dem Internet erfahren. «Es ist natürlich ein kleines Horrorszenario», sagte der 30 Jahre alte Sauerländer über die Vorstellung, jetzt zehn Tage in Quarantäne im Hotelzimmer verbringen zu müssen. Von einem «Warnschuss für uns alle, dass man sich nie zu hundert Prozent sicher sein kann» sprach Angelique Kerbers Ex-Trainer Dieter Kindlmann in der «Süddeutschen Zeitung».

Die Französin Kristina Mladenovic schilderte in emotionalen Worten, dass sie nun «in einer Blase in der Blase» sei und eigentlich außer trainieren und spielen gar nichts mehr dürfe, weil sie eine Stunde mit Paire trainiert und 30 bis 40 Minuten mit ihm und anderen in der Hotellobby Karten gespielt habe. «Es ist emotional sehr schwierig», sagte die Französin.

Auch Paires Landsleute Adrian Mannarino und Edouard Roger-Vasselin zählen zu den Profis, die nun sozusagen in Isolation in der Isolation leben müssen. Denn anders noch als bei der von Cincinnati nach New York verlegten Masters-Veranstaltung in der Vorwoche wurden die Kontaktpersonen nicht sofort aus dem Turnier ausgeschlossen.

Die Regeln seien modifiziert worden, erklärte Turnierdirektorin Stacey Allaster und wies darauf hin, dass die Spielerinnen und Spieler, die mutmaßlich engeren Kontakt hatten zu Paire, nun täglich auf Covid-19 getestet würden und nicht nur alle vier Tage. Alles sei mit den Gesundheitsbehörden des Bundesstaates New York abgesprochen worden. «Wenn wir am Ende nur zwei positive Tests haben, was immer noch zwei zu viele sind, dann zeigt das aber, dass das Testen und das Tragen von Masken und das Distanz halten funktioniert», sagte Allaster.

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