Basketball-Bundesliga
Trainer prophezeien enges Rennen zwischen Bayern und Alba

Die Basketballer starten in die schwierigste Saison ihrer Geschichte. Corona stellt viele Hürden und sorgt für viele Fragezeichen. Nur die Favoriten bleiben auch in Zeiten der Pandemie die gleichen.

Mittwoch, 04.11.2020, 13:46 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 13:48 Uhr
Die meisten der Basketballtrainer tippen ein Duell von Alba Berlin und FC Bayern München um die Meisterschaft. Foto: Andreas Gora

Berlin (dpa) - Titelverteidiger Alba Berlin, Topfavorit Bayern München oder in Corona-Zeiten doch eine totale Überraschung? Die Basketball-Bundesliga startet mitten im Teil-Lockdown nicht nur in der Meisterfrage mit vielen Fragezeichen in die am Freitag beginnende Saison.

«Es sieht so aus, als ob Alba und die Bayern die besten Chancen haben, die Meisterschaft zu gewinnen», sagte Crailsheims Trainer Toumas Iisalo in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings schränkte der finnische Coach ein: «Doch die aktuelle Situation auf dem Globus bringt eine Menge Unsicherheit mit sich.»

Diese Unsicherheit wegen der Corona-Krise bekommen auch die Basketballer mit voller Wucht zu spüren. Der Liga-Start war bereits wegen derPandemie verlegt worden. Im vorgezogenen Pokal-Wettbewerb mussten seit Mitte Oktober zahlreiche Partien verschoben werden, weil es in mehreren Clubs Corona-Fälle gegeben hatte. Das Top Four, als erster Höhepunkt der Saison für Anfang November geplant, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Besonders hart getroffen wurde Alba Berlin. Der Titelverteidiger verzeichnete sieben Corona-Fälle im Team und dessen Umfeld und konnte nach zweiwöchiger Quarantäne erst am Montag erstmals wieder trainieren. «Es ist ein Überlebenskampf», sagte Berlins Geschäftsführer Marco Baldi im Interview bei «sport1.de». «In dieser Saison gibt es so viele zusätzliche Variablen und Ungewissheiten, dass man nur schwer voraussagen kann, in welche Richtung das geht.»

Dennoch werden den beiden Schwergewichten der Liga die besten Chancen auf den Titelgewinn ausgerechnet. In der dpa-Umfrage tippten zwölf Coaches in der Meisterfrage auf die Münchner, zehn sehen die besten Chancen für Alba, das sich Ende Juni beim Quarantäne-Turnier in München in den Endspielen gegen die MHP Riesen Ludwigsburg den Titel gesichert hatte. Mehrfachnennungen waren möglich.

«Ich tippe auf Alba Berlin, weil sie ihr Team im Großen und Ganzen zusammengehalten haben», sagte der frühere Nationalspieler Denis Wucherer von s.Oliver Würzburg. «Sie haben eine Menge Qualität, gepaart mit einem hohen Basketball-IQ, und werden nicht schlechter spielen als im letzten Jahr.» Andere Trainer wie Johan Roijakkers von Brose Bamberg und Roel Moors von der BG Göttingen erklärten die Bayern zum Favoriten. «Weil sie durch ihre herausragende Marke und Organisation die besten Möglichkeiten haben, durch diese schwierige Zeit zu kommen», begründete Gießens Ingo Freyer seine Wahl.

Und in der Tat scheinen die Bayern ihre Lehren aus der titellosen Saison 2019/20 gezogen zu haben. Zwar verließen Stars wie die Nationalspieler Danilo Barthel oder Maodo Lo den Verein, doch Geschäftsführer Marko Pesic hat mit seinem Team wieder eine starke Mannschaft geformt, die in der Euroleague mit Siegen gegen Top-Clubs wie Maccabi Tel Aviv oder Fenerbahce Istanbul für Furore gesorgt hat.

Der neue Star an der Isar ist der Trainer. Nach einem Abstecher zu Partizan Belgrad ist der frühere Bamberg-Coach Andrea Trinchieri zurück in der Liga. «Es ist toll für die BBL, dass wir einen in ganz Europa so angesehenen Coach wieder in Deutschland begrüßen können», sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz.

Der Liga-Chef ist zusammen mit dem Sportlichen Leiter Jens Staudenmayer in diesen Tagen ganz besonders gefordert. Vor allem das Verbot von Zuschauern für den November trifft die Vereine hart. Doch eine Verschiebung des Saisonstarts kommt für die Bosse bislang nicht infrage. «Wir verfolgen Plan A so lange wie es geht», antwortete Holz auf die entsprechende Frage.

Und so werden Alba und Bayern an diesem Wochenende erst einmal als die großen Favoriten in die Saison mit 34 Spieltagen und den Playoffs starten. Die Sehnsucht nach einem anderen Meister ist in der Liga aber groß. «Ich hoffe, dass der Meister nicht aus Berlin oder München kommen wird», sagte Oldenburgs Trainer Malden Drijencic.

DIE MEISTERTIPPS IM ÜBERBLICK:

Aito Garcia Reneses (Alba Berlin): «Das ist sehr schwierig zu sagen, wer der Favorit ist. Viele Vereine müssen ungewohnte Situationen meistern und wir wissen nicht, was noch alles kommt.»

John Patrick (MHP Riesen Ludwigsburg): «München ist der Favorit, doch auch Berlin hat sich durch ein paar neue Spieler stark verstärkt. Die beiden sind das Maß aller Dinge, dahinter kommen Oldenburg und Ulm.»

Mladen Drijencic (EWE Baskets Oldenburg): «Ich hoffe, dass der Meister nicht aus Berlin oder München kommen wird.»

Jaka Lakovic (ratiopharm Ulm): «Meine Topfavoriten sind Alba Berlin und Bayern München.»

Andrea Trinchieri (FC Bayern München): «Ich gebe keine Prognosen ab. Berlin ist der Titelverteidiger, wir der Herausforderer, der natürlich um den Titel kämpfen will.»

Johan Roijakkers (Brose Bamberg): «München, da sie den breitesten Kader haben.»

Roel Moors (BG Göttingen): «Bayern München wird deutscher Meister, weil sie das physischste und flexibelste Team haben.»

Sebastian Gleim (Fraport Skyliners Frankfurt): «Ich denke, es wird entweder Bayern München oder Alba Berlin. Sie haben einen tief besetzten Kader mit Ausnahmespielern in ihren Reihen und sind beide Euroleague Teams. Die Mischung aus spielerischer Qualität, Physis und Athletik macht die Überlegenheit beider Teams aus. Außerdem ist der Kern des Teams bestehen geblieben und die meisten Spieler kennen sich bereits über das Jahr hinaus.»

Thomas Päch (Rasta Vechta): «Alba Berlin. Der Club hat die größte Kontinuität im Kader, jeder weiß, was er zu tun hat. Sie haben viel Qualität, viel Erfahrung und sind auf den deutschen Positionen sehr gut besetzt. Auch wenn sie viele schwere Abgänge hatte, erscheint mir das Gesamtkonstrukt am besten.»

Tuomas Iisalo (Hakro Merlins Crailsheim): «Es sieht so aus, als ob Alba und die Bayern die besten Chancen haben, die Meisterschaft zu gewinnen. Doch die aktuelle Situation auf dem Globus bringt eine Menge Unsicherheit mit sich.»

Denis Wucherer (s.Oliver Würzburg): «Ich tippe auf Alba Berlin, weil sie ihr Team im Großen und Ganzen zusammengehalten haben. Sie haben eine Menge Qualität, gepaart mit einem hohen Basketball-IQ, und werden nicht schlechter spielen als im letzten Jahr.»

Pete Strobl (Basketball Löwen Braunschweig): «Ich denke, dass die beiden Euroleague-Clubs Alba Berlin oder FC Bayern München das unter sich ausmachen werden. Sie verfügen über deutlich höhere Budgets als jeder andere BBL-Club und das zeigt sich natürlich in der Kaderqualität.»

Raoul Korner (medi bayreuth): «Letztendlich werden sich der FC Bayern München und Alba Berlin den Titel untereinander ausspielen, da diese Teams über die deutlich besten und tiefsten Kader verfügen.»

Trainer Ingo Freyer (Jobstairs Gießen 46ers): «Der FC Bayern München. Weil sie durch ihre herausragende Marke und Organisation die besten Möglichkeiten haben, durch diese schwierige Zeit zu kommen.»

Igor Jovovic (Telekom Baskets Bonn): «Bayern München und Alba Berlin haben wieder die größten Chancen auf den Titel. Mein Tipp ist in diesem Jahr aber Bayern - ein gutes und vor allem sehr athletisches Team. Sie haben einiges zu beweisen und ich denke, sie sind sehr motiviert, den eher schlechten Eindruck des letzten Jahres vergessen zu machen.»

Silvano Poropat (Syntainics Mitteldeutscher BC): «Die besten Karten haben die Euroleague-Mannschaften Bayern München und Alba Berlin. Die Qualität beider Teams ist mit Abstand die höchste. Das haben wir bereits am eigenen Leib im BBL-Pokalspiel gegen München gespürt.»

Pedro Calles (Hamburg Towers): «Das kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Aber grundsätzlich würde ich sagen: Alba Berlin ist der amtierende Meister. Daher müssen die anderen Teams sehr gut arbeiten, um ihnen den Titel abzunehmen.»

Rodrigo Pastore (Niners Chemnitz): «Eine der beiden Mannschaften, die Euroleague spielen, also ALBA Berlin oder Bayern München. Sie haben einfach die größte Qualität und Kadertiefe.»

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