Start ins neue Jahr
Trennung von Ferrer: Zverev zum Saisonstart ohne Trainer

Nur sechs Monate währte die Zusammenarbeit von Deutschlands Tennisstar Alexander Zverev mit dem spanischen Trainer David Ferrer. Kurz vor dem Saisonstart muss sich der US-Open-Finalist schon wieder einen neuen Coach suchen. Natürlich fällt der Name Boris Becker.

Freitag, 08.01.2021, 13:56 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 13:58 Uhr
Alexander Zverev trennt sich von seinem Trainer David Ferrer. Foto: John Walton

Berlin (dpa) - Ivan Lendl, Juan Carlos Ferrero und jetzt David Ferrer: Nach dem erneut frühzeitigen Aus zwischen dem besten deutschen Tennisspieler Alexander Zverev und einem prominenten Ex-Profi als Trainer ließen die ersten Witzeleien nicht lange auf sich warten.

Die ehemaligen Coaches des 23 Jahre alten Hamburgers würden ein prima Legendenturnier ausspielen können, war am Freitag in den sozialen Netzwerken zu lesen. Zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend hatte der Weltranglisten-Siebte am Abend zuvor das Ende der Zusammenarbeit mit dem Spanier Ferrer bekanntgegeben. Nach nur sechs Monaten - und rund vier Wochen vor den Australian Open.

Während allerdings nach den gescheiterten Versuchen mit Lendl und Ferrero nicht nur freundliche Abschiedssätze zu vernehmen waren, sind nun (zumindest öffentlich und bislang) keine bösen Worte zu hören. Denn fast schon reflexhaft stellten sich Fragen wie: schon wieder nach so kurzer Zeit? Was ist denn dieses Mal passiert? Ist Zverev untrainierbar? Und vor allem: Wer wird der Nächste sein?

Zunächst einmal wird wohl Vater Alexander senior wieder das alleinige Sagen haben, für den ATP Cup in Melbourne Anfang Februar ist bereits seit längerem Bruder Mischa Zverev als Teamchef für die deutsche Mannschaft mit Alexander Zverev, Jan-Lennard Struff und die French-Open-Sieger Kevin Krawietz und Andreas Mies vorgesehen. Doch dem Vernehmen nach steht Zverev bereits in Verhandlungen mit einem neuen Coach. Der immer wieder gehandelte Boris Becker soll es aber nicht sein - auch wenn der dreimalige Wimbledonsieger gerade sein Amt als Chef des Herren-Tennis im Deutschen Tennis Bund beendet hat.

«Ich möchte David für die Monate danken, die wir geteilt haben, die Zeiten auf und neben dem Platz, und ihm nur das Beste für die Zukunft wünschen», ließ Zverev mitteilen und dankte sogar Ferrers Familie, «dass sie mir die Möglichkeit gegeben hat, während der aktuellen Pandemie wertvolle Wochen mit David zu verbringen». Der 38 Jahre alte Spanier betonte gar extra im Tennis-Portal «puntadobreak.com», es sei «absolut nichts zwischen uns vorgefallen, alles ist gut.»

Ferrers Landsmann Ferrero hatte Zverev nach deren Trennung fehlenden Respekt und mangelnde Professionalität vorgeworfen. Zwischen Lendl und Zverev haperte es offenkundig auch zeitweise an der Kommunikation. Doch nun versichern beide Seiten glaubhaft, dass es zu keinem Zerwürfnis kam und man sich in aller Freundschaft trenne.

Tatsächlich scheinen für Familienvater Ferrer in Zeiten der Corona-Pandemie mehrwöchige Reisen und Abwesenheiten von zu Hause problematisch. Zum anderen soll ihm ein Job-Angebot des spanischen Tennisverbandes vorliegen, was weniger zeit- und reiseintensiv wäre.

Auch zu den US Open in New York, als Zverev erst nach einem packenden Fünf-Satz-Match im Finale gegen den Österreicher Dominic Thiem verloren hatte, war Ferrer nicht mitgekommen. Bei den French Open und den ATP-Finals in London war er hingegen an Zverevs Seite - dort jedoch ohne Fortune. In Paris schied der kranke Zverev im Achtelfinale aus, in London scheiterte er in der Gruppenphase.

Dabei hatte Zverev immer wieder betont, wie gut sie sich verstünden und wie entspannt die Zusammenarbeit sei. Und gerade nach den privaten Turbulenzen 2020 schien der ruhige und besonnene Ferrer dem in der Vergangenheit oft impulsiven Zverev gut getan zu haben.

Doch nach den Gewaltvorwürfen einer Ex-Freundin, der bekannt gewordenen Schwangerschaft einer anderen Ex-Freundin und dem - am Ende erfolgreichen - Rechtsstreit mit seinem Ex-Manager Patricio Apey steht in Zverevs Vita nun auch hinter Trainer David Ferrer ein «Ex».

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