FIFA-Präsident
Infantino: «Sehr berührt» von Anschuldigungen

Montreux (dpa) - Gianni Infantino ist von den Anschuldigungen bezüglich seiner Treffen mit dem ehemaligen schweizerischen Bundesanwalt Michael Lauber und deren Auswirkungen «sehr berührt».

Freitag, 04.09.2020, 10:11 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 10:16 Uhr
Gianni Infantino ist der Präsident der FIFA. Foto: Sebastian Gollnow

«Gerade wegen all der Investitionen, die wir in die neu gewonnene Glaubwürdigkeit der FIFA vorgenommen haben, hat mich das wirklich hart getroffen», sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA beim Swiss Economic Forum in schweizerischen Montreux.

Er habe sich mit dem Bundesanwalt getroffen, «weil ich die Schatten unserer Vergangenheit endlich vertreiben wollte, denn man kann eine Organisation nicht in die Zukunft führen, wenn man sich nicht mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt hat», räumte Infantino ein. «Dazu gehörten auch die Treffen mit dem Bundesanwalt, um zu prüfen, wie wir die laufenden Verfahren beschleunigen können, von denen einige selbst jetzt noch anhängig sind.»

Die geheimen Treffen zwischen Infantino und Lauber hatten für den Bundesanwalt juristische Konsequenzen. Eine Parlamentskommission hatte die Immunität von Lauber aufgehoben, der die Korruptionsermittlungen gegen die FIFA wegen der Vergabe der WM 2018 an Russland und 2022 an Katar leitete. Das angekündigte Strafverfahren kann damit eröffnet werden. Gegen Infantino laufen gleichfalls Ermittlungen. Die FIFA-Ethikkommission beendete indes eine Voruntersuchung mangels Beweisen ohne Sanktionen für Infantino.

Zu den Reformen des Weltverbandes im Kampf gegen Korruption sagte Infantino: «Die FIFA war zu einem 'Selbstbedienungsladen' verkommen, in dem Hunderte Millionen verschwanden. Das mussten wir ändern. Wir mussten die Mentalität der Leute ändern.» Seit 2017 hat die FIFA-Ethikkommission insgesamt 56 Sanktionen verhängt und die Hälfte der Beschuldigten lebenslang gesperrt. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Tätigkeitsbericht des Weltverbandes hervor. «Heute können wir bei der FIFA jeden einzelnen Franken verfolgen: woher er kommt und wohin er geht», unterstrich der FIFA-Boss.

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