Corona-Pandemie
«Falsches Signal»: Kritik an Europacup-Ausweichspielen

Reisen sind derzeit eigentlich unerwünscht. Im Europapokal aber müssen Leipzig und Gladbach sogar zusätzliche Auslandstrips organisieren. Das stößt auf Kritik von Spitzenpolitikern.

Sonntag, 07.02.2021, 14:55 Uhr
Gesundheitexperte der SPD: Karl Lauterbach. Foto: Kay Nietfeld

Berlin (dpa) - Gegen den Geist der Corona-Politik gehen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach definitiv noch einmal zusätzlich auf Auslandsreise.

Zur Rettung ihrer Achtelfinal-Hinspiele in der Champions League wollen beide Fußball-Bundesligisten an einem Ausweichort antreten und ernten dafür Kritik. Die Leipziger spielen gegen Jürgen Klopps FC Liverpool am 16. Februar in Budapest, wie die Europäische Fußball-Union UEFA am Sonntag mitteilte. Die Gladbacher suchen für ihre Partie gegen Manchester City acht Tage später auch einen Spielort «außerhalb von Deutschland», wie Sportchef Max Eberl im ZDF-«Sportstudio» bestätigte.

Grund ist das bis mindestens 17. Februar geltende Einreiseverbot aus Hochrisiko-Ländern, in denen das Coronavirus mutiert ist. Von einer Verlängerung ist auszugehen. Zu den Ländern zählt Großbritannien. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Austragung der Europacup-Partien für «das falsche Signal», wie der SPD-Politiker der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» sagte.

«Wir sollen derzeit alle auf Reisen verzichten, diesen Appell hat auch die Bundeskanzlerin gesetzt, und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum wir da für einen Profizirkus eine Ausnahme machen sollten», sagte Lauterbach. Die Gefahr, das Virus einzuschleppen, sei gegeben. Ähnlich sieht es die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Dagmar Freitag (SPD). «Aufgrund der bekannten Mutationen des Virus ist jegliche Ein- und Ausreise in und aus anderen Ländern eine zuviel», sagte Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

«Ich halte auch die Reisen von Fußballspielern für unangemessen.» Dies gelte erst recht, wenn es sich um Vereine aus Hochrisikoländern wie beispielsweise Großbritannien handele. Der UEFA und den Vereinen gehe es «allein um das Geld», meinte Freitag. Auch der FC Bayern hatte sich am Wochenende auf Reisen begeben, am Montag bestreitet der Champions-League-Sieger in Katar sein Halbfinale bei der Club-WM.

Weder für die Leipziger, die Gladbacher noch für die UEFA kam eine Verschiebung oder Absage des Achtelfinals in Europas Königsklasse offenkundig infrage. Weil weder Liverpool noch Man City einem Tausch des Heimrechts zustimmten, sahen sich die Bundesligisten unter Druck, einen geeigneten Ausweichort zu finden. Andernfalls würden die Spiele als 0:3-Niederlage gewertet.

«Natürlich ist es etwas unglücklich, wie es jetzt gelaufen ist, dass die Verordnung jetzt da ist», sagte RB-Sportdirektor Markus Krösche dem TV-Sender Sky. Einen Antrag auf eine Sondergenehmigung für die Einreise des englischen Fußball-Meisters hatte die Bundespolizei abgelehnt. So einigten sich die Sachsen mit Liverpool, der UEFA und dem ungarischen Verband auf ein Spiel vor leeren Rängen in der Puskás Arena in Budapest. «Allen war wichtig, dass das Spiel stattfinden kann», sagte RB-Direktor Ulrich Wolter.

Für Profisportler sind bei Trips nach Ungarn trotz derzeit strenger Einreisebestimmungen Ausnahmen vorgesehen. Für die Rückreise nach Deutschland reicht ein negatives Test-Ergebnis. Die Kosten für den Standortwechsel müssen die Leipziger selbst tragen.

Vergeblich mühten sich auch die Gladbacher um eine Erlaubnis für ihr Heimspiel. Mit der NRW-Staatskanzlei, der UEFA, der Deutschen Fußball Liga und dem Deutschen Fußball-Bund habe der Club um eine Lösung gerungen, berichtete Sportdirektor Eberl. «Jetzt sind wir da in der Rolle, einen neuen Spielort zu finden», sagte der 47-Jährige. Neben Budapest ist auch das dänische Midtjylland im Gespräch.

Der frühere Weltmeister Uli Hoeneß hält es für richtig, den Spielbetrieb im Fußball trotz weiter beunruhigender Corona-Lage fortzusetzen. Zumindest in Deutschland habe der Fußball mit einem «sehr guten Hygienekonzept mit großer Disziplin diesen Wettbewerb prima hingekriegt», sagte Hoeneß dem Bayerischen Rundfunk. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass der Spitzensport «doch eine große Abwechslung für die Bürger» sei. So oft wie derzeit habe er noch nie Fernsehen geschaut. «Das lenkt doch ab und hilft uns allen, diese schweren Zeiten etwas besser zu überstehen», sagte der 69-Jährige.

© dpa-infocom, dpa:210207-99-334351/6

Nachrichten-Ticker