Vor Weltcup-Start
Deutsche Skispringerinnen noch lange nicht am Ziel

Die sportliche Gleichstellung der Skisprung-Frauen ist in den vergangenen Jahren deutlich vorangeschritten. Zu Ende ist der Prozess aber noch lange nicht. Diesen Winter muss das deutsche Team stark dezimiert in Angriff nehmen.

Donnerstag, 05.12.2019, 10:51 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 10:54 Uhr
Traut seinem Team trotz großer Verletzungssorgen viel zu: Bundestrainer Andreas Bauer. Foto: Felix Kästle

Lillehammer (dpa) - Die Vierschanzentournee bleibt der große Traum: Trotz oder gerade wegen der beeindruckenden Erfolge der vergangenen Jahre und immer mehr Wettkämpfen auf der Großschanze sehen sich die deutschen Skispringerinnen auf dem Weg zur sportlichen Gleichberechtigung noch nicht am Ziel.

«Wir sind noch nicht ganz da, wo wir hin wollen», sagt Katharina Althaus. Die Doppel-Weltmeisterin von Seefeld hofft vor dem Start des Weltcup-Winters an diesem Wochenende in Lillehammer, dass sie und ihre Teamkolleginnen beim Skisprung-Spektakel rund um den Jahreswechsel bald nicht mehr nur als Zuschauer dabei sind.

«Wir können es nur immer wieder ansprechen und hoffen, dass die Fis das dann durchführt», sagte die 23 Jahre alte Althaus der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Entscheidungsträger beim Weltverband. Dort kennt man das Thema natürlich längst, beschäftigt sich damit, sieht aber keine Eile.

«Man muss Schritt für Schritt vorgehen», sagt Sandro Pertile, der den langjährigen Rennleiter Walter Hofer im kommenden Jahr in dieser Funktion ablöst. «Wenn man so etwas von heute auf morgen macht, kommt es wie ein Boomerang zurück.» Der Italiener bezieht sich vor allem auf die Leistungsdichte im Starterfeld. Diese muss aus seiner Sicht für die Tournee noch größer werden.

Zur konkreten Ausgestaltung einer Tournee für Frauen gibt es unterschiedliche Ideen. Bundestrainer Andreas Bauer würde das Event am liebsten in die Männer-Veranstaltung einbauen - beispielsweise mit Wettkämpfen am Qualifikationstag von Markus Eisenbichler, Kamil Stoch und Co. «Wenn die Vierschanzentournee für Frauen kommt, sollte sie auch auf den Anlagen stattfinden, wo sie für die Männer stattfindet», sagt der 55-Jährige. Sie an andere Orte zu vergeben, wäre für ihn «kompletter Blödsinn.»

Auf welch sportlich hohem Niveau sich die Frauen mittlerweile auf der Schanze duellieren, zeigte die letzte WM in Österreich eindrucksvoll. In einem packenden Einzelwettkampf setzte sich die norwegische Olympiasiegerin Maren Lundby nur um umgerechnet 25 Zentimeter vor Althaus durch. Die Oberstdorferin, die sich neben der Tournee auch eine zusätzliche Medaillenchance bei Olympia wünscht und gerne mal Skifliegen würde, ist auch in diesem Jahr zusammen mit Juliane Seyfarth die größte Hoffnungsträgerin im Team des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Wie sein Kollege bei der Männer-Nationalmannschaft, Stefan Horngacher, hat auch Bauer mit großen Verletzungsproblemen in seinem Team zu kämpfen. In Sotschi-Olympiasiegerin Carina Vogt, Ramona Straub, Anna Rupprecht und Gianina Ernst fallen gleich vier Springerinnen aus.

Jammern will Bauer deswegen aber nicht. «Das ist wie bei einer Fußballmannschaft: Wenn Bayern München die Spieler ausgehen, dann müssen die Jungen ran», sagt er. Auch bei ihm bekommen jetzt weniger erfahrene Sportlerinnen die Möglichkeit, sich im Weltcup zu beweisen. «Das ist auch eine Chance, dass wir uns im Hinblick auf die Nordische Ski-WM im nächsten Jahr noch breiter aufstellen.»

Für dieses Jahr gibt der Bundestrainer trotz der fast schon gruseligen Verletzungsserie die Devise aus: «Wir wollen in jedem Weltcup-Einzelspringen um das Podest mitkämpfen.» In der vergangenen Saison stand in 24 Einzel-Weltcups nur zweimal keine Deutsche auf dem Treppchen.

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