Ski alpin
«Diese andere Geschichte»: Wie Luitz mit Beaver Creek umgeht

Ein Ort, zwei Erinnerungen. Beaver Creek ist für Stefan Luitz Schauplatz seines ersten Weltcup-Sieges. Und zugleich ein Name, der ihn den ganzen vergangenen Winter verfolgt hat.

Samstag, 07.12.2019, 10:04 Uhr aktualisiert: 07.12.2019, 10:08 Uhr
Zurück in Beaver Creek: Ski-Ass Stefan Luitz in Aktion. Foto: John Locher

Beaver Creek (dpa) - Das Theater um seinen ersten Weltcup-Sieg möchte Stefan Luitz vor der Rückkehr auf die Raubvogelpiste am liebsten gar nicht mehr besprechen.

«Natürlich gibt es auch diese andere Geschichte aus Beaver Creek, aber die ist abgeschlossen und daher freue ich mich jetzt auf das Rennen», sagte er vor dem Riesenslalom am Sonntag (17.45/20.45 Uhr/Eurosport). Der Fokus soll auf dem Wettkampf vor ihm liegen, dabei sind die Schatten des Rennens von vor einem Jahr noch immer da. Denn ähnlich wie für Thomas Dreßen ist Beaver Creek auch für den 27-Jährigen ein Ort mit zwei Geschichten.

Der Abfahrer Dreßen holte dort 2017 erstmals in seiner Karriere einen Podestplatz im Weltcup, vor zwölf Monaten zerstörte ein Sturz viele Strukturen im Knie und zwang ihn zu einem Jahr Pause. Zwei Tage später raste Luitz auf der WM-Strecke zu seinem ersten Sieg - und musste danach monatelang um ihn kämpfen. «Das war schlimm für mich und ich wollte schon aufgeben», sagte er. Die Folge war eine Saison, die herausragend begonnen hatte und die er im Rückblick dennoch als «die härteste Saison überhaupt» bezeichnete. Denn unter dem Strich wurde es ein Winter zum Vergessen - was Luitz am liebsten tun würde.

Die Kurzfassung: Weil er Sauerstoff aus einer Flasche eingeatmet hatte, bekam er den ersten Platz vom Skiweltverband aberkannt. Es folgten eine juristische Auseinandersetzung, weil die FIS den Sauerstoff in ihren Anti-Doping-Regularien zwar verbot, die Welt-Anti-Doping-Agentur ihn aber explizit erlaubte. Luitz steckte zwischen allen Stühlen, war gereizt und fuhr schlecht Ski. Und schließlich, als er sich und seine Leistung stabilisiert hatte, kam eine ausgekugelte Schulter unmittelbar vor der WM hinzu. In Are verletzte er sich noch am Innenband im Knie, die Saison war vorbei.

Immerhin: Im März bekam Luitz vom Internationalen Sportgerichtshof CAS Recht und seinen Sieg zurück. Die FIS hat ihre Regeln angepasst, die entsprechenden Paragrafen stehen nun in der Wettkampfordnung unter Punkt 222.7 und sind dementsprechend auch unter keinen Umständen mehr Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln. Das nachhaltige Gefühl eines Weltcup-Siegers, das Selbstvertrauen und die innere Ruhe nach einem solchen Erfolg, das konnte ihm allerdings kein Gericht der Welt zurückgeben.

Dennoch ist Luitz gewachsen, hat die Perspektive verändert. Er scheut sich nicht, große Ziele zu formulieren. «Er ist sehr professionell. Der will da nach vorne, das ist ganz klar», sagte Cheftrainer Christian Schwaiger.

Nach dem Rücktritt von Dominator Marcel Hirscher hat sich Luitz in absehbarer Zeit den Gewinn der Kristallkugel als Saisonbester im Riesenslalom vorgenommen. «Das hat für mich auch einen Stellenwert und mehr Bedeutung als eine Medaille bei einem Großereignis. Das habe ich auf jeden Fall als Ziel und werde alles dafür tun», sagte er vor dem Saisonstart im Oktober.

Der Auftakt in Sölden geriet mit Platz 16 dann zwar nicht nach seinem Geschmack, aber nach vielen Tagen auf US-Schnee und guten Trainingseinheiten geht Luitz zuversichtlich in den Wettkampf am Sonntag. Die Materialkombination steht schon. Und ganz grundsätzlich sagte er über Beaver Creek: «Mir taugt der Hang, ich mag den Schnee sehr gerne. Ich freue mich jedes Jahr wieder hierherzukommen, weil es einfach eine Gaudi ist.» Das ganze Theater: Besser vergessen.

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