Heim-Weltcup
Biathletinnen hoffen in Oberhof auf Trendwende

Zu Zeiten von Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier gab es Podestplätze en masse. Podestjubel gab es für die deutschen Biathletinnen in dieser Saison noch nicht. Nicht nur die Fans in Oberhof sehnen die ersten Top-Platzierungen herbei.

Mittwoch, 08.01.2020, 14:14 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 14:20 Uhr
Fehlt beim Heim-Weltcup in Oberhof: Franziska Preuß. Foto: Sven Hoppe

Oberhof (dpa) - Durchgefroren in ihren nassen Sachen beendeten Denise Herrmann und ihre Kolleginnen im Schmuddelwetter von Oberhof das Training etwas früher. Auch aus Vorsicht, um vor dem ersten Biathlon-Weltcup des neuen Jahres nicht noch krank zu werden.

Der eklige Nieselregen, Nebel und Windböen brachten Denise Herrmann am Mittwoch beim Abschlusstraining schon mal einen Vorgeschmack für die vorhergesagten Regenbedingungen für den Sprint am Donnerstag (14.30 Uhr/ARD und Eurosport). Das Lachen vermieste es ihr aber nicht.

«Ich hoffe, dass ich an meine Ergebnisse aus Frankreich anknüpfen kann», sagte die als Elfte beste Deutsche im Gesamtweltcup. Tipps am Schießstand bekam Herrmann von Ex-Bundestrainer Gerald Hönig, der nach guten Liegendeinlagen immer wieder den Daumen nach oben streckte, aber auch noch zu viele Fehler beim Stehendschießen sah.

Angeführt von Herrmann hoffen die deutschen Skijägerinnen am Oberhofer Grenzadler auf die Trendwende. Denn nach dem Rücktritt von Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier haben sie erstmals nach den ersten drei Weltcups noch keinen Podestplatz zu Buche stehen. Die Trainer sind derzeit auch als Psychologen gefragt. «Die Mädels spüren den Druck von außen und haben auch an sich selbst einen anderen Anspruch», sagte Damen-Coach Florian Steirer am Mittwoch. Bei jungen Läuferinnen wie Marion Deigentesch (25) und Janina Hettich (23) sei Druck aufzubauen, «völlig fehl am Platze. Bei den anderen, wo der Anspruch höher sein muss, kann man auch mal härter rangehen.»

Zumindest bei Verfolgungsweltmeisterin Herrmann ging vor Weihnachten mit drei Top-Sechs-Plätzen die Formkurve nach oben. Doch die Sächsin, die bisher vier Weltcupsiege feierte, konnte in dieser Saison noch nicht ihre Konstanz am Schießstand stabilisieren. Vor allem bei der Schießschnelligkeit und unter Zeitdruck hat die ehemalige Langläuferin gegenüber den etablierten Biathletinnen noch Nachteile. «Momentan ist es bei ihr eine Gratwanderung», sagte Steirer.

Läuferisch und charaktermäßig sei Herrmann die Führungsperson im Team, beim Schießen tue sie sich aber derzeit noch etwas schwer, «fällt ab und zu noch in Muster: ich muss, ich will, ich zeige es allen, und dann kann der Schuss nach hinten losgehen wie bei der Staffel in Hochfilzen.» Da fuhren die Damen den historisch schlechten Platz zwölf ein. Und Herrmann schoss drei Strafrunden. «Hier in Oberhof ist der Eindruck sehr gut. Das Wichtigste ist, dass sie am Schießstand Ruhe bewahrt», sagte Steirer.

Schwer wiegt laut Steirer beim ersten der zwei Heim-Weltcups der Ausfall von Franziska Preuß. Die 25-Jährige wird trotz überstandener Nasennebenhöhlentzündung, die sie zwei Wochen außer Gefecht setzte, auch am Sonntag im Massenstart nicht starten. «Aber planmäßig nächste Woche in Ruhpolding sollte es wieder passen», sagte Steirer.

Im Sprint gehen neben Herrmann noch Deigentesch, Hettich, Maren Hammerschmidt, Rückkehrerin Franziska Hildebrand und Vanessa Hinz an den Start. «Wir wollen den Rückstand auf die internationale Spitze verringern», sagte der leitende Disziplintrainer Kristian Mehringer.

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