«Goldschmied vom Königssee»
Sepp Lenz wird 85 - «Nicht alt, aber lange auf der Welt»

Ein Leben für den Rennrodelsport. Auch heute ist «Goldschmied» Lenz noch häufig als Zuschauer dabei, wenn am Königssee gerodelt wird. Die Geburtstagsfeier findet im kleinen Kreis statt.

Samstag, 08.02.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 08.02.2020, 05:02 Uhr
Der ehemalige Rennrodler und Trainer Josef Lenz ist noch immer gut im Thema. Foto: Peter Kneffel

Berchtesgaden (dpa) - Im Rennrodelsport kennt sich Sepp Lenz auch heute noch bestens aus. Auch vor seinem 85. Geburtstag am 8. Februar ist der «Goldschmied vom Königssee» noch gut im Thema.

«Die Sportler müssen heute mehr ins Risiko gehen. Rodeln ist ein Sport mit gewissen Gefahren. Und doch gibt es heute wesentlich weniger Unfälle als früher, weil es mehr Sicherheit als früher gibt», sagte der langjährige und erfolgreiche Bundestrainer der deutschen Rennschlittenfahrer der Deutschen Presse-Agentur.

«Es ist schon gewaltig, wie sich der Sport verändert hat. Wer hätte gedacht, dass Rodeln ein Profisport wird. Früher haben wir gearbeitet und samstags und sonntags ging's auf die Bahn», erzählte der ehemalige Rodler, Trainer und Bahnexperte. Unter seiner Regie gewannen deutsche Rodler mehr als 90 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften.

Sein bekanntester Schützling, zu dem er heute noch Kontakt hat, ist Georg Hackl - also der Hackl Schorsch. «Ja, er war mein Aushängeschild als Bundestrainer. Das ist schon eine besondere Beziehung», sagte Lenz. Hackl, der heute noch als Techniktrainer für den Verband tätig ist, spricht voller Hochachtung über seinen ehemaligen Trainer. «Er war der große Übervater für mich. Er ist ein Lehrmeister», sagte Hackl.

Als Aktiver gewann Lenz 1962 selbst den Europameistertitel im Einsitzer, musste seine Karriere aber nach einer schweren Verletzung beenden. «Nach einem Trümmerbruch und kaputten Handgelenken musste ich in den Krankenstand», sagte Lenz. Heute müsse man im Rennen zwar mehr ins Risiko gehen, aber die schnellste Bahn sei nicht die schwierigste. «Ein jüngerer Sportler hätte mit einer Bahn von früher mit den schwierigen und engen Kurven größere Probleme. Der Wandel ist enorm. Früher hatten wir Schlitten mit Lenkriemen und heute braucht man auch nicht mehr bremsen», sagte Lenz.

Er selbst hatte als Bundestrainer seinen schwersten Unfall in Verbindung mit dem Sport, der ihn ein Leben lang begleitet hat. Im Winter 1993/94 verlor er bei einem Unfall auf der Kunsteisbahn in Winterberg seinen linken Unterschenkel. An den schicksalhaften Tag erinnert er sich, als sei es gestern gewesen. «Ich stand in der Bahn. Wir haben die Kurvenausfahrt ausgebaut. Und dann kam die Rodlerin ein bisschen schneller als die Lautsprecherdurchsage», sagte Lenz. «Ab und zu denkt man da noch dran. Aber das ist für mich heute kein Problem. Das ist halt ein Schicksal.»

Seinen Ehrentag wird er daheim auf dem Obersalzberg in einem Restaurant im etwas kleineren Kreis feiern. Die aktiven Athleten und Trainer stecken ohnehin mitten in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Sotschi. «Es wird eine Familienfeier, keine Großveranstaltung. Die Rodler sind ja eh beschäftigt», sagte Lenz, für den der besondere Geburtstag keine große Sache ist. «Alt bin ich ja noch nicht, aber schon lange auf der Welt».

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