Titelkämpfe in Oberstdorf
«Wut im Bauch»: Deutsche Kombinierer bei Heim-WM ohne Chance

Die deutschen Kombinierer erleben beim Wettkampf von der Großschanze die nächste Schlappe. Schon vor dem Langlaufrennen sind die Medaillenchancen dahin. Eine Podest-Möglichkeit haben die Sportler von Bundestrainer Hermann Weinbuch in Oberstdorf noch.

Donnerstag, 04.03.2021, 16:45 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 16:48 Uhr
Der österreischische Kombinierer Johannes Lamparter siegt im Einzel (Großschanze/10 km). Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Oberstdorf (dpa) - Überraschungs-Weltmeister Johannes Lamparter wurde von seinen Teamkollegen jubelnd auf Schultern getragen, Rekord-Champion Eric Frenzel schlich enttäuscht aus dem Zielbereich: Den deutschen Nordischen Kombinierern droht bei der Heim-WM ein Fiasko.

Titelverteidiger Frenzel, Fabian Rießle und ihre Teamkollegen waren im Kampf um die Medaillen in Oberstdorf beim Gold-Triumph des 19 Jahre alten Lamparters chancenlos. Seit dem ersten WM-Einzel von der Großschanze im Jahr 2001 hatten es die deutschen Sportler in dem Wettkampf bislang immer auf das Podest geschafft.

Frenzel belegte als Bester aus dem Team von Bundestrainer Hermann Weinbuch wie schon im Wettkampf von der Normalschanze den vierten Platz. «Bei Weltmeisterschaften geht's natürlich um die Medaillen. Da hätte ich sehr gerne mitgekämpft», sagte Frenzel. Sein Trikot mit der Aufschrift «World Champion 2019» erinnerte an vergangene Erfolge. Silber gewann Jarl Magnus Riiber aus Norwegen, Bronze holte der Japaner Akito Watabe. Direkt hinter Frenzel lief Rießle als Fünfter über die Ziellinie.

«Ich glaube, dass wir heute das Maximale rausgeholt haben», sagte Rießle mit Blick auf die schlechte Position nach dem Springen und Weinbuch stellte fest: «Die Mannschaft hat Kämpferherz gezeigt. Mit Platz vier und fünf sind wir noch ganz gut weggekommen.»

In einem schwachen Sprungdurchgang war Rießle am Vormittag als bester Deutscher auf Rang zehn gelandet. Sein Rückstand auf den führenden Lamparter betrug 1:55 Minuten, die Podestplätze waren 1:18 Minuten weg. Frenzel lag 2:14 Minuten hinter der Spitze. «Für die Medaillenränge ist der Zug abgefahren», stellte Weinbuch fest und sollte recht behalten.

Auf der Zehn-Kilometer-Strecke machten Rießle und Frenzel zwar früh einige Plätze gut. Die Lücke zu den drei Führenden war jedoch viel zu groß.

Für Riiber war es im dritten WM-Rennen bereits die dritte Medaille. Den Vierfach-Triumph von Johannes Rydzek vor vier Jahren in Finnland kann der Saison-Überflieger aber nach nun zweimal Gold und einmal Silber nicht mehr schaffen. Die beiden Lokalmatadoren Vinzenz Geiger und Rydzek enttäuschten mit den Plätzen 15 und 17, Manuel Faißt belegte den 19. Rang.

Die Leistung auf der Schanze bleibt bei den Deutschen das große Problem. Auf der Langlaufstrecke kann das Weinbuch-Team immer wieder auftrumpfen, oft ist der Abstand nach ganz vorne dann aber schon zu groß.

Bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften hatte es für die Kombinierer immer mindestens zwei Goldmedaillen gegeben, vor vier Jahren in Lahti sogar gleich vier. Solche Bilanzen sind nun ausgerechnet im Allgäu weit weg. Im Team hatten Terence Weber, Rießle, Frenzel und Geiger zwar den beachtlichen zweiten Platz belegt, gegen Norwegen waren die erfolgsverwöhnten deutschen Kombinierer aber chancenlos gewesen.

Eine weitere Medaillenchance haben die deutschen Kombinierer noch im Teamsprint, wo sie Titelverteidiger sind. In Seefeld hatten Frenzel und Rießle 2019 Gold geholt und auch diesmal will Frenzel wieder angreifen. «Die Wut im Bauch ist auf jeden Fall da», sagte er. Weinbuch erklärte nach dem Rennen, dass er Frenzel und Rießle erneut nominieren werde.

© dpa-infocom, dpa:210304-99-685587/5

Nachrichten-Ticker