Graffiti-Künstler
Loomit: Mit Street-Art erreicht man die Jugend

Der Graffiti-Künstler Loomit gehörte einst zu den Vorkämpfern für die Street-Art in Deutschland, stand für seine Kunst vor Gericht - und verdient inzwischen gutes Geld damit. Im dpa-Interview erinnert er sich an die Anfänge und nennt seine Kunst eine wichtige Bastion.

Mittwoch, 12.04.2017, 13:36 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 12.04.2017, 13:34 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 12.04.2017, 13:36 Uhr
Streetart-Künstler Loomit hat München als einen magischen Spielplatz empfunden. Foto: Astrid Köhler

München (dpa) - Loomit ist einer der bekanntesten deutschen Street-Art-Künstler und arbeitet in einer Stadt, von der wahrscheinlich die wenigsten wissen, dass die Kunstform dort ihren deutschen Ursprung hat.

Frage: München gilt als Wiege der Streetart. Warum?

Antwort: Das alles begann schon sehr früh. 1984 gab es dann die erste Ausstellung in der Thomas Galerie. Die Szene entwickelte sich schnell und München als kunstaffine Stadt legte ihren Schwerpunkt von Anfang an auf ästhetische Schönheit. Es zählte vor allem Qualität statt Quantität: schöne Bilder mit Hintergründen und nicht nur irgendwelche Schriftzüge. 1985 gab es dann in der Dachauer Straße das erste legale Freigelände für Graffiti.

Frage: Das passt doch gar nicht zum Münchner Image - oder sehen Sie das anders?

Antwort: Nein, Graffiti passt gar nicht zum Image. Aber dank dem damaligen Bürgermeister, der dem Ganzen wohlgesonnen war, konnte sich die Szene weiter ausbreiten. Ich habe sogar sein Badezimmer gestaltet. Nachdem es den Dachauer Flohmarkt nicht mehr gab, kamen neue Plätze am Heimeranplatz und der Tumblingerstraße dazu. Auch arbeiten wir Hand in Hand mit dem Tiefbauamt und das Kulturreferat bietet sogar finanzielle Unterstützung und Förderungen an.

Frage: Wie haben Sie die Zeit in den 80ern erlebt?

Antwort: Ich bin 1983 aus der Kleinstadt nach München gekommen. Damals hatte ich mit sieben Bildern meine ganze Heimatstadt vollgemalt und München war dann eher eine Art magischer Spielplatz, auf dem man sich in der Nacht austoben konnte.

Frage: Als Sie 1984 erstmals wegen Ihrer Kunst vor Gericht standen - hätten Sie sich da ausmalen können, dass Sie einmal davon leben können und Streetart insgesamt diesen Stellenwert bekommt?

Antwort: Naja, als 16-Jähriger macht man sich grundsätzlich eigentlich keine Gedanken über die Zukunft. Ich habe damals nicht nachgedacht und mich auch von dem Verfahren nicht abhalten lassen weiterzumachen. Die Leidenschaft war größer als die paar Sozialstunden, außerdem hatte ich da auch schon meine ersten bezahlten Jobs. Auf dem Dachauer Flohmarkt waren immer zirka 5000 bis 6000 Besucher und so kamen auch schnell die ersten Aufträge rein.

Frage: Streetart ist nicht nur in Bezug auf Banksys Werk inzwischen ein Konsum- und Statusobjekt. Ist das gut?

Antwort: Verdient, würde ich sagen. Ich lebe ja schließlich auch davon. Außerdem ist Streetart so ziemlich die letzte Bastion der Malerei, mit der man die Jugend erreichen kann. Die sind eben eher von so etwas begeistert als von Museen oder Galerien. Etwas im öffentlichen Raum zu gestalten, birgt Faszination und auch ein gewisses Maß an Wagnis. Das sind alles verschiedene Seiten eines Mediums, durch das man sich ausdrücken kann.

Frage: Wo geht die Reise noch hin und bis wohin reisen Sie mit und wo steigen Sie aus?

Antwort: Da würde ich als ersten Punkt körperliche Gebrechen nennen. Alles in allem werde ich aber weitermachen, solange noch öffentlicher Raum vorhanden ist. Ich will mich nicht abschotten und wie der «typische Künstler» im abgeschlossenen Raum, im Atelier arbeiten. Ich will draußen sein, brauche Anwohner, Straßenverkehr und -lärm, und das Wetter spielt natürlich auch mit rein. Aber solange das gegeben ist, nehme ich die Herausforderung gerne an.

Frage: Erleben Sie München als eine Stadt, die Kreativität und Subkultur fördert?

Antwort: Kurz und knapp: Ja, auf jeden Fall. Natürlich gibt es immer Leute, die sich beschweren. Das sind aber die, die ihren Arsch nicht hochbekommen und es sich leicht machen wollen. München ist eine sehr aufgeschlossene Stadt und wenn man sich einen Platz, eine Nische suchen will, dann findet man den hier auch.

ZUR PERSON: Loomit heißt eigentlich Mathias Köhler und stammt aus Kaufbeuren im Allgäu. Er gehört zu den bekanntesten Sprayern in Deutschland. Auf seiner Homepage schreibt er: «Graffiti kam im Alter von 14 Jahren in mein Leben. Zuerst bedeutete es Spaß, später dann eine Besessenheit von Malerei.»

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4764780?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947955%2F947961%2F
Stadt will bald Pläne für neue Gesamtschule vorlegen
Die jetzige, nur spärlich frequentierte Sekundarschule im ehemaligen Schulzentrum Roxel, wäre aus Sicht der münsterischen Schulpolitik ein idealer Standort für eine Gesamtschule. Die Gemeinde Havixbeck sieht das anders.
Nachrichten-Ticker