«Goldener Spatz»
Festival kürt «Amelie rennt» zum besten Kinderfilm

Die Kinderjury hat entschieden: Der Film «Amelie rennt» über ein asthmakrankes Mädchen gewinnt den «Goldenen Spatz». Beim 25. Kinder-Medien-Festival in Gera und Erfurt wird gelacht, es gibt aber auch viel Nachdenkliches. Kriegseindrücke zeigen Grenzen auf.

Samstag, 17.06.2017, 12:12 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 17.06.2017, 12:09 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 17.06.2017, 12:12 Uhr
Foto: Martin Schutt

Erfurt (dpa) - Die Entscheidung war äußerst knapp, aber schließlich stand fest: «Amelie rennt» ist nach Ansicht der Kinderjury des Festivals «Goldener Spatz» der beste deutschsprachige Spielfilm für Kinder.

Der Streifen über ein dickköpfiges asthmakrankes Mädchen aus Berlin, das mit einem Südtiroler Bauernjungen einen Berg erklimmt, setzte sich knapp gegen die Buchverfilmung «Timm Thaler oder das verkaufte Lachen» durch, wie die Mädchen und Jungen der Kinderjury am Freitag in Erfurt mitteilten.

Die jungen Filmkritiker lobten, sie hätten sich trotz des schwierigen Themas gut in den Film hineinversetzen können und es werde eine große Vielseitigkeit an Kulissen geboten. «Der Film zeigt, dass man nie aufgeben sollte», erklärte der zwölfjährige Gavan. Mit ihm saßen 25 weitere Kinder von 9 bis 13 Jahren aus Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Liechtenstein, der Schweiz und Luxemburg in der Jury des Kinder-Medien-Festivals in Gera und Erfurt.

Mit der Auszeichnung für «Amelie rennt» ist ein mit 1500 Euro dotierter Sonderpreis für Regisseur Tobias Wiemann verbunden. Auch der MDR-Rundfunkrat sprach der Autorin des Films, Natja Brunckhorst, seinen mit 4000 Euro dotierten Preis für das beste Drehbuch zu. Die Auszeichnungen wurden am Freitagnachmittag bei einer Gala im Erfurter Theater übergeben.

Im Wettbewerb um die Trophäen standen 36 Beiträge in fünf Kategorien. Weitere Preise gingen unter anderem an die Dokumentation «Einfach tierisch: Folge 2» und die Show «Checkpoint - Der große CO2-Battle!». Für «Timm Thaler oder das verkaufte Lachen» erhielt der junge Hauptdarsteller Arved Friese (Jahrgang 2002) einen Preis. Die Jury lobte seine Glaubwürdigkeit: «Vor allem, dass er das Lachen so gut verstecken konnte», begründeten die Kinder die Entscheidung.

Doch den Kindern blieb das Lachen während des Festivals manchmal im Halse stecken, denn es ging auch um schwere Themen wie Krankheit und Krieg. Über den Film «Lenas Reise», der das Schicksal einer todkranken 13-Jährigen nachzeichnet, habe er noch die ganze Nacht lang nachgedacht, erzählte Jurymitglied Gavan.

Doch weder dieser Streifen noch der Film «Kinder des Lichts», der in Workshops mit Flüchtlingskindern an der türkisch-syrischen Grenze entstand, konnte sich bei den Kindern durchsetzen. Die Geschichte von zwei Geschwistern in den Kriegswirren eines syrischen Dorfes belastete viele Juroren.

«Manche fanden das zu brutal und sind rausgegangen, schon vor der Hälfte», berichtete die neunjährige Paola. Zugleich fanden es die Kinder wichtig, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Ein Mädchen aus Syrien habe nach der Vorstellung gesagt, alles in dem Film sei genauso wie es ist, erzählte Festivalchefin Nicola Jones.

Das Festivalprogramm mit mehr als 80 Veranstaltungen lockte nach Angaben der Deutschen Kindermedienstiftung insgesamt rund 17 000 Besucher in Gera und Erfurt an. Es war die 25. Ausgabe des mittlerweile jährlichen Filmfests, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann: Schon 1979 in der DDR gab es in Gera die ersten Vorführungen.

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