Facettenreich: Das 27. Tanzfestival im ausverkauften Großen Haus des Theaters
Mit Poesie, Gefühl und Feuer

Münster -

Vom klassischen Pas de deux bis zum Hip Hop: Beim Tanzfestival in Münster konnten die Zuschauer die ganze Vielfalt der hiesigen Tanzszene genießen.

Sonntag, 22.12.2019, 19:20 Uhr
Die Formation „Schrittwechsel“ thematisierte zu Beginn das Folgen und Verfolgen. Foto: Axel Engels

So etwas wie das Tanzfestival im Großen Haus des Theaters gibt es wohl nur in der Domstadt. Günther Rebel hatte am Samstagabend die Moderation für den erkrankten Matthias Bongard übernommen, er hat die Tanzlandschaft in Münster über Jahrzehnte mitgeprägt. Charmant führte er mit kleinen Anekdoten das Publikum in die Choreographien ein. Die nunmehr 27. Auflage des Tanzfestivals übertraf noch die Erwartungen vieler tanzbegeisterter Besucher, zeigte auf höchstem tänzerischen Niveau das breite Angebot der münsterschen Szene. Ballettschulen und freie Gruppen gestalteten einen Abend, der als stilistisches Crossover in die faszinierende Welt des Tanzes entführte.

Den Anfang machte schon traditionell die Formation „Schrittwechsel“, die sich mit ausdrucksstarker Art dem Thema Folgen und Verfolgen widmete. Abwechslung und Vielfalt brachte die T.S.S. Crew auf die Bühne, hatten die jungen Tänzerinnen doch kulturell unterschiedliche Tanzelemente zu einem ganz eigenen Stil entwickelt. Mit Es­prit und Leidenschaft ging es mit dem Ensemble Tenbrock weiter, das sich mit eindrucksvoller Choreographie der Einsamkeit in all ihren Facetten widmete.

Thematisch überaus interessant präsentierte sich das Festival vor ausverkauftem Haus, bot dem begeisterten Publikum ein von Poesie und Gefühlstiefe durchdrungenes Erlebnis. Das Tanztheater Orosz war mit gleich zwei Choreographien dabei, „Collagen“ von Sabrina Heinze und „Feuer“ von Lajos Orosz zeigten die Individualität und Breite dieser ältesten freien Tanzgruppe. Mit Klischees und Vorurteilen räumte „Xtravaganz“ in der Choreographie von Tatjana Jentsch auf, gab im Contemporary-Fusion-Stil eine Antwort auf die durch Rollenverständnis und gesellschaftliche Zwänge bedingten Selbstzweifel. Spanisches Temperament versprühte die Geschichte von zwei Tänzerinnen, die Ania Stolte und Anna Brüning von „Flamenco Bianca Nieves“ zur Musik von Dave Brubeck auf die Bühne brachten.

Seit den Anfängen im Jahre 1989 wurde das Tanzfestival immer wieder stilistisch erweitert, das macht seinen besonderen Reiz und die Lebendigkeit aus. Als Ausschnitt aus der im März 2020 zu erlebenden Choreographie „Doppelstrich“ von Julio Acevedo erlebte man zur Musik von Benjamin Britten vom Ensemble der „Balletto Dance Company“ eine eindrucksvolle Verbindung verschiedener Ausdrucksformen. Gesellschaftskritisch ging es bei den drei Tänzerinnen des Tanzprojekts Heidi Sievert zu. Hierarchien, fest eingefahrene Strukturen und das Ausbrechen aus diesen wurden mit großer Tiefe umgesetzt. Spritzig und energiegeladen riss die „Hip Hop Academy“ das Publikum mit, zeigte in großer Formation eine um Lady Style mit High Heels bereicherte Art des Hip Hop.

Für ein sinnliches Erlebnis der besonderen Art sorgten am Ende Marcello Acevedo und Romy Krenkler mit ihre Tänzen aus dem bekannten „Nussknacker“. Vor dem Bild des Prinzipalmarktes genoss man die Grazie und Eleganz dieses „Pas de deux“ , der als zauberhafte Finale bestens zur Einstimmung auf die Festtage passte.

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