Das Neujahrskonzert in Münster stand unter dem Motto „Go West“
Wer Sousa hat, braucht keinen Strauß

Münster -

Walzer, Polka, Radetzkymarsch? So muss ein Neujahrskonzert nicht klingen. In Münster bot das Sinfonieorchester mit Götz Alsmanns Band eine Alternative unter dem Motto „Go West“.

Donnerstag, 02.01.2020, 16:38 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 10:44 Uhr
Die glorreichen Zwei: Generalmusikdirektor Golo Berg (l.) und Entertainer Götz Alsmann holten musikalisch Western-Atmosphäre nach Münster. Foto: Gunnar A. Pier

Auch die Amerikaner hatten einmal ihren Marschkönig. Der hieß John Philip Sousa und schuf eine nach ihm benannte Tuba, die sich um den Körper schlängelt und in einen riesigen Trichter über dem Kopf mündet. Marschkönig Sousa komponierte einst auch den Marsch „Stars and Stripes Forever“, der es in Deutschland bis in eine bekannte Putzmittel-Werbung schaffte. Dieses knallige Opus kann es inklusive Mitklatscheffekt mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauß (Vater), der stets beim Wiener Neujahrskonzert den Schlusspunkt setzt, gut aufnehmen. Das Sinfonieorchester Münster unter der Leitung von Generalmusikdirektor Golo Berg präsentierte den Marsch also passend zum Finale eines prächtig musizierten und stimmungsvollen Neujahrskonzerts, das seinem Motto „Go West“, also der Blickrichtung US-Amerika, in jeder Hinsicht gerecht wurde und am Neujahrstag zwei ausverkaufte Ausgaben erlebte.

Entertainer Götz Alsmann und seine Band sowie Golo Berg und das Sinfonieorchester hatten so einige feine Fundstücke aus der vergleichsweise jungen amerikanischen Musikgeschichte ausgegraben. Als der Bandleader eingangs in Jugenderinnerungen kramte und von einer Kultserie plauderte, da war der Weg zum „Bonanza“-Thema nicht weit. Alsmann intonierte es gekonnt auf der E-Gitarre, und da sah man bereits vor dem geistigen Auge die Landkarte in Nevada brennen und die Carthwright-Sippe über die Prärie reiten. Genretypische Western-Musiken waren vor allem eine Spezialität des Filmkomponisten Elmer Bernstein, und als dessen Titelmusik für „The Magnificent Seven“ nach der Pause durchs Große Haus dröhnte, da sah man nicht nur die glorreichen Sieben vor sich, sondern dachte vielleicht an jene Zeiten zurück, als man in der Werbung das Qualmen von Nikotinstäbchen noch als eine Form von Lagerfeuerromantik ansah. Tempi passati.

Unterhaltungskünstler Götz Alsmann lieferte mit seiner gut aufgelegten Band nicht nur passende Songs und Melodien zwischen Country und Western, sondern servierte dem Publikum zum Auftakt des neuen Jahrzehnts auch eine kleine Instrumentenkunde, indem er neben der E-Gitarre auch das Banjo und die Hawaii-Gitarre auspackte. Die jaulte zu Charles E. Kings „Son of the Islands“ ganz wunderbar und löste vielleicht bei dem einen oder anderen Gast im Großen Haus Fernweh aus. Die Neugier – auch auf ferne Reiseziele – hatte Generalintendant Dr. Ulrich Peters übrigens schon zur Begrüßung als guten Vorsatz für das neue Jahr empfohlen.

Wer den Donauwalzer vermisste, der war mit Michael Jarys „Leise rauscht es am Missouri“ in der Alsmann-Band-Version und im langsamen Walzertakt bestens bedient. Und bei Richard Haymans „Pops Hoedown“ ließ das Sinfonieorchester harte Männer aus dem Westen ausgelassen tanzen. Da braucht es wirklich keine Polka mehr.

Drei Zugaben, darunter Cole Porters „Night And Day“, belohnten das Neujahrspublikum für den ausgiebig gespendeten Applaus.

Dritter Termin für das Neujahrskonzert am heutigen Freitag, 19.30 Uhr, Großes Haus. Infos über Restkarten im Internet und an der Theaterkasse (0251 / 59 09 100)

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