Trauer um die Sopranistin Mirella Freni
Auch Karajan liebte ihren Gesang

Modena / Münster -

Wenn sie in Opern von Verdi und Puccini sang, schmolzen die Zuhörer nur so dahin. Zu den großen Bewunderern der Sopranistin Mirella Freni, die 84-jährig gestorben ist, gehörte der Dirigent Herbert von Karajan.

Montag, 10.02.2020, 17:26 Uhr
Mirella Freni Foto: imago/Leemage

Wer Verdi und Puccini liebt, der kennt auch ihren Namen: Mirella Freni war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der großartigsten italienischen Sopranistinnen, sie sang an den berühmtesten Opernhäusern und bei den teuersten Festivals. Wer hingegen vor allem die Schlagzeilen über Klassik-Topstars im Blick hat, wird bei ihr vergebens nach Klatschgeschichten à la Callas oder Netrebko suchen: Mit High-Society-Trubel hatte sie ebenso wenig zu schaffen wie mit einem Liebesleben für den Boulevard. Obwohl ja so populäre Künstlerlegenden ihren Weg säumten wie Luciano Pavarotti und Herbert von Karajan.

Pavarotti war gewissermaßen ihr Sandkastenfreund, beide wurden 1935 im norditalienischen Modena geboren. Und wie der „König des hohen C“ sorgte sie nach „Umwegen“ über bedeutende europäische Häuser an der Kultstätte des Belcanto, der Mailänder Scala, für Begeisterung. Die New Yorker „Met“ und die Salzburger Festspiele markieren Gipfelpunkte in den Karrieren beider Künstler.

Wer Salzburg sagt, muss auch Karajan sagen: Der phasenweise als „Generalmusikdirektor Europas“ bezeichnete Dirigent liebte jugendlich-feine Stimmen, und wenn vor allem Sängerinnen auch noch eine attraktive Bühnenpräsenz besaßen, war es ihm umso lieber. Kein Wunder also, dass die blonde Italienerin mit dem wunderbar homogenen, auch im Forte-Strahl noch sanft schimmernden Sopran zu seiner Favoritin für das italienische Fach wurde. Verzierte Partien zwischen Mozart und Verdis „Traviata“ beherrschte sie zwar auch, doch ihre eigentliche Domäne war die lyrische Emphase etwa von Puccinis Mimì: Mit dieser Partie wurde sie geradezu identifiziert, und es kann nicht verwundern, dass eine ihrer Aufnahmen von „La Bo­hème“ zum Kultstück der Opernfreaks wurde: Es ist – natürlich – die Aufnahme Herbert von Karajans mit Luciano Pavarotti als Rodolfo. Die Basspartie des Colline übrigens singt der Bulgare Nicolai Ghiaurov, Frenis ebenfalls berühmter Ehemann. Selbst Frenis Schwächen, dass sie nämlich im Gegensatz zur Tragödin Callas alle Rollen gleich wohlklingend gestaltete, werden hier zum Vorzug: Wer Freni hört, muss Mimì lieben.

Dass Karajan seine Lieblingsstimmen auch gern in zu schweren Rollen einsetzte und die Sänger nicht gerade schonte, hat ihr staunenswerterweise nicht geschadet: Bis zum Karriereende mit 70 Jahren hat Mirella Freni sich die Sicherheit ihres Gesangs und die Schönheit ihrer Stimme bewahren können. Am Sonntag ist sie im Alter von 84 Jahren gestorben.

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