«Bin kein Corona-Leugner»
Der Wendler will zurück nach Deutschland

«Ich muss das ein bisschen revidieren.» Nach seinem folgenreichen Video zu Corona meldet sich Schlagersänger Michael Wendler nun mit einer Art Verteidigungsrede zurück. Er entschuldigt sich bei seinem früheren Haussender RTL. Dort reagiert man allerdings eher kühl.

Dienstag, 03.11.2020, 18:27 Uhr
Michael Wendler in einer Werbepause der RTL-Tanzshow "Let's Dance" im Februar 2020. Foto: Rolf Vennenbernd

Berlin (dpa) - Rund drei Wochen nach seinem Video mit bizarren Äußerungen zur Corona-Krise hat der Schlagersänger Michael Wendler eine Rückkehr nach Deutschland angekündigt.

In einer langen Erklärung, die auf seinem Instagram-Kanal veröffentlicht wurde, bestritt der 48-Jährige vehement, ein Verschwörungstheoretiker oder Corona-Leugner zu sein. Das alles treffe überhaupt nicht zu. Auch sei er nicht auf der Flucht, erklärte Wendler. «Ich komme natürlich zurück nach Deutschland.» Vielleicht sei das schon in diesem Jahr der Fall oder Anfang 2021. «So Gott will, wird es dann auch wieder Konzerte geben.»

Der Sänger von Tanz-Schlagern («Egal»), der in Florida lebt und sich «Der Wendler» nennt, hatte Anfang Oktober an gleicher Stelle verkündet, sich von seinem Jury-Job in der RTL-Show «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) zurückzuziehen. Für einen Knall sorgte die Begründung: Er werfe der Bundesregierung in der Corona-Krise «grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung und das Grundgesetz» vor. Darüber hinaus beschuldigte Wendler die Fernsehsender - darunter RTL - «gleichgeschaltet» zu sein. Sein bisheriger Haussender und andere Partner gingen umgehend auf Distanz zu dem Schlagerbarden. Wendlers Karriere liegt seitdem nach allgemeinem Dafürhalten in Trümmern.

Nun rudert Wendler, im Video in ein feuerrotes Hemd gekleidet, zurück. «Ich bin überhaupt gar kein Verschwörungstheoretiker oder Corona-Leugner», bekräftigte er. Es gebe das Coronavirus, das werde er mit Sicherheit nicht leugnen und habe es auch nicht getan. Dass ihn das Thema nicht loslässt, wird in den Aufnahmen allerdings auch deutlich. Die Bezeichnungen, die er für sich selbst wählt, lauten «Corona-Realist» und «Pandemie-Maßnahmen-Skeptiker». Auch zeigt er sich begeistert von US-Präsident Donald Trump, «der in vielen seinen Reden angekündigt hat, die Pandemie nach seinem Wahlsieg für beendet zu erklären».

Einen großen Teil widmete der Sänger seinen Beschuldigungen an das Fernsehen und im Speziellen RTL. «Ich habe mich geäußert zu den Medien und habe Gleichschaltung vorgeworfen», erklärte er. Das müsse er «ein bisschen revidieren». Bei RTL entschuldige er sich. «Denn ich habe da wahrscheinlich RTL ziemlich Unrecht getan.» Der Sender habe sich um ein Interview mit ihm bemüht, «um klarzustellen, warum ich so denke, wie ich denke». Das Gespräch habe er selbst abgelehnt - das sei eigentlich ein großer Fehler gewesen.

RTL selbst reagierte recht kühl auf Wendlers Annäherungsversuche. «Wer in der Öffentlichkeit steht und sie für seine Botschaften aktiv nutzt, sollte doppelt gut nachdenken, bevor er sich äußert», sagte ein Sprecher. «Wir haben das aktuelle Statement von Michael Wendler wahrgenommen, ohne dessen Gehalt beurteilen zu können oder zu wollen.»

Ob sich die Karriere des zum Schlagerstar aufgestiegenen Speditionskaufmanns aus dem rheinischen Dinslaken retten lässt, ist damit offen. Sein Manager Markus Krampe sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur, Wendler müsse jetzt erst einmal seine Telegram-Gruppe löschen, denn auf dieser Plattform würden bekanntlich ziemlich schräge Ansichten verbreitet. «Da ist er am Zug», sagte Krampe. Wenn das geschehe, halte er ein Comeback nicht für völlig ausgeschlossen. «Ich bin ja Berufsoptimist.» Ein Künstler müsse in erster Linie mit seiner Kunst überzeugen. Politische Äußerungen seien für einen Künstler immer schwierig, sagte Krampe.

In einer Sondersendung mit Moderator Oliver Pocher hatte Krampe vor drei Wochen gesagt, für ihn habe sich Wendler am Telefon angehört wie jemand, «der zum letzten Mal jemand anruft und sagt: Pass' auf, ich beende jetzt meine Karriere, ich komme nie wieder nach Deutschland». Zumindest das scheint nicht der Fall zu sein, was Wendlers Schlager-Fans, die er sich mit Liedern wie «Sie liebt den DJ» ersungen hat, aufmuntern dürfte.

Wendlers Sex-Appeal fußte in den vergangenen Jahren allerdings weniger auf seiner Musik als auf seinen Auftritten in Shows und seiner klatschpressewirksamen Beziehung zu der fast 30 Jahre jüngeren Laura Müller (20) aus Tangermünde an der Elbe, die der 48-Jährige standesamtlich heiratete. Laura verteidigt er in seinem neuen Video: Es sei nicht korrekt, wenn sie wegen seiner - also Wendlers - Aussagen ihre Geschäftspartner als Influencer verliere. «Sie ist eine junge Frau, die völlig unpolitisch ist.»

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