Trends im Advent 2020
Glühwein to go und AHACL statt Ho Ho Ho

Mitten im Dezember des Corona-Jahres ist es Zeit für eine kleine Bilanz, was 2020-typische Adventsphänomene sind. Weihnachtstrends von A bis Z - etwa der Glühweinpulk und das Paketbotentrinkgeld.

Dienstag, 08.12.2020, 08:28 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 08:30 Uhr
Mit Glühwein durch den Advent - aber nur zum Mitnehmen. Foto: Moritz Frankenberg

Berlin (dpa) - Teil-Lockdown und abgesagte Weihnachtsmärkte: Das Corona-Jahr ist anders, hat aber dennoch seine Adventstrends. Und auch neue Lieder, etwa den Ohrwurm «Mehr Lametta» mit der Kabarettistin Martina Brandl. Ein kleines Weihnachtslexikon 2020 von A bis Z.

A wie AHACL: Statt des Weihnachtsmann-Ausrufs Ho Ho Ho dominieren diesmal A wie Abstand, H wie Hygiene, A wie Alltagsmaske, C wie Corona-Warn-App und L wie Lüften - AHACL.

B wie Betriebsweihnachtsfeier: Sie fällt dieses Jahr zumindest in der alten Form aus - Ersatz sind Online-Feiern, die am besten in relativ kleiner Gruppe funktionieren und einen Moderator brauchen.

C wie Christkind: Das Nürnberger Christkind grüßt täglich aus dem Internet in einem digitalen Adventskalender, zweimal die Woche ist es telefonisch erreichbar. Benigna Munsi (18) spielt es in diesem Jahr.

D wie Dinkelmehl: Das Basismehl Type 405 ist nach wie vor das am häufigsten verwendete Mehl zum Backen von Kuchen, Plätzchen, Stollen. Doch Weizenmehl Type 550 und Dinkelmehl Type 630 haben im Corona-Jahr aufgeholt, wie es aus der Branche heißt.

E wie Ente oder Gans to go: Den Festtagsbraten oder aber zumindest einmal im Advent den Sonntagsbraten zu bestellen und zum Aufwärmen liefern zu lassen, ist inzwischen ein stattlicher Markt geworden.

F wie Fotokalender: Individuell gestaltete Adventskalender oder aber schon Kalender fürs neue Jahr mit Fotos der Liebsten, der Freunde oder Verwandten erzeugen Nähe in Zeiten des Abstandhaltens.

G wie Glühweinpulk: Menschenansammlungen sollen wegen Corona auf jeden Fall vermieden werden, dennoch bilden sich in manchen Städten sogenannte Glühwein-Pulks; und manche Straße gilt als Glühweinstrich, weil dort reihenweise Bars und Gastronomen «Glühwein to go» anbieten.

H wie Hyggelig: Kerzenschein, warmer Kakao, Lebkuchen, Kuscheldecke, ein Adventskranz, Duftkerzen, die smarte Weihnachtsbeleuchtung per App vom Sofa steuern, nachhaltige Deko überall - 2020 soll es besonders gemütlich sein, hyggelig eben, wie man in Dänemark sagt.

I wie Ingwershots: Selbstgemacht oder vom Supermarkt - das Immunsystem zu stärken ist in. Gut geht das mit gepresstem Ingwer und Kurkuma. Wem das zu scharf ist, verdünnt mit Apfel- oder Orangensaft.

J wie Jahreswechsel: Viele wollen, dass das schwierige Jahr 2020 einfach nur schnell zu Ende geht. Auch Silvesterpläne bleiben klein.

K wie Kekse: Sie sind natürlich Geschmackssache und für viele zählen nur Klassiker. Angesagt scheint 2020 aber alles mit Salzkaramell.

L wie Luke Mockridge: Die Netflix-Miniserie «ÜberWeihnachten» mit Luke Mockridge ist ein Hit. Vor allem Oma Hilde (Carmen-Maja Antoni) erntet Lacher: «Das wärmste Jäckchen ist immer noch das Cognäckchen.»

M wie Mariah Carey: Sie ist global der Weihnachtspopstar Nummer eins. Ihr Song «All I Want for Christmas Is You» ist alle Jahre wieder ein Hit. Neu in diesem Jahr: «Mariah Careys magische Weihnachtsshow» beim Streamingdienst Apple TV+.

N wie NakedCake: Um nicht noch mehr Corona-Kilos zu bekommen, sind sogenannte nackte Torten oder Kuchen angesagt - also ohne Ganache, Fondanthülle oder andere Cremes von außen. Die Creme wird lediglich zwischen die Böden gefüllt und dann verstrichen.

O wie Ohrwurm: Künstler wie Martina Brandl und Martin Rosengarten haben ein Corona-Lied zum Fest produziert: «Wir alle brauchen dieses Jahr 'n kleines bisschen mehr: Lametta!» Lametta steht seit Loriot und den Hoppenstedts für den früheren Glanz des Weihnachtsfestes. «Sind Verwandte via Webcam nicht dein Geschmack: Mehr Lametta!» Oder: «Hat dein Hund wieder mitten auf den Weg gekackt: Mehr Lametta! Und dein Nachbar gegenüber ist bis auf die Maske nackt: Mehr Lametta!...»

P wie Paketbotentrinkgeld: Benimmregel in Onlinehandel-Boomzeiten ist es, dem Paketboten im Treppenhaus oder Vorgarten entgegenzugehen oder wenigstens ein Trinkgeld für ihre Dienste zu geben.

Q wie Quatschmacher: Über den oft heiligen Ernst des Weihnachtsfestes lassen sich hervorragend Gags machen. Beliebt sind etwa die Cartoons von Ralph Ruthe mit Weihnachtsmann und Rentier Rudolph.

R wie Räuchermännchen: Die Feinstaub-Debatte lässt die erzgebirgische Tradition (Raachermannel/Räuschormännl) ein bisschen out erscheinen. Voll auf der Höhe der Zeit ist allerdings ein Familienbetrieb aus dem erzgebirgischen Seiffen. Dort haben Holzkünstler den Virologen Christian Drosten als Räuchermännchen nachempfunden samt weißem Kittel und Mund-Nasen-Schutz. Anders als die traditionellen Vorbilder raucht die Virologen-Figur nicht aus dem Mund - ihr qualmtder Kopf.

S wie Streaming: Nie war es so leicht, jeden Tag einen Weihnachtsfilm zu gucken. Die Auswahl ist schier unerschöpflich bei den Streamingdiensten und in den Mediatheken.

T wie Tannenbaum: Viele machen es sich 2020 früher als sonst gemütlich und holen den Weihnachtsbaum vor Heiligabend in die Stube.

U wie Ugly Christmas Sweater: Wilde, übertriebene, hässliche Weihnachtspullover sind ein Trend. Vor allem Männer machen sich gerne zum Elch damit und wollen Distanz zum Kitsch des Festes zeigen.

V wie Veganes Backen: Ausschließlich pflanzliche Lebensmittel einzusetzen, liegt im Trend. Mittlerweile gibt es sogar Sahnesteif oder Tortenguss in Vegan. Es gibt auch verschiedene Sorten Ei-Ersatz, zum Beispiel auf Basis von Süßlupinenmehl.

W wie Würstchen: Egal, ob aus Fleisch oder auf Basis von Seitan, Tofu oder Erbsen: Würstchen bleiben ein Heiligabendklassiker, mit Kartoffelsalat natürlich.

X wie X-mas: Die englische Abkürzung für Christmas (Weihnachten) ist bei vielen Menschen im deutschsprachigen Raum inzwischen sehr üblich - ebenso wie «Merry Christmas» statt «Fröhliche Weihnachten» zu sagen.

Y wie Yougov-Umfrage: Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hat aktuell ergeben, dass 53 Prozent der Erwachsenen in Deutschland den Besuch von Weihnachtsmärkten vermissen. 44 Prozent vermissen ihn nicht, 4 Prozent machten keine Angabe. Frauen vermissen ihn häufiger als Männer (56 Prozent versus 48 Prozent).

Z wie Zimtstangen: Zimt gehört zu den beliebtesten winterlichen Gewürzen - statt mit einem Löffel den Kaffee mit einer Zimtstange umzurühren, macht die Koffeinpause gleich weihnachtlicher.

© dpa-infocom, dpa:201208-99-610542/2

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