Spielzeit 2021/22
Theater Münster will in allen Sparten ausgefallene Produktionen nachholen

Münster -

Tanztheater, Junges Theater und Sinfonieorchester Münster bereiten sich ebenso wie Oper und Schauspiel auf eine üppige nächste Spielzeit vor.

Mittwoch, 24.02.2021, 17:28 Uhr aktualisiert: 24.02.2021, 17:30 Uhr
Monika Kosik leitet das Junge Theater Münster. Hans Henning Paar (unten) ist noch bis zum Ende der Spielzeit 2021/22 für das Tanztheater verantwortlich, Generalmusikdirektor Golo Berg hat seinen Vertrag verlängert. Foto: R. Wölk/J. Christ

Es gibt ja nicht nur Theater für Kinder und Theater für Erwachsene: Es gibt auch, im Idealfall, Theater für Kinder und Erwachsene zugleich. Hans Henning Paar strebt dieses Ideal jedenfalls mit dem „Kleinen Prinz“ an – einer Tanztheaterproduktion, die eigentlich im März herauskommen sollte und nun in die nächste Saison verschoben wird. Premiere des Tanzstücks über den berühmten Roman von Antoine de Saint-Exupéry ist am 15. Oktober. Paar verbindet das für ihn „schönste Stück über Freundschaft“ unter anderem mit Musik des kauzigen Erik Satie.

Hans Henning Paar wird sich, wie Intendant Ulrich Peters, mit dem Ende der Spielzeit 2021/22 aus Münster verabschieden und blickt dann auf „zehn fantastische Jahre“ zurück – möglichst mit einer großen Tanzgala am 11. Juni 2022. Er hofft, dass die Politik am Bestand und an der Ausstattung des Tanztheaters festhält. Womöglich trägt ja auch noch sein Tanzabend „Passion“ dazu bei: Sein „Herzensprojekt zu Bachs Johannespassion“ wurde zweifach verschoben und soll nun am 15. Januar 2022 endlich ins Große Haus kommen. Und zudem gibt es noch „Verwandlung/Fremdkörper“ der Gastchoreographin Maura Morales im Mai 2022 – die Musik zu diesem Kafka-Stück komponiert Michio Woigardt erst während der Proben.

Definitiv für Kinder, sogar für die allerkleinsten, ist „Krixlkraxl XXL“, die erste Produktion des Jungen Theaters Münster, bei der sich ein Schauspieler von Formen und Farben inspirieren lässt. Am anderen Ende der Altersskala stehen das Schauspiel über den wahnsinnigen Wissenschaftler Frankenstein und seine Erfinderin Mary Shelley sowie das Musical „Fame“ über den Ruhm und seine Schattenseiten: Beide Abende sind eher für Jugendliche – und vermutlich auch für Erwachsene – geeignet. Und dann kann Monika Kosik, die Leiterin des Jungen Theaters, noch ein spannendes Auftragswerk ankündigen: „Das schrillste Blau“ von Sergej Gößner. Blau für die Jungs, das starke Geschlecht, Rosa für die Mädchen – muss das wirklich so sein? Welche Rollenmuster spielen schon in der Kita eine Rolle?

Das Junge Theater

- Krixlkraxl XXL. Abenteuerreise mit Linien, Farben, Formen und Kreaturen, ab 2 Jahren, 4. September

- Löwenherzen. Jugendstück von Nino Haratischwili, ab 10 Jahren / 5. Klasse, 3. Oktober

- Robin Hood. Familienstück von John von Düffel, ab 6 Jahren / 1. Klasse, 21. November

- Frankenstein. Schauspiel nach Mary Shelley, ab 14 Jahren / 8. Klasse, 4. Februar 2022

- Wild! Kinderstück von Evan Placey, ab 8 Jahren / 3. Klasse, 20. März 2022

- Fame – Das Musical. Theater-Jugend-Orchester-Projekt, ab 14 Jahren / 8. Klasse, 24. April 2022

- Das schrillste Blau. Auftragswerk von Sergej Gößner, ab 4 Jahren, April 2022

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In die Führungsetage des Theaters Münster ist schon vor der letzten Peters-Saison viel Bewegung gekommen: Schauspieldirektor Frank Behnke ist bekanntlich auf dem Sprung nach Meiningen, auch Dramaturgin Barbara Billy und Operndirektorin Susanne Ablass haben ihren Abschied angekündigt. Ulrich Peters freut sich natürlich über die Erfolge seiner Weggefährten und ärgert sich nur schmunzelnd darüber, „dass sie alle nicht noch ein Jahr warten konnten. Einer hingegen bleibt noch länger: Der Vertrag des Generalmusikdirektors Golo Berg wurde bekanntlich bis zum Ende der Saison 2026/27 verlängert. Und so kann er auch schon Richtung Herbst 2022 blicken, in dem ein geplantes Konzert aus Anlass des Festjahrs „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ mit Mahlers Auferstehungssinfonie nachgeholt werden könnte. Auch das im vergangenen Jahr entfallene Festival „Musica Sacra“ wird 2022 komplett nachgeholt, Thema ist „Die Schöpfung“.

Bei den Plänen für die Sinfoniekonzerte 2021/22 variiert Berg noch ein wenig, ersetzt etwa die geplante Musik zu Goethes „Egmont“ von Beethoven am 21. September durch ein Solokonzert und verschiebt notgedrungen den gemeinsamen Auftritt mit dem Stargeiger Frank Peter Zimmermann. Zwar teilt Golo Berg das „Prinzip Hoffnung“, das Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann trotz unsicherer Corona-Entwicklung fürs Theater definiert hat, und setzt darauf, dass „ab Oktober alles wieder möglich“ sein müsse. Aber eine groß besetzte Mahler-Sinfonie, nämliche die Erste, plant er doch lieber für den Frühsommer 2022 ein.

Überhaupt ist man noch vorsichtig, was den Publikumszuspruch zu Beginn der Saison angeht – weshalb für das Theater vorausschauend ein Defizit von knapp 500 000 Euro in seinem Wirtschaftsplan 21/22 angesetzt ist, der jetzt im Kulturausschuss vorgestellt wurde. Positiv vermerkt wurde dort allerdings, dass das Theater Münster in der laufenden Spielzeit trotz des langen Lockdowns kein Defizit einfuhr: Kurzarbeit und Sonderzahlungen trugen zu dieser wirtschaftlich erfreulichen Nachricht bei.

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