Limes-Ausstellung
Römermuseum Haltern baut antikes Gebäude neu auf und präsentiert kostbare Funde

Haltern -

Der Niedergermanische Limes bald als Weltkulturerbe. Fünf Ausstellungen 2021/22 in NRW zur Geschichte der römischen Grenze am Rhein. Außergewöhnliche Funde in Haltern sowie der Bau eines neuen Wachhauses nach antikem Vorbild: Für Freunde der Römer gibt es in den nächsten Monaten viel zu feiern und zu entdecken.

Donnerstag, 04.03.2021, 17:53 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 18:28 Uhr
Restaurierter Legionärsdolch aus Haltern Foto: Jürgen Christ

Sollte die Unesco im Sommer den „Nassen Limes“, also die Römergrenze am Rhein, ins Weltkulturerbe aufnehmen – davon ist eigentlich auszugehen –, dann wird auch Haltern sich ein wenig im Glanz des Welterbetitels sonnen. Weil Haltern, wie Landesdirektor Matthias Löb gestern im LWL-Römermuseum zu Recht sagte, dazu den „Prolog“ bildet. Die „Vorgeschichte“, für die Haltern steht, bedeutet zweierlei: Als die Römer nach desas­tröser Varusschlacht und diversen Rachefeldzügen um 16 nach Christus ihre Festung „Aliso“ verließen, war das der Beginn für den Rückzug auf die linke Rheinseite mit der sicheren Flussgrenze.

Diesen Niedergermanischen Limes mit seinen archäologischen Resten und Erinnerungsstätten wollen Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und die Niederlande bekanntlich im Weltkulturerbe verankert wissen. Ein „Prolog“ ist Haltern aber auch für die konzertierte NRW-Ausstellung mit dem Titel „Roms fließende Grenzen“, die 2021 und 2022 in Detmold, Xanten, Bonn, Köln und eben Haltern am See den Spuren der Römer zwischen Rhein, Lippe und Weser nachgeht.

Mit Römern im Escape Room

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  • Römisches Wachhaus mit Säulenvorhalle, Plan-Grafik

    Römisches Wachhaus mit Säulenvorhalle, Plan-Grafik

    Foto: LWL
  • Legionäre auf dem restaurierten Westtor des Römerlagers Haltern

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionär in Corona-Zeiten

    Foto: Jürgen Christ
  • Das Museum hat sein eigene Kohorte mit Legionären.

    Foto: Jürgen Christ
  • Museumsdirektor Josef Mühlenbrock (v.l.), Landesdirektor Matthias Löb und Halterns Bürgermeister Andreas Stegemann mit restauriertem Römerdolch

    Foto: Jürgen Christ
  • Museumsdirektor Dr. Josef Mühlenbrock mit restauriertem Legionärsdolch

    Foto: Jürgen Christ
  • An dieser Stelle entsteht das alte römische Wachhaus.

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionäre auf dem Außengelände des Römermuseums

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionäre auf dem Außengelände des Römermuseums

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionäre auf dem Außengelände des Römermuseums am Westtor

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionäre auf dem Außengelände des Römermuseums am Westtor

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionäre auf dem Außengelände des Römermuseums am Westtor

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionäre auf dem Außengelände des Römermuseums am Westtor

    Foto: Jürgen Christ
  • Legionäre auf dem Außengelände des Römermuseums am Westtor

    Foto: Jürgen Christ
  • Römermuseum Haltern, rekonstruiertes Westtor des antiken Römerlagers

    Foto: Jürgen Christ

Römerfunde aus Westfalen

Das Römermuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe will von März bis Oktober 2022 vieles von dem aufbieten, was in den vergangenen Jahren in westfälischen Landen bis hin zum Wiehengebirge bei Kalkriese ans Tageslicht kam, wie Museumsdirektor Dr. Josef Mühlenbrock am Donnerstag erläuterte. Das Halterner Edelstück, ein Legionärsdolch samt Scheide und Gürtel (Zingulum), verbreitete gestern bei der Pressekonferenz bereits seinen Glanz. Längst wurde das Zingulum auch als Replik nachgefertigt, so dass Landesdirektor Löb und Museumsleiter Mühlenbrock das kostbare Stück aus Leder und Metall auch durch die Finger gleiten lassen durften. Aus Kalkriese kommt zur Halterner Ausstellung ein Teil des vor Jahr und Tag am mutmaßlichen Ort der Varusschlacht gefundenen Schienenpanzers eines Legionärs – ein weltweit beachteter und in seiner Einzigartigkeit sensationeller Fund.

Nun wäre das Römermuseum in Haltern kein wirkliches Familienmuseum, wenn es nur Schätze in Vitrinen präsentieren würde. Deshalb wird nun, acht Jahre nach den ersten Entdeckungen von einschlägigen Fundamentresten am bereits rekonstruierten Westtor, ein römisches Wachhaus neu entstehen.

Das Wachhaus mit Portikus (Säulenvorhalle) auf gut 100 Quadratmetern werde in Fachwerk- und Lehmbauweise errichtet, erläuterte Museumsleiter Josef Mühlenbrock gestern an Ort und Stelle auf dem vom Nieselregen aufgeweichten Freigelände. Halterner Bürger werden eingeladen, beim Verputzen kräftig mitzuwirken. Der Clou des Wachhauses ist nicht nur, dass man hier sehen kann, wie die Römer Wache schoben, Schreibkram erledigten und unliebsame Eindringlinge einkerkerten.

Haltern verknüpft das historische Gebäude mit einem „Escape Room“ unserer Tage. Junge und erfahrenere Gäste dürfen hier multimedial die letzten Stunden von Aliso erleben und mit den Römern den Rückzug Richtung Rhein antreten. Landesdirektor Matthias Löb frohlockt: „Es ist der bisher erste Römer-Escape-Room in Deutschland. Damit wollen wir neue Zielgruppen ansprechen, denen das LWL- Römermuseum bisher kein Begriff war.“

Die Leiterin der Museumspädagogik, Lisa Stratmann, beziffert die Kosten für die Neu-Errichtung des Wachhauses auf gut 400 000 Euro und die Kosten der gesamten Ausstellung auf etwa eine Million. Viele zahlungskräftige Förderer und Stiftungen sind mit am Werk.

Alltag der Römer

„Um den Alltag der Römer vor 2000 Jahren wirklich lebendig zu machen, braucht es mehr“, unterstreicht Dr. Josef Mühlenbrock. „Die Ausstellungsstücke müssen in ihren ursprünglichen Kontext gestellt werden und für alle zugänglich sein.“ Mit spektakulärer Museumsschau, rekonstruiertem Westtor und dem dann neuen Escape Room im Wachhaus schlägt Haltern ein neues museales Kapitel auf.

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