Eklat
Juror tritt nach Wirbel um «Finis Germania» zurück

Ein Buch des Historikers Rolf Peter Sieferle gelangt auf die Liste «Sachbücher des Monats». Das hat für Zündstoff in den Feuilletons und beim NDR gesorgt.

Dienstag, 13.06.2017, 13:52 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 13.06.2017, 13:50 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 13.06.2017, 13:52 Uhr

Hamburg (dpa) - Wirbel um das Buch «Finis Germania» des Historikers Rolf Peter Sieferle: Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat seine Zusammenarbeit mit der Jury «Sachbücher des Monats» ausgesetzt.

Zur Begründung hieß es, in der Juni-Ausgabe wurde dieser Titel empfohlen, der für NDR Kultur nicht tragbar sei. Nach Einschätzung von NDR Kultur und anderer Kritiker äußert Rolf Peter Sieferle (1949-2016) in seinem Buch rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich NDR Kultur entschieden distanziert.

Der Juryvorsitzende Andreas Wang, ehemaliger leitender NDR Kultur Redakteur, der seit 2010 im Ruhestand ist, forderte den Juror, der das Buch empfohlen hat, zum Rücktritt auf.

Daraufhin meldete sich Johannes Saltzwedel vom Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» und erklärte seinen Rücktritt. «Mit der Empfehlung des Buches habe ich bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen», teilte Saltzwedel am Montag mit. «Ich wollte durch meinen Vorschlag auf keinen Fall das Renommee der Sachbuch-Bestenliste beschädigen und bedaure sehr die Verwerfungen, die sich daraus ergeben haben», hieß es weiter.

Seit mehr als 15 Jahren veröffentlicht NDR Kultur gemeinsam mit der «Süddeutschen Zeitung» und dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels die Empfehlungen der unabhängigen Jury «Sachbücher des Monats». Dem Gremium gehören Wissenschaftler sowie Autoren und Redakteure großer Medienunternehmen in Deutschland an.

«Wir hoffen, dass mit diesem Schritt die Vertrauenswürdigkeit der Liste wiederhergestellt ist», sagte Wang der dpa. «Im Übrigen werden wir das Verfahren der listenmäßigen Platzierung derart erneuern, dass keine Platzierung eines einzelnen Mitglieds der Jury möglich ist.»

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