Auf der Pirsch
Der Bienenjäger - Ein Biologe und sein Sport

Wenn es auf Waldlichtungen und Wiesen summt, ist der Biologe Thomas Seeley ganz in seinem Element. Er forscht nicht nur über Bienen, sondern geht auch als Bienenjäger auf die Pirsch nach Nistbäumen. Nun hat er ein Buch über seinen Freizeitsport geschrieben.

Dienstag, 13.06.2017, 14:20 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 13.06.2017, 14:18 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 13.06.2017, 14:20 Uhr
Der amerikanische Biologe Thomas D. Seeley hat ein Herz für die Bienen. Foto: Fredrik von Erichsen

Frankfurt/Main (dpa) - Es muss nicht immer Großwildjagd sein. Der amerikanische Biologe Thomas D. Seeley pirscht weder in der Savanne, noch sammelt er Trophäen.

In seinem Buch «Auf der Spur der wilden Bienen» schildert er seine Expeditionen in den Wäldern Neu-Englands, um die Stöcke wilder Honigbienen ausfindig zu machen. Dabei macht er kein Geheimnis daraus, wie sehr ihn die Honig sammelnden Insekten faszinieren.

Der Hochschulwissenschaftler sieht seine Bienenjagd im Arnot Forest im US-Bundesstaat New York eher als sportliches Hobby an der frischen Luft. Den Bienen krümmt er dabei kein Haar – mal abgesehen davon, dass einige zur besseren Identifizierung mit Farbmarkierung versehen werden, wenn sie auf eine mit Zuckersirup imprägnierte Wabe gelockt werden. Durch Beobachtung der Tiere und Berechnung ihrer Flugbahn gilt es, letztlich den Bienenstock zu lokalisieren.

Früher kamen die Bienen nicht so gut davon. Denn einst galt die Jagd dem Honig, und um ihn zu erhalten, zerstörten Honigjäger in früheren Jahren die Bienenstöcke und die Völker gleich mit. Dank der Entwicklung der Imkerei ist dieser rabiate Umgang mit den fleißigen Insekten Seeley zufolge aber seltener geworden. Für alle Fälle fügt er aber noch ein warnendes Schlusskapitel an, in dem er begründet, warum ein Bienenbaum nicht «eingenommen» werden soll: «Es ist ein grausamer Akt».

Schon der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau habe im 19. Jahrhundert Gefallen an dem «faszinierenden Freiluftsport» gefunden, sieht sich Seeley in guter Tradition – und schwärmt von der «stillen Zufriedenheit», die sich bei der Pirsch einstelle. Geduld muss der Bienenjäger dabei schon mitbringen - manchmal dauere es Tage, bis anhand der Flugrichtung der Bienen der richtige Baum ermittelt und der Eingang zum Nest entdeckt sei.

Seeley macht keinen Hehl aus seiner Bewunderung für die fleißigen Insekten: Ihr Sozialverhalten, ihre Intelligenz, ihr Orientierungsvermögen - wissenschaftliches Studium vermischt sich mit einer fast kindlichen Begeisterungsfähigkeit, wenn es um Bienen geht.

Der Leser erfährt dabei Einiges - etwa dass sich Bienen beim Anflug auf eine Futterstation mit einer Geschwindigkeit von 33,5 Stundenkilometern bewegen, mit dem aufgenommenen Zuckersirup beladen aber nur noch mit 23,5 Stundenkilometern Geschwindigkeit zurück zu ihrem Nest fliegen. Kein Wunder: Die von Seeley untersuchten Bienen hatten eine Sirupfracht aufgenommen, die 82 Prozent ihres Körpergewichts entsprach.

Oder wer hätte gewusst, dass Bienen ihren Weg per sogenannter Koppelnavigation ähnlich finden wie einst Seeleute auf dem offenen Meer. Der Schwänzeltanz, mit dem Nahrungssammlerinnen den Weg zu einer vielversprechenden Nahrungsquelle mitteilen, wird ebenfalls ausführlich erläutert. Auch Erfahrungen bei der Suche nach dem idealen Lockstoff teilt Seeley, der beim Schreiben des Buches offenbar noch einmal manche Bienenjagd im Geist durchlebte. Mit Anis versetzter Zuckersirup ist danach unwiderstehlich und übertrumpft Zitronen-, Orangen- oder Minzaromen.

Bei all der offen geäußerten Begeisterung für die bejagten Bienenvölker ist es wohl nicht erstaunlich: Gewidmet hat Seeley sein Buch «den Honigbienen, die im Arnot Forest leben».

- Thomas D. Seeley: Auf der Spur der wilden Bienen, S. Fischer Verlag, Frankfurt, ca. 200 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-10-397239-9

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