Gepflegter Unsinn
Würmer beschwören und Babys ärgern

Oft messen Menschen in aller Welt ihre Kräfte in völlig sinnlosen Wettkämpfen. Nigel Holmes hat das in Infografiken umgesetzt.

Dienstag, 12.06.2018, 16:34 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 12.06.2018, 16:32 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 12.06.2018, 16:34 Uhr
Sumoringer bringen Babys zum Schreien. Foto: Franck Robichon

Berlin (dpa) - 511 Regenwürmer auf einmal hat Tom Shufflebotham im Jahr 1980 vor erstauntem Publikum ans Tageslicht gelockt. Damit legte er den Grundstein für das Wurmbeschwören, eine der unzähligen verrückten Traditionen der britischen Inseln.

Jeden Juni treffen sich Wurmflüsterer im englischen Willaston und versuchen auf jeweils drei Quadratmetern Spielfeld, möglichst viele der Viecher empor zu locken. Sie trommeln auf die Erde, spielen Bongos, schalten Musik an. Der verwirrte Regenwurm soll durch die Vibrationen das Gefühl bekommen, dass ihm ein Maulwurf auf den Fersen sei. Das treibt ihn nach oben. Die Internationale Föderation für Wurmbeschwörung und andere Freizeitaktivitäten (IFCWAP) achtet auf das Einhalten von 18 Regeln.

Hätten Sie dieses Wissen gebraucht? Vermutlich nicht. Dennoch ist es schön, dass es Bücher wie «Crazy Competitions - Die 100 verrücktesten Wettbewerbe der Welt» von Nigel Holmes gibt. Auf 218 Seiten geht die Reise rund um die Erde und macht überall dort Halt, wo sinnfrei, absurd und oft ein bisschen eklig um die Wette geeifert wird.

Der Clou: Holmes ist Grafikdesigner. In liebevollen Infografiken illustriert der Brite den Wahnsinn mit wissenschaftlichem Ernst. Viele Randnotizen mit schrägen Seitenaspekten runden das Ganze ab.

Holmes haucht der Literatur über die Kuriosa dieser Welt neues Leben ein. Das Genre hatte noch vor einigen Jahren mit Juwelen wie «Schotts Sammelsurium» (2002) und «Dr. Ankowitschs Kleines Universal-Handbuch» (2005) eine Blüte erlebt. In der letzten Zeit war es mit ungezählten Fakten-für-Klugscheißer-Titeln immer mehr verwildert und verödet.

Zurück zu den verrückten Bräuchen: Der Kudu ist eine Antilopenart, die schwer zu fangen ist, aber in rauen Massen Kügelchen von Dung hinterlässt. Früher haben Jäger in Südafrika aus Langeweile die Kotkügelchen in den Mund genommen und möglichst weit weggespuckt, seit 1994 ist das «Bokdoel Spoeg» im Land am Kap offiziell als Sportart anerkannt. Ein Versuch in Irland im Jahr 2015, den Ekelbrauch mit Dung vom Schaf nachzumachen, hatte keine Zukunft.

Einige der Nonsens-Wettkämpfe in «Crazy Competitions» kennt man von den gängigen Klickstrecken im Netz und Aufmacherfotos in Zeitungen - etwa die finnische Weltmeisterschaft im Handy-Weitwurf, die spanische Tomatenschlacht oder das Bienenbart-Tragen in China. Aber mal im Ernst: Wer hat je etwas vom Nakizumo-Festival in Japan gehört? Dort halten zwei Sumo-Ringer je ein Baby in den Händen. Mit sanftem Rütteln und Grimassen versuchen sie das Kind zum Schreien zu bringen. Wer zuerst ein brüllendes Baby im Arm hat, hat gewonnen. Die in der Grafik abgebildeten Kleinen machen nicht gerade frohe Gesichter. Kein Spaß für den Säugling also, doch die Eltern reißen sich darum, ihr Kind auf einem der 100 Plätze als Schreier antreten zu lassen.

- Nigel Holmes: Crazy Competitions - Die 100 verrücktesten Wettbewerbe der Welt, Taschen Verlag, Köln, 216 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3836539098.

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