Lebenskünstler
Aktuelle Forschung über Neandertaler

Wie lebten die Neandertaler? Silvana Condemi und François Savatier fassen den aktuellen Stand der Forschung zusammen.

Donnerstag, 02.07.2020, 12:46 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 12:48 Uhr

München (dpa) - Lange Zeit galt der Neandertaler als tumber Verwandter des Homo sapiens, viel Muskeln, wenig Hirn. Folgerichtig musste er wohl untergehen. Doch die aktuelle Forschung, vor allem in der Genetik, hat dieses Bild revolutioniert.

Heute wissen wir, dass Neandertaler und Homo sapiens sich nicht nur mischten, sondern wir noch immer vier Prozent Neandertaler-Gene in uns tragen. Silvana Condemi und François Savatier fassen den aktuellen Forschungsstand in ihrem Buch «Der Neandertaler, unser Bruder» informativ und unterhaltsam zusammen.

Wir erfahren, dass der Neandertaler unter schwierigen klimatischen Bedingungen ein Lebenskünstler war, ein intelligenter Jäger, der über einen sehr langen Zeitraum in Europa existierte. Sein Fleischkonsum und Kalorienverbrauch war enorm. Ab und zu scheint er auch Schildkrötensuppe und gebratene Frösche nicht verachtet zu haben.

Am Ende gab wohl die Demografie den Ausschlag. Die gerade einmal 70.000 Neandertaler in Europa hatten dem fortpflanzungsfreudigen Homo sapiens einfach nichts entgegenzusetzen.

- Silvana Condemi, François Savatier: Der Neandertaler, unser Bruder. 300.000 Jahre Geschichte des Menschen, C.H.Beck Verlag, München, 240 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-40675076-2.

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