Stürmische Zeiten
Mord im Hurrikan? – John Grishams Krimi «Das Manuskript»

Ein Wirbelsturm zieht über eine kleine Insel vor Florida. Als er überstanden ist, sind mehrere Menschen tot. Zumindest ein Todesfall ist verdächtig. Im neuen Roman von Bestsellerautor John Grisham dreht sich alles um ein geheimnisvolles Manuskript.

Dienstag, 08.09.2020, 12:01 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 12:04 Uhr
Der US-Autor John Grisham kommt in seinem neuen Roman auch ohne Gerichtsszenen und Anwälte aus. Foto: Loic Venance

Berlin (dpa) – John Grisham ist mit Thrillern über Anwälte und Gerichtsverhandlungen weltweit erfolgreich. Mitunter nutzt er aber auch die Freiheit, die ihm sein Erfolg ermöglicht, um Romane zu schreiben, in denen Anwälte und Gerichte keine Rolle spielen.

Auf einer kleinen Urlauberinsel vor der Küste Floridas lässt John Grisham seinen neuen Roman «Das Manuskript» beginnen. Ein ganz entspanntes Leben können der Buchhändler Bruce Cable und zahlreiche Krimischriftsteller in dem Ferienparadies Camino Island führen. Durch zwielichtige Geschäfte, die Grisham vor ein paar Jahren für den Roman «Das Original» erdacht hatte, ist Cable finanziell abgesichert. So kann er sich ganz seinen Freunden und ihren Büchern widmen.

Dieses Idyll wird von «Leo» gestört. Der Roman verfolgt genau, wie sich der Sturm über dem Atlantik aufbaut und schließlich als schwerer Hurrikan der Kategorie vier auf Camino Island trifft. Die meisten Bewohner haben rechtzeitig die Insel verlassen, aber ein paar Bewohner sind doch geblieben, darunter Bruce Cable.

Der Sturm richtet gewaltige Schäden auf der Insel an, aber Bruce kommt mit dem Schrecken davon. Sein Freund Nelson Kerr, ein ehemaliger Anwalt, der zum Thrillerautor geworden ist, hat den Sturm nicht überlebt. Aus irgendeinem Grund ist er offenbar mitten im Sturm in seinen Garten gelaufen und von herumfliegenden Trümmerteilen erschlagen worden.

Während Bruce Cable sich noch fragt, warum sein Freund sich in solche Gefahr gebracht hat, entdeckt ein Nachbar Hinweise, dass nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen sein könnte. Das deutlichste Zeichen: Das Manuskript des Thrillers, an dem Nelson Kerr gerade gearbeitet hat, ist nirgendwo zu finden. Liegt in dem Roman der Schlüssel verborgen?

Die Polizei interessiert sich nicht weiter für den Todesfall und tut ihn als Unfall ab. Aber Bruce will die Sache nicht auf sich beruhen lassen und hat auf abenteuerlichen Wegen schließlich den Text vor Augen. Die Überraschung ist groß, denn die Handlung, in der es um Pflegeheime und verdächtige Medikamente geht, hat nichts mit dem zu tun, worüber Nelson Kerr je geschrieben hatte.

«Nelson war tatsächlich einer großen Sache auf der Spur», folgern die Hobbydetektive. «Er wusste von dem Medikament, und er konnte nur von einem Informanten davon erfahren haben.» Diesen Coup, eingebettet in einen Roman, musste er wohl mit seinem Leben bezahlen.

Und nun? John Grisham, bekannt als Erfinder ebenso spannender wie überraschender Handlungen, bringt eine private Sicherheitsfirma ins Spiel und lässt die Leser verfolgen, wie versteckt Informationen zusammengetragen werden. So könnte herauskommen, wer der mysteriöse Informant ist, der die ganze Sache ins Rollen gebracht hat.

Auch wenn Bruce Cable zeitweise kaum aus seiner Buchhandlung herauskommt, so bleibt er doch die zentrale Figur des Romans, bei der die verschiedenen Handlungsstränge zusammenlaufen. Dabei ist er keine rein positive Figur. Bei allem, was er unternimmt, hat er stets auch seine Finanzen im Sinn, und er ignoriert, wenn er mit seiner Vorgehensweise andere Menschen in Gefahr bringt.

Wer in «Das Manuskript» einen klassischen Grisham-Roman erwartet, wird eine Überraschung erleben. Nicht nur, dass es keine Anwälte und Gerichtsszenen gibt, das Buch verzichtet auch weitgehend auf den moralischen Zeigefinger, den Grisham häufig hebt. «Das Manuskript» ist ein unterhaltsamer Krimi um eine Mördersuche vor netter Kulisse und mit interessanten Nebenaspekten.

- John Grisham: Das Manuskript. Wilhelm Heyne Verlag, München, 368 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-453-27306-1.

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