#selbstistderchef
Intendant Christian Stückl springt als Schauspieler ein

Weihnachtszeit ist Erkältungszeit - das macht sich auch bei Theatern und Opernhäusern bemerkbar. Wegen Krankheitsausfällen gab es in München und Nürnberg zuletzt überraschende Umbesetzungen - und auch eine Frau in einer Männerrolle.

Donnerstag, 05.12.2019, 15:27 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 15:30 Uhr
Christian Stückl überzeugte auch als Schauspieler. Foto: Angelika Warmuth

München (dpa) - Selbst ist der Chef: Der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, ist an zwei Abenden in Folge in ungewohnter Rolle zu sehen gewesen.

Wie sein Theater am Mittwochabend auf Facebook und Twitter mitteilte, spielte der 58-Jährige zweimal in Bertolt Brechts «Dreigroschenoper» die Hauptrolle, den Bettlerkönig Peachum. Dazu postete das Volkstheater Beweisfotos von Stückl im weißen Unterhemd und rotem Anzug und mit Zigarette im Mund auf der Bühne und versah das Ganze auf Facebook mit dem Hashtag «#selbstistderchef». Auf Twitter hieß es «#coolsterChef».

Stückl ist eigentlich der Regisseur des Stückes. Warum der eigentliche Peachum-Darsteller ausfiel, teilte das Theater nicht mit. «Das nenn ich Einsatz! Bravo!», kommentierte eine Facebook-Nutzerin.

Stückl, der auch die Passionsspiele in Oberammergau leitet, ist nicht der erste Theaterchef, der im Notfall selbst zur Tat schreitet. Erst kürzlich machte der Intendant des Nürnberger Staatstheaters, Jens-Daniel Herzog, Schlagzeilen, weil er kurzfristig für einen erkrankten Sänger einsprang und die Hauptrolle der Verdi-Oper «Don Carlos» gewissermaßen Playback präsentierte, während ein anderer Sänger vom Bühnenrand aus sang.

Der neue Sänger sei so kurzfristig eingesprungen, dass es nicht mehr möglich gewesen sei, die Rolle auch szenisch einzuüben, teilte das Theater damals mit. Herzog sei als Regisseur des Stückes der einzige gewesen, der gewusst habe, wann Don Carlos wo stehen müsse.

Auch im Münchner Cuvilliés-Theater gab es am Mittwochabend eine überraschende Umbesetzung. Bei der Aufführung der Mozart-Oper «Così fan tutte» stand in der Rolle des Don Alfonso anstatt eines Bassbaritons eine zarte junge Frau auf der Bühne: Wegen eines Krankheitsfalls im Ensemble musste die Regieassistentin der Kammeroper München einspringen. Sie beherrschte in Frack und Zylinder das Schauspiel, der Gesang kam von einem Kollegen am Bühnenrand.

Zuvor waren zwölf Anfragen der Kammeroper bei möglichen Ersatz-Sängern erfolglos geblieben. Dem Schlussapplaus tat die ungewohnte Hosenrolle allerdings keinen Abbruch: «Don Alfonso» bekam herzlichen Beifall. Die Kammeroper war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

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