TV-Tipp
Das doppelte Lottchen

Erich Kästners Roman «Das doppelte Lottchen» fasziniert noch immer. Nach weltweit mehr als einem Dutzend Verfilmungen der Geschichte um eine von zwei pfiffigen Schwestern wieder zusammengeführte Familie zeigt das Erste eine dem modernen Zeitgeist angenäherte Version.

Sonntag, 16.04.2017, 00:04 Uhr

Lotte (Delphine Lohmann, l.) und Luise (Mia Lohmann). Foto: Uschi Reich

Hamburg (dpa) – Generationen kleiner Mädchen haben Erich Kästners 1949 erschienenen Kinderbuch-Klassiker «Das doppelte Lottchen» geliebt. Verfilmt wurde die herzerwärmende und lebenskluge Geschichte um nach ihrer Geburt von einander getrennte Zwillingsschwestern, die sich in einem Ferienheim zufällig wieder begegnen, in vertauschten Rollen heimreisen und am Ende listig ihre Eltern wieder zusammenführen, seit 1950 mehr als ein Dutzend Mal.

Nicht nur in Deutschland – auch in Polen, Schweden oder den USA («Ein Zwilling kommt selten allein», 1998). In Japan gibt es sogar eine Musicalversion des Romans.

Den hatte der von den Nazis oft mit Schreibverbot belegte Autor bereits 1942 als Drehbuchentwurf unter dem Titel «Das große Geheimnis» angelegt. Am Ostersonntag (14.05 Uhr) zeigt die ARD eine eigene, an veränderte Gesellschaftsverhältnisse angepasste Fassung der Familiengeschichte. Ob die unter Federführung des Südwestrundfunks geschaffene Komödie dem Zauber des literarischen Originals gerecht wird, wäre unter Kästner-Fans wohl zu diskutieren.

Doch vielleicht lässt sich das Publikum heute ja gerade so ansprechen: Bunt und munter erzählt der Regisseur Lancelot von Naso (41, «Kommissar Marthaler») nach dem Skript Niko Ballestrems von zwei selbstbewussten Mädchen (Mia und Delphine Lohmann, 11), die ihre Single-Eltern – Rockmusiker (Florian Stetter) und freie Journalistin (Alwara Höfels) – nach Jahren der Funkstille miteinander ins Gespräch bringen. Und dabei virtuos Smartphone und Internet nutzen.

In den 50er Jahren teils als skandalös empfunden, wirkt das Thema Scheidung beziehungsweise Trennung von Eltern in Zeiten von Alleinerziehung und Patchwork-Familien ohnehin aktueller denn je. Darauf setzen auch die Fernsehmacher – wenngleich der Roman von Kindern nicht mehr ganz soviel gelesen wird wie einst. «Kästners Klassiker hat sich in das kulturelle Bewusstsein von uns allen eingeprägt. Das Thema, wie Eltern und wie Kinder mit einer Trennung umgehen, kann man darin wie durch ein Brennglas sehen», sagte die zuständige SWR-Redakteurin Margret Schepers der Deutschen Presse-Agentur.

«Im Film geht es uns darum, was Kinder von Familien wünschen, fordern und brauchen. Nämlich Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander – und die Bereitschaft, Geschwister zusammenzuführen», erklärte Schepers. Bei alledem habe man aber auch im Fokus gehabt, dass es heute andere Kinder sind als in den 50ern. Dafür stehen schon die beiden Münchner Laiendarstellerinnen, die als Lotte (Delphine) und Luise (Mia) viel unbefangener agieren als ihre Romanvorbilder. Zur peppigen Musik von Klaus Doldinger lernen sich die Heldinnen auch nicht mehr im fiktiven Seebühl am Bühlsee, sondern am realen idyllischen Wolfgangsee in Österreich kennen - wo Margarita Broich (hessischer «Tatort») als so strikte wie schnapsselige Heimleiterin Frau Muthesius köstlich das Zepter schwingt.

Eine große Veränderung erfährt der Schluss der Geschichte: Eine Heirat der Eltern Jan und Charlize bleibt im Film offen. Doch immerhin beschließen beide, in einer Stadt zu leben. Damit die Zwillinge sich und ihre Eltern regelmäßig sehen können - und man gegebenenfalls als Familie ohne Trauschein glücklich werden könnte.

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