TV-Tipp
Quallen auf dem Vormarsch

Der Film «Quallen auf dem Vormarsch» will zeigen, ob diese Lebewesen von vielen Menschen zu Recht gefürchtet sind.

Samstag, 10.06.2017, 00:04 Uhr

Schön, aber durchaus nicht ungefährlich: eine Qualle. Foto: Patrick Seeger

Berlin (dpa) - Sie sind schön, sie sind viele, und oft sind sie auch gefährlich: die Quallen im Meer. Ob sie allerdings wirklich eine Plage an den Stränden und in den Häfen darstellen, das will die Dokumentation «Quallen auf dem Vormarsch» klären, die an diesem Samstag (22.00 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Den Meeren geht es nicht gut, sie sind überfischt, verschmutzt und werden immer wärmer, und die Quallen (auch Medusen genannt) profitieren davon - was der Mensch eigentlich als ein Warnzeichen begreifen sollte. Doch die Menschen sind an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig, denn sie leiten weiterhin Abwässer und damit zu viele Nährstoffe ins Meer. Das kurbelt die Vermehrung von tierischem Plankton an, und diese mikroskopisch kleinen Krebse gehören zur Leibspeise der Nesseltiere.

Quallen gibt es seit über 600 Millionen Jahren in den Ozeanen der Erde, lange vor den Fischen. Diese Wabbeltiere sind sehr anpassungsfähige Überlebenskünstler und können riesige Schwärme bilden. Sie bestehen zu gut 90 Prozent aus Wasser und haben weder Hirn noch Herz. Ihr Körper wird nur von zwei dünnen Zellhäuten zusammengehalten, und innen haben sie einen Hohlraum, in dem sich der Magen befindet. Eine einzige Qualle kann bis zu 15.000 Eier am Tag produzieren - alles das und noch einiges mehr erfährt der Zuschauer in dieser Doku.

Im Film kommen Meeresbiologen zu Wort wie die Planktonspezialistin Cornelia Jaspers, die sagt: «Quallen wurden lange Zeit von der Wissenschaft unterschätzt und bei Untersuchungen ignoriert. Da wir keine systematische Langzeitdaten haben, können wir auch die Frage nicht beantworten, ob es mehr Quallen gibt als früher.» Der Meeresökologe Josep-Maria Gili aus Barcelona weist auf etwas anderes hin: «Die Leuchtquallen sind Räuber und haben große Auswirkungen auf das Marine-Öko-Sytem. Sie fressen Unmengen von Plankton und Fischlarven. Sie stellen zudem eine Gefahr für den Menschen dar, denn der Hautkontakt kann schmerzhafte Verletzungen oder gar Lähmungen hervorrufen und zu ganzen Strandschließungen führen.»

Das kennt vermutlich jeder, der unbekümmert im Sommer im Meer schwimmt: Plötzlich gibt es ein Gefühl wie einen elektrischen Schlag, gefolgt von einem Krampf, und dann brennt es wie Feuer. Der oder die Badende ist einer Qualle in die Quere gekommen - danach heißt es: Sofort raus aus dem Wasser! Empfohlen wird eine Behandlung mit Salzwasser, das mit Backpulver vermischt wird. Auf keinen Fall ist Süßwasser zu verwenden, weil das das Nesselgift noch mehr anregen würde. Da sich Backpulver (oder Essig und Rasierschaum) eher selten in der Strandtasche findet, hilft auch das Abreiben der Wunde mit trockenem Sand (aber nie mit der bloßen Hand). Schließlich sollte die Haut mit viel Eis gekühlt und auch reichlich Wasser getrunken werden.

Solche Tipps sind natürlich hilfreich, doch stellenweise gerät der Film von Britta Knufft und Nanje Teuscher etwas zu reißerisch, zum Beispiel dann, wenn über eine ganz besondere Medusa berichtet wird: Vor der Küste Japans lebt eine bis zu zwei Meter große Qualle mit nudeldicken Tentakeln, die wie ein Alien aus einem Horrorfilm aussieht und über die so gut wie fast nichts bekannt ist. Gelegentlich werden Quallen zwar als «Blumen des Meeres», aber auch als der «Schrecken der Strände» bezeichnet. Das ist natürlich übertrieben, denn diese merkwürdigen Lebewesen können durchaus nützlich sein für den Menschen - mit dem Schleim der Nesseltiere könnten Nanopartikel aus dem Schmutzwasser herausgefiltert werden - effektiv und umweltfreundlich.

Die Quallenforschung ist noch jung, ebenso wie die Quallenforscher - beides könnte in den kommenden Jahren zu ganz neuen Erkenntnissen durch Langzeitstudien führen. Nur so lässt sich zuverlässig herausfinden, ob der Mensch also für die zeitweilige Quallenschwemme verantwortlich ist.

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