TV-Tipp
Unter Verdacht

Der TV-Zweiteiler «Unter Verdacht» (ZDF) ist ein spannender Krimi mit einer souveränen Senta Berger und ihrem nicht minder überzeugenden Kollegen Rudolf Krause.

Samstag, 17.06.2017, 00:04 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 17.06.2017, 00:01 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 17.06.2017, 00:04 Uhr
Senta Berger ermittelt noch einmal fürs Fernsehen. Foto: Alexander Heinl

Berlin (dpa) - Terror ist mittlerweile auch in Deutschland nahezu allgegenwärtig - selbst im TV-Krimi. Um einen schrecklichen Anschlag und um eine erschöpfte Ermittlerin geht es in dem Krimi-Zweiteiler «Unter Verdacht», der an diesem Samstag (20.15/21.45 Uhr) im ZDF erstmals als Zweiteiler zu sehen ist.

Bei der Arte-Ausstrahlung am 4. Mai verfolgten knapp 1,90 Millionen Zuschauer das Filmgeschehen.

München, am Odeonsplatz - der Festumzug zur Theresienwiese ist im vollen Gange. Plötzlich gibt es eine Explosion, die Gäule vor den Wagen gehen durch, zu hören sind nur noch Schreie statt Blasmusik. Es gibt 47 Tote und viele Verletzte. Es folgen die üblichen Betroffenheitsbekundungen aus der Politik.

13 Monate später, rund sechs Wochen vor der bayerischen Landtagswahl, treten die internen Fahnder, Kriminalrätin Dr. Eva Prohacek (Senta Berger) und Hauptkommissar André Langner (Rudolf Krause), auf den Plan. Erst jetzt ist ein Video aufgetaucht, und so sollen sie herausfinden, warum der Polizist Cem Okday (Sohel Altan Gol) kurz vor dem Anschlag den Lieferwagen mit der Bombe passieren ließ und dann auch noch seinen Posten verlassen hat.

Doch die erfahrene Ermittlerin ist befangen, denn sie kennt den nunmehr jungen Familienvater sehr gut: Vor 13 Jahren hatte sie Cem bei sich aufgenommen, als er aus der Türkei nach Deutschland kam. Sie wurde zu seinem Vormund bestellt - was in den ersten vier Folgen der Reihe thematisiert worden ist. Die Ermittlungen belasten sie jetzt sehr, sie wirkt zunehmend erschöpft und erleidet schließlich einen stummen Schlaganfall.

Es ist also viel drin in diesem Krimi, den Regisseur Andreas Herzog (50, «Der Metzger») aber trotz der zwei Teile (die zum Glück an einem Abend gezeigt werden) übersichtlich zu erzählen weiß und der auch deshalb nie langweilig wird. Der Druck auf die stets höflich auftretenden Ermittler seitens der wahlkämpfenden Politiker wird ebenso deutlich wie die Verwicklung des Verfassungsschutzes in den Fall, wobei der Hauptschurke allerdings schon früh erkennbar ist - wenn der Zuschauer denn ganz genau hinguckt.

Senta Berger (76, «Willkommen bei den Hartmanns») ist in diesem ziemlich spannenden Film in nahezu jeder Szene zu sehen; ihre Blicke und ihre Mimik sind sehr sparsam, so dass man förmlich greifen kann, wie sie mit sich ringt. Ist diese Eva Prohacek überhaupt noch objektiv und ihrem aufreibenden Job gewachsen? Hinzu kommen die ständigen Querelen mit ihrem Chef, Dr. Claus Reiter (Gert Anthoff), der ihr bei einem Einsatz in einer abgelegenen Fabrik nicht zur Seite steht und obendrein mit der Steuerfahndung und seiner drohenden Scheidung klar kommen muss.

Die Hauptfiguren dieser Reihe kennt der aufmerksame Betrachter natürlich längst, und jedes Mal ist zu vermuten, dass es abgründiger kaum noch zugehen könne - was es dann doch tut. Hier nun zeigt vor allem der Herr Reiter sein wahres und ziemlich hässliches Gesicht, so dass Frau Prohacek irgendwann sagt: «Warum ist mir das denn nicht aufgefallen?» und Herr Langner entgegnet: «Weil Sie halt zu nah dran sind».

Überhaupt - der Herr Langner ist schon ein «widersprüchlicher, nicht berechenbar agierender, interessanter Mensch - keine typisierte Präsidiums-Topfpflanze», wie Rudolf Krause (52, «Ich bin dann mal weg») der Deutschen Presse-Agentur sagte. Wobei er noch hinzufügt, dass er natürlich nichts gegen Topfpflanzen habe und jeder Film ja auch eine Komposition sei. Entscheidend sei für ihn, welche Aufgabe eine Figur übernehme und wie spezifisch das erzählt werde, denn schließlich mache nicht die Masse der Textzeilen den Reiz der Sache aus.

Neben Krause liegt ein weiterer Reiz dieser TV-Reihe sicher auch im Spiel der großartigen Senta Berger. Die 180 Minuten dieses plausiblen und aktuellen Falles trägt sie nahezu allein - und das mit Bravour. Dennoch hat sie kürzlich angekündigt, dass die Frau Prohacek ja schließlich eine Beamtin sei und sich daher (nach nunmehr 27 Episoden in 15 Jahren) in den baldigen Ruhestand verabschieden werde. Ein besonderer letzter Fall wird aber noch in diesem Jahr gedreht werden.

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