TV-Tipp
Im Namen des Volkes

RTLzwei hat eine neue Gerichtsshow. Doch die hat nichts zu tun mit «Richterin Barbara Salesch» oder «Richter Alexander Hold» - sondern orientiert sich eher an einem anderen Klassiker.

Donnerstag, 02.04.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 05:03 Uhr
Der Münchner Anwalt Alexander Stevens ist Moderator der Gerichtsshow «Im Namen des Volkes - So urteilt Deutschland». Foto: Sven Hoppe

München (dpa) - Es gab eine Zeit, da beherrschten Gerichtsshows das deutsche Fernsehen: Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Hold oder Dr. Ruth Herz vom «Jugendgericht» prägten eine ganze, goldene Privatfernsehen-Ära, die leider schon viel zu lange vorbei ist.

Jetzt holt RTLzwei die Justiz zurück auf den Fernsehbildschirm - allerdings in einem völlig anderen Format. «Im Namen des Volkes» heißt die Show, die die Jury-Idee aus US-amerikanischen Gerichtssälen nach Deutschland holt. Frei nach dem Motto «Wie würden Sie entscheiden?». So hieß eine alte ZDF-Gerichtssendung mit einer ganz ähnlichen Grundidee, die im Jahr 2000 mangels Quote eingestellt wurde.

Damit das dem RTLzwei-Format nicht droht, haben die Macher kontroverse, echte Fälle ausgesucht, über die nun eine siebenköpfige Jury zu Gericht sitzen soll. «Wir haben alles dabei - vom Sozialtherapeuten über den katholischen Priester bis hin zum AfD-Politiker», sagt der Münchner Strafrechtler Alexander Stevens, der die Sendung moderiert, im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Er war einst auch schon bei «Richter Alexander Hold» dabei.

«Recht und Gerechtigkeit ist nicht immer das gleiche», heißt es im Vorspann zur ersten Episode mit dem Titel «Getötet, Vergraben, Vergessen». Dabei geht es um einen toten Rentner, seine wegen Mordes angeklagte Haushälterin und die Frage: «War das wirklich Notwehr oder war das hinterlistiger Mord?» Jury-Mitglied Inge stellt da gleich die Frage «nach der Verhältnismäßigkeit». «Mit der Axt, das war nicht in Ordnung. Der hätte auch irgendein anderes Teil nehmen können, von mir aus einen Stuhl ihm überziehen.»

In jeder Folge geht es um reale Fälle, in denen reale deutsche Gerichte bereits das Urteil gesprochen haben. Die Jury-Mitglieder kennen den Fall nicht, lernen ihn erst im Laufe der Sendung kennen - um dann selbst zu einem Urteil zu kommen, das dann mit dem tatsächlichen abgeglichen wird. «In drei realitätsnahen Kurzfilmen wird die Straftat rekonstruiert und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet», teilt der Privatsender zum Konzept mit. In weiteren Fällen geht es nicht nur um Mord, sondern auch um Autoraser und Entführung.

«Es ist ja nicht immer so schwarz-weiß, wie es auf den ersten Blick scheint», sagt Stevens. «Oftmals stehen ja wirklich Schicksale dahinter. Und manchmal fallen den Jury-Mitgliedern Aspekte auf, die ich nicht bemerkt habe - und das reale Gericht auch nicht.»

Seine eigene Auffassung über das deutsche Rechtssystem habe die Sendung verändert, sagt Stevens. Aus seiner Sicht könnte ein Jury-System wie in den USA für mehr Gerechtigkeit sorgen. «Sie haben mehr Leute mit mehreren Argumenten und einer breiteren Sichtweise», sagt Stevens. «Die Augen von sieben oder zwölf Geschworenen sehen mehr als die zwei Augen eines Richters.»

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